Auf Tour - Mit dem Fahrrad zum Nordkap und weiter nach Tarifa

Reisebericht einer Fahrradreise quer durch Europa

La Reole - 123 km - 10010 km

9. Oktober 2007, 20:43

Mit Sonne war heute wieder nicht viel los. Mit Regen aber gluecklicherweise auch nicht.
So konstant wie sich die Landschaft haelt, so hartknaeckig bleibt auch das Wetter. Was sich aendert, ist die Landwirtschaft. Immer wieder kommen ein paar zig Kilometer, auf denen Weintrauben angepflanzt werden, dann sieht man wieder eine Zeit nur Mais, Zuckerrueben und abgeerntete Felder. Dass ich momentan durch Felder mit Weintrauben fahre, duerfte bei der Naehe zu Bordeaux nicht verwundern.

An dem “Centre des Loisirs” war heute Morgen richtig viel Leben. Von mir wollte aber niemand etwas wissen, also blieb es eine weitere kostenlose Nacht. Seit ich Orleans verlassen habe, belaufen sich die Campingkosten auf fuenf Euro. Da hatte ich selbst in Skandinavien trotz des wilden Campings einen hoeheren Schnitt. Die Duschen an den Wasserfaellen waren aehnlich kalt wie die, die ich heute aus dem gekauften fuenf Liter Wasserkanister genommen habe. Nur stroemte dort vermutlich locker das Hundertfache an Wasser ueber mich.

Auch der heutige Campingplatz in La Reole ist schon im Winterschlaf. Optisch ist er schoen gelegen, direkt an der Garonne. Leider befindet er sich auch zwischen zwei stark befahrenen Strassen, die Nacht koennte etwas laut werden.

Der Jakobsweg wirft seine Schatten schon voraus. Heute habe ich zum ersten Mal Wegweiser von ihm gesehen.

Ich fuehle mich gerade so wie in Finnland. Dort war ich (beinahe) nur, um moeglichst schnell nach Norden zum Nordkap zu kommen. Hier ist es auch nicht die aktuelle Gegend, die mich beschaeftigt. Meine Gedanken sind schon ein paar Tage voraus: Mit den Pyrenaeen steht ein weiteres Highlight der Tour unmittelbar bevor, ich kann es kaum mehr erwarten.

Bild aufgenommen am
09.10.2007, 17:15.
Wieder eine runde km-Zahl auf meinem Fahrrad-Tacho.

Ich bin gespannt, wann ich meine nächste Fahrrad-Reise in Angriff nehmen werde, bei der ich wieder in solche Dimensionen bei der Gesamtdistanz vorstoße.
 
Bild aufgenommen am
09.10.2007, 19:04.
Dusche aus dem Kanister.
 

Brossac - 142 km - 9887 km

8. Oktober 2007, 21:44

Heute morgen entging meine waehrend der Tour gewonnene Haarpracht (mein Vater bezeichnete mich schon als Pilzkopf) nur knapp dem Kurzhaarschneider. Der direkt neben dem Campingplatz gelegene Frisoer war mit der Grund fuer die Platzwahl. Montag war aber leider Ruhetag, was ich nicht bedachte. Somit haben meine Zotteln noch eine Schonfrist erhalten, bis sich wieder mal Duschmoeglichkeit und Frisoer nahe kommen.

Die Gewichtsreduzierung durch den Haarschnitt haette ich heute gut gebrauchen koennen, die wellige Landschaft war mit scharfen Anstiegen gespickt. Leider war mit der Fernsicht, die ja meist die Belohnung fuer die erklommenen Hoehenmeter darstellt, nicht viel los. Die Sicht wurde morgens vom Nebel getruebt, auch spaeter war die Luft nicht klar genug um mehr als nur graue Konturen hinter dem naechsten Huegel zu erkennen.

Die Sonne sah ich heute gar nicht. Wie aber in den letzen Naechten, kann ich bei Dunkelheit (also in diesem Moment) die Sterne sehen, heute sogar einen wolkenfreien Sternenhimmel. Kann mir diese Abwechslung von Nebel bei Tag und Aufklarung bei Nacht mal jemand erklaeren?
Geregnet hat es aber nicht, dann soll es meinetwegen auch Nebel haben wie es will.

Manchmal koennte ich ueber die Inkonsequenz der Franzosen lachen. Heute gab es im Zusammenhang mit dem Campingplatz gleich mehrere Beispiele:
An der D731, die Hauptstrasse, die an Brossac vorbei fuehrt, war das “Centre des Loisirs” angeschrieben - mit Campingsymbol. Auch durch die Stadt durch sah ich diese Schilder. Auf den letzten Schildern vor dem Platz waren immer noch Symbole fuer den Kiosk, die Badestelle, und noch ein paar weitere Attraktionen, das Zeltsymbol fuer den Campingplatz war aber sichtlich vor nicht allzu langer Zeit entfernt worden. Man konnte die Umrisse noch sehen. Dass man den Touris kilometerlang einen Campingplatz unter die Nase reibt, um dann doch zu sagen “da steht doch nichts von Camping”, amuesiert mich schon ein wenig.
Ich habe mich auf dem schoenen aber verlassen wirkenden Gelaende trotzdem breit gemacht.
Die Toiletten und Duschen sind abgeschlossen, der Wasserhahn hinter dem Gebaeude funktioniert aber tadellos. Ebenso mit dem Strom: Alle Steckdosen sind tod, bis dann eben doch bei einer die Sicherung vergessen wurde und ich sie anzapfen kann. Eine findet man fast immer.
Die Unordentlichkeit der Franzosen hat zweifelsfrei Vorteile fuer mich.
Nebenbei steht mein Zelt heute unter einer ueberdachten Grillstelle. Sollte es sich der Sternenhimmel doch noch anderst ueberlegen…

Bild aufgenommen am
08.10.2007, 19:39.
Auf dem "Centre des Loisirs" bei Brossac.

Ein festes Dach über dem Zelt ist immer ein gutes Gefühl.
Schon allein deswegen, weil ich mein Zelt am nächsten Tag trocken einpacken kann.
 

Civray - 92 km - 9745 km

7. Oktober 2007, 20:00

Nach einem erneut nebligen Start wurde es heute Nachmittag sommerlich war. 25 Grad war der hoechste Wert, den ich auf einem Thermometer sehen konnte.
Ich habe den Eindruck, dass auch die Naechte zunehmend waermer werden. Trotz offenem Aussenzelt ist der Schlafsack schon beinahe zu warm. Diese Tendenz darf sich gerne fortsetzen.

Ich hatte selten so sehr mit Insekten zu kaempfen wie heute waehrend der Fahrt. In Skandinavien war es so, dass man gut fahren konnte, sobald man anhielt, sammelten sich aber die Stechmuecken an. Hier ist es umgekehrt. Die Insekten scheinen nichts von mir wissen zu wollen, sind waehrend der Fahrt aber staendig im Weg. Im Sekundentakt schlugen sie heute in meinem Gesicht ein. Ohne Sonnenbrille waere es sicher aeusserst unangenehm geworden.
Lustigerweise hatte ich das fuer Finnland befuerchtet, nun erlebe ich es in Frankreich.

Nach rund 30 km kam ich an einem noch geoeffnetem Campingplatz vorbei, dessen Rezeption aber nicht besetzt war. Ich machte dort eine lange Pause und versorgte meine Elektrogeraete mit Strom.
Es war natuerlich abzusehen, dass der Campingplatz, auf dem ich jetzt stehe, auch noch Saft auf den Leitungen hat. Im Grunde war die Rast also unnuetz lang, was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte.

In Civray habe ich die Etappe dann ueberraschend frueh beendet. Auch wenn die Campingplatz-Dichte zunimmt, war ein weiteres Exemplar, das bis Mitte Oktober geoeffnet hat, ein verlockendes Etappenziel.

Yzeures sur Creuse - 135 km - 9653 km

6. Oktober 2007, 20:18

Scheinbar war ich heute im falschen Teil von Frankreich unterwegs. Meine Freundin wie auch meine Eltern berichteten mir von Sonne, ich hingegen hatte Nebel und einen grauen Himmel. Da es aber nur in der Nacht regnete, kann ich mich nicht beklagen. Tagsueber war die Temperatur mit rund 20 Grad zum Radfahren sehr angenehm.

Die Landschaft ist weiterhin ziemlich wellig. Lange Anstiege gibt es nicht, trotzdem faehrt man staendig auf und ab.

Was bei der Fahrt etwas nervt, sind die Hunde. An fast jedem Zaun steht ein Klaeffer, der mich bellend empfaengt und so weit es ihm moeglich ist, begleitet. Die Hunde, die ich vor Belgien und Frankreich passierte, waren in dieser Hinsicht viel entspannter.

In Yzeures sur Creuse gab es mal wieder einen Camping Municipale, der eigentlich schon geschlossen hat. Strom gibt es keinen mehr, weitere Gaeste ebenfalls nicht, die Duschen sind abmontiert, kaltes Wasser ist aber noch zu haben. Die Dusche kam deshalb aus der Plastikflasche und war schlecht temperiert, aber ich war froh, ueberhaupt eine zu bekommen.

Inzwischen ist meine Freundin gut in Augsburg angekommen. Die Nacht hat sie in Paris verbracht, die naeheren Umstaende sind mir noch nicht bekannt.
Die Google-Karte duerfte im Laufe des Wochenendes somit wieder auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Bild aufgenommen am
06.10.2007, 13:14.
Eigentlich konnte ich mich glücklich schätzen, schließlich durfte ich meinen Urlaub fortsetzen, während meine Familie mehr oder weniger direkt nach Hause fuhr.

Aber das Abschiedsgefühl sollte mich noch zwei Tage begleiten und die Vorfreude auf die nun näher rückenden Pyrenäen dämpfen.
 
Bild aufgenommen am
06.10.2007, 17:45.
Fahrrad und Zelt auf dem Campingplatz bei Yzeures sur Creuse.
 
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07.10.2007, 17:22.
Abgesehen von mir war der Campingplatz ausgestorben.
 

Vernou en Sologne - 88 km - 9517 km

5. Oktober 2007, 19:06

Den Donnerstag verbrachten wir alle vier auf dem Campingplatz von Olivet. Wir ueberlegten nach Orleans zu radeln, um bereits einen Tag frueher als notwendig die Zugkarten fuer meine Freundin zu kaufen, entschieden uns aber doch dagegen.

Heute verabschiedeten wir uns von meinen Eltern und brachen gegen elf Uhr auf. Der Bahnhof in Orleans war schnell gefunden, das Kaufen der Tickets wurde jedoch schwieriger als erwartet. Dass niemand englisch sprach, wunderte mich nicht unbedingt. Dass man uns am Bahnhof aber keine Auskunft ueber die Verfuegbarkeit von Plaetzen fuer den Zug Paris-Augsburg geben konnte, verstehe ich noch immer nicht. Wir erhielten eine Telefonnummer, unter der wir Auskunft erhalten sollten. Sollte die Person an der anderen Leitung eine so schnelle Auffassungsgabe besitzen, wie die Dame am Schalter, waere das Gespraech aber sicher so teuer wie die komplette letzte Urlaubswoche geworden.
Meine Freundin fuhr ohne die Auskunft nach Paris.
Erst dort erfuhr sie, dass der Nachzug bereits ausgebucht war. Es gaebe aber noch eine fruehere verfuegbare Verbindung, fuer die sie somit ein Ticket loeste. Das Zugpersonal sah die Verfuegbarkeit aber wohl mit anderen Augen und verweigerten ihr mit dem Fahrrad die Mitfahrt.
Nun ist sie gerade auf der Suche nach einer Uebernachtungsmoeglichket in Paris, da die naechste Verbindung erst am Samstag Morgen besteht.

Als meine Freundin im Zug nach Paris verschwunden war, machte ich mich auf den Weg zurueck zur Loire. Auf dem Flussradweg fuhr ich einige Kilometer, bevor ich mich entschied mehr Richtung Sueden zu fahren.
Bei sonnigem Wetter und mit Rueckenwind fuhr ich, bis ich zur passenden Zeit ein Schild eines Campingplatzes fand. Dieser hat leider bereits seit 1.10. geschlossen, was mich aber nicht abhielt, mein Zelt auf dem Gelaende aufzubauen. Zufaelligerweise befindet sich in 200 m Entfernung zum Campingplatz ein Parkplatz mit Sanitaerhaeuschen. Einzig auf die Dusche werde ich heute verzichten muessen.

Bild aufgenommen am
05.10.2007, 11:20.
Abschied von meinen Eltern am Campingplatz bei Olivet.

Kurz danach verabschiedete ich auch meine Freundin am Bahnhof von Orleans.
 

Olivet bei Orleans - Teil 2

4. Oktober 2007, 09:00

Als ich vor etwa zwei Wochen ueber mehrere Ecken erfuhr, dass meine Eltern in den Urlaub aufgebrochen waren, wunderte ich mich, dass sie mich nicht informiert hatten. Normalerweise taten sie das immer, warum also dieses Mal nicht?
Ich hatte einen Verdacht.

Um sie aus der Deckung zu locken, schrieb ich eine E-Mail an meine Schwester und fragte nach, wohin die Reise denn ginge. Wenn da etwas im Busch war, musste meine Schwester es wissen.
Ich erhielt keine Antwort, was fuer meine Schwester sehr ungewoehnlich war und meinen Verdacht erhaertete.
Einige Tage spaeter telefonierte ich mit meiner Mutter in “Suedtirol”. Zwar war ich erstaunt ueber die unpraezise Wetterauskunft, der Rest aber klang plausibel. Da die Wochen ins Land zogen, glaubte ich die Geschichte inzwischen.

Als ich gestern gerade das Innenzelt zum Aufbau in der Hand hielt, sah ich das Heck eines amerikanischen Wohnmobils die Zufahrt zum Campingplatz passieren. Ein Heck, mit dem ich durch die ein oder andere Bastelei sehr gut vertraut war.

Meine Eltern hatten fuer rund zwei Wochen an der Cote d’Azur gelauert, um uns dann im passenden Moment abzufangen. Die Ueberraschung war gelungen und die Wiedersehensfreude gross.

Natuerlich wurden wir gestern auch entsprechend gut versorgt. Unser Zelt brauchten wir nicht aufbauen, wir verbrachten die Nacht, in der es wieder zu regnen begann, im trockenen Wohnmobil.

Wir werden alle bis Freitag auf dem Campingplatz bleiben, um ihn dann auf drei unterschiedliche Wege zu verlassen.
Meine Freundin wird mit dem Zug nach Augsburg reisen, meine Eltern setzen ihren Urlaub fort und ich plane, entlang der Loire Richtung Tours zu radeln.

Bild aufgenommen am
03.10.2007, 19:34.
Endlich wieder richtiges Essen im Wohnmobil meiner Eltern.
 

Olivet bei Orleans - 115 km - 9429 km

4. Oktober 2007, 08:55

Am Mittwoch Morgen waren meine Kopfschmerzen verschwunden und so stand einem fruehen Aufbruch nichts im Weg. Ein besonderes Vergnuegen war es wegen des Wetters aber nicht. Wieder fuhren wir durch dichten Nebel, oft lag die Sichtweite bei weniger als 200 m. Zusaetzlich fuehlte sich alles feucht und klamm an. Gegen Mittag regnete es noch fuer zwei Stunden, was unsere Routenplanung aenderte. Urspruenglich wollten wir die Strecke nach Orleans in zwei Tagen fahren. Da wir aber schon nass waren und keine Lust darauf hatten, im Regen unser Zelt unnoetigerweise aufzubauen, beschlossen wir die Strecke in einem Aufwasch zu radeln.

Ich wusste durch eine E-Mail meines Vaters, dass sich in Olivet, unmittelbar suedlich von Orleans, ein Campingplatz befindet. Da wir auch keinen anderen Platz ausmachen konnten, steuerten wir diesen an und fanden ihn nach etwas laengerer Suche.

Das Wetter hatte sich bei der Ankunft komplett geaendert. Schon seit Stunden war es trocken und der Nebel hatte sich (wenn auch sehr langsam) gelichtet. Je naeher wir an Orleans herankamen, desto mehr kam die Sonne durch die Wolken.

Als wir auf dem Zeltplatz eine der matschigen Parzellen ausgesucht hatten und unser Lager aufbauen wollten, gab es eine Ueberraschung fuer uns. Mehr dazu im in wenigen Minuten folgenden Teil 2.

Bild aufgenommen am
03.10.2007, 10:56.
Fahrradreise im Nebel durch Frankreich.
 
Bild aufgenommen am
03.10.2007, 11:03.
Obwohl es nicht regnete, war alles klitschnass durch den Nebel.
 

Grez sur Loing - 54 km - 9314 km

2. Oktober 2007, 18:30

Schon morgens fuehlte sich die Luft an, als waeren wir in einem Regenwald. Es war unangenehm feucht, obwohl es gluecklicherweise nicht regnete.
Eigentlich bin ich nicht wetterfuehlig, aber dass ich ausgerechnet heute bei diesem schwuelen Wetter mit Kopfschmerzen zu kaempfen hatte, legt einen Zusammenhang doch nahe.

Da ich nicht in bester Verfassung war und die Distanz nach Orleans nicht gerade eine unloesbare Aufgabe fuer zwei Reisetage darstellt, haben wir heute unser Zelt nicht sehr weit vom Etappenstart entfernt aufgeschlagen. Wir sind nur an Melun vorbeigefahren, haben uns in Fontainebleau etwas zum Mittagessen gekauft und stehen nun auf einem schoenen Campingplatz nahe der Loing.

Bild aufgenommen am
02.10.2007, 13:39.
Blick auf Melun.
 
Bild aufgenommen am
02.10.2007, 19:19.
Campingplatz unweit der Loing.
 

Blandy - 115 km - 9261 km

2. Oktober 2007, 09:34

Auf dem gestrigen Camping Municipale kam niemand zum Kassieren, also blieb die Nacht fuer uns kostenlos. Sehr komfortabel war es dort aber auch nicht, speziell der Geraeuschpegel wurde von einer naheliegenden Strasse und ebenfalls nicht weit entfernten Bahngleisen in die Hoehe getrieben.
Zu allem Ueberfluss erschien gegen acht Uhr auch noch ein Arbeiter, der mit seinem Maeh-Traktor freudig seine Runden um unser Zelt drehte. Man verstand sein eigenes Wort kaum, an Schlaf war nicht mehr zu denken.

Die Folge war, dass wir schon um neun Uhr auf der Strasse waren und Kilometer strampelten.
Zuerst ging es an vielen Weintrauben vorbei, rund 30 km weiter hatte sich das Landschaftsbild bereits wieder geaendert und wurde vom vielen Wald bestimmt. Abends nahmen die landwirtschaftlich genutzten Flaechen zwar wieder zu, Weinanbau gab es aber so gut wie keinen mehr.

Das Wetter war uns nicht ganz so hold, wie es morgens den Anschein machte. Ab Mittag regnete es immer wieder leicht. Unsere Mittagspause verbrachten wir aus diesem Grund in der ueberdachten Einfahrt zu einem Hinterhof in La Ferte-Gaucher. Der Abend war dann wieder trocken und sonnig, bevor es nachts erneut zu regnen begann.
Das Wetter kann sich scheinbar nicht recht entscheiden.

Eigentlich wollten wir in Mormant campen, leider gab es keinen Campingplatz. Gut zehn Kilometer weiter fanden wir dann einen entsprechenden Wegweiser, der uns nach etwas Suchen zum Ziel fuehrte.

Inzwischen zeichnet sich die Rueckreise meiner Freundin ab. Sie wird voraussichtlich am Freitag mit dem Zug von Orleans nach Paris fahren und dann mit dem Nachtzug weiter nach Augsburg reisen.

Bild aufgenommen am
01.10.2007, 14:27.
In La Ferte-Gaucher.

Fahrrad und Fahrer verstecken sich vor dem Regen.

 

Dormans - 56 km - 9146 km

30. September 2007, 20:40

Nach einem verregneten Tagesbeginn wurde das Wetter besser und besser. Wir starteten erst gegen Mittag und hatten dann das sommerlichste Wetter seit langer Zeit.

Da wir einige gewaschene aber noch nasse Kleidungsstuecke hatten, machten wir nach etwa 25 km eine laengere Pause. Auf einem Feldweg spannten wir unsere Waescheleine zwischen den Fahrraedern auf und rasteten fuer ueber eine Stunde.

Nur wenige Kilometer danach hatte das Rad meiner Freundin eine gluecklicherweise nicht sehr gravierende Panne an der Gangschaltung, die uns erneut Zeit kostete. So kamen wir heute nicht sehr weit, konnten das schoene Wetter aber umso mehr geniessen.

Kurz vor Dormans fanden wir ein Hinweisschild auf einen Campingplatz, dem wir folgten. Zuerst versorgten wir uns aber in der Stadt mit frischem Baguette und einem Eis, waren die Temperaturen doch endlich mal wieder zu Zweitem passend.

Kurz vor Etappenende aenderte sich das Bild der Landschaft noch ein wenig. Passend zur Champagne wichen viele der bisher vorhandenen Zuckerrueben-Felder dem Anbaugebiet der unzaehligen Weinbauern.
In Dormans gibt es ein Wein- und Champagnerlokal neben dem anderen.

Der heutige Campingplatz (ein Camping Municipale) ist das Gegenteil von dem gestern. Die Sauberkeit wird nicht sehr gross geschrieben, und das, obwohl wir die einzigen Gaeste sind.

Eine kleine Anmerkung zur Karte bei Google-Maps: Meine Schwester, die die Karte pflegt, waehrend meine Freundin mich begleitet, tritt gerade ihren wohlverdienten Urlaub an. Bis meine Freundin naechstes Wochenende diese Aufgabe wieder uebernimmt, bleibt die Karte auf dem jetzigen Stand. Die bis dahin gefahrene Route wird natuerlich nachgetragen.

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30.09.2007, 16:46.
Auf den Straßen Frankreichs.
 

Vailly sur Aisne - 70 km - 9089 km

30. September 2007, 10:21

Dass wir gestern trocken durchgekommen sind, grenzte fast an ein Wunder. Von morgens an war der Himmel grau und dunkle Wolken zogen ueber uns hinweg. Trotzdem regnete es erst spaet abends, als wir bereits im Zelt lagen.
Durch den leichten Nebel, die Wolken und die bunten Baeume war es besonders vormittags richtig herbstlich.
Wie am Tag zuvor durften wir am Abend sogar noch etwas Sonne geniessen.
Schon lange konnten wir wegen Naesse oder zu tiefer Temperaturen nur innerhalb des Zeltes zu Abend essen, gestern war endlich wieder ein gemuetliches Vesper auf der Isonatte unter freiem Himmel faellig. Da schmeckt das Baguette und die Croissants gleich noch viel besser.

In unserem Kartenmaterial fuer Frankreich sind leider keine Campingplaetze eingezeichnet. Eher zufaellig stiessen wir aber auf ein ziemlich schoenes Exemplar. Seit Holland ist es der erste Platz mit sauberen Sanitaereinrichtungen. Zudem ist hier noch richtig Leben am Platz, was wir seit dem “Ballermann-Camping” nicht mehr erlebt haben. Die meisten Campingplaetze der letzten zwei Wochen waren wie ausgestorben.

Vom Wetter abgesehen zeigt sich Frankreich mal wieder als eines der schoensten Laender zum Radreisen. Die Topographie ist gemaessigt, die Menschen sind sehr freundlich, Nahrungsmittel sind guenstig und die vielen kleinen Strassen sind in einem guten Zustand.

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29.09.2007, 14:49.
Möchte da etwa jemand vom Fahrrad auf das Pferd umsatteln?
 
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30.09.2007, 11:07.
Auf einem Campingplatz bei Vailly-sur-Aisne.
 

Bei Ribemont - 76 km - 9020 km

29. September 2007, 19:35

Wie ich schon im letzten Beitrag geschrieben habe, war das Wetter am Freitag Morgen alles andere als einladend. Erst gegen Mittag hoerte der Regen auf und wir starteten daraufhin entsprechend spaet.

Kurz nach Etappenstart kamen wir an einem Verkehrsunfall vorbei. Zwei Krankenwagen verliessen kurz vor unserem Eintreffen mit Blaulicht und Martinshorn die Stelle. Da meine Probleme die letzten drei Monate aus Regen und Gegenwind bestanden, kamen mir meine eigene Sorgen sehr schnell sehr klein vor.

Schon seit der Region um Bruessel gibt es wieder Anstiege zu bewaeltigen. Am Freitag waren das erste Mal auch wieder viele jenseits der fuenf Prozent Marke dabei.

Der Himmel lockerte im Tagesverlauf auf und am Abend fuhren wir bei Sonnenschein zwischen den vielen Feldern.
Die Landschaft wird wieder interessanter. Seit der Ankunft in Daenemark gefaellt mir die momentane Gegend am besten.

Wir hatten schon seit 20 km die Augen offen gehalten, aber es wollte kein Campingplatz kommen. Eine Querstrasse zu der ohnehin kaum befahrenen Landstrasse brachte uns zu einem von Brennesseln und Disteln zugewachsenen Waldweg, der nach 20 m endete. Auf diesem schlugen wir unser Zelt auf. Soviel sei schon jetzt verraten: Es hat sich niemand an unserer Anwesenheit gestoert, ausser die beiseite geraeumten Pflanzen vielleicht.

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28.09.2007, 17:43.
Etappe zwischen endlosen Feldern in Frankreich.

 
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28.09.2007, 18:02.
Die letzten Kilometer in der Abendsonne.
 

Hon-Hergies - 61 km - 8944 km

28. September 2007, 09:29

Gestern Morgen fuehlte ich mich, als haette ich in der Kneipe am Abend davor von jeder erhaeltlichen Biersorte eine Flasche geleert.
Das Bier in Belgien ist staerker als in Deutschland. Die 6-10 % Alkohol hinterliessen bei mir schmerzhafte Spuren.
Trotzdem nutze ich morgens die Zeit, um neue Bilder auf die Internetseite zu stellen. Wer weiss schon, wann ich wieder kostenlosen Zugriff auf einen PC habe. Meine bessere Haelfte organisierte in dieser Zeit schon Verpflegung fuer den Tag.

Gegen 12 Uhr war es dann soweit, wir brachen auf. Wir naehrten uns nicht nur der Grenze zu Frankreich, wir liessen sie sogar hinter uns zurueck. Wenn auch nur wenige Kilometer.

Das Wetter machte uns den Aufbruch etwas leichter als am Tag davor. Sonne und Rueckenwind begleiteten uns waehrend der ersten 30 km, abends setzte wieder Regen ein.

Leider haelt dieser Regen heute Vormittag noch immer an.
An unserem Entschluss, heute trotzdem aufzubrechen, hat der Regen bisher nichts geaendert. Sollte die Niederschlagsintensitaet aber im Laufe des Tages nicht ab- sondern zunehmen, koennte das unsere Lust aufzubrechen gehoerig daempfen.

Enghien - Tag 2

28. September 2007, 09:21

Wir waren fest entschlossen, am Mittwoch wieder aufzubrechen. Vormittags besuchten wir den Park von Enghien, der wesentlich groesser als die restliche Stadt ist. Nachmittags wollten wir noch ein paar Kilometer Richtung Frankreich strampeln.
Als wir aufbrechen wollten, hatte sich das schoene Wetter zum Dauerregen gewandelt und unsere Motivation damit erheblich gedrueckt. Wir folgten dem Vorschlag von Gilles, eine weitere Nacht zu bleiben.

Am zweiten gemeinsamen Abend besuchten wir eine Bar in der Naehe von Gilles Haus. Die Bierkarte war seitenlang. Ueber 200 Biersorten waren zu haben. Wie uns erzaehlt wurde, ist dies in Belgien keine Seltenheit.
Wir liessen uns nicht lange bitten und tranken kreuz und quer durch die unterschiedlichsten Biersorten. Da manche Biere in viertel Liter ausgeschenkt wurden, konnten wir viele verschiedene Gebraeue testen. Manches davon wuerde in Deutschland aber nicht als Bier bezeichnet werden. Es gab Bier mit jeglichem Fruchtgeschmack, eines war mit Honig. Die Spanne reichte von grausam bis lecker, Augustiner-Niveau erreichte aber keines.
Besonders lustig fand ich, dass jede Biermarke in einem entsprechenden Glas serviert wird. Waehlt man einen Exoten, verschwindet der Kellner fuer kurze Zeit in den Speicher.

Der Abend war natuerlich voll von Nordkap-Erinnerungen und weiteren Erzaehlungen der beiden unterschiedlichen Reisen. Die Entscheidung, eine zweite Nacht in Enghien zu verbringen, war genauso richtig wie sie es am Nordkap war. Wir hatten viel Spass und den beiden Jungs machte das Wiedersehen genau wie mir grosse Freude.

Bild aufgenommen am
26.09.2007, 09:22.
Am Frühstückstisch bei unseren belgischen Freunden.
 
Bild aufgenommen am
26.09.2007, 10:26.
Ausflug in den Park von Enghien (Edingen).

Ausnahmsweise haben wir ihn nicht per Fahrrad sondern zu Fuß besichtigt.
 
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26.09.2007, 23:17.
Abends in einer belgischen Kneipe.

Wie nicht anders zu erwarten, war der Abend gefüllt mit Erinnerungen an unser erstes Treffen am Nordkap.
 

Nachtrag Enghien - 67 km - 8883 km

28. September 2007, 09:13

Die Innenstadt von Bruessel hatten wir bereits am Abend zuvor besucht, weswegen wir sie am Dienstag nur auf kuerzestem Weg durchquerten. Wir planten, das Atomium zu besichtigen und danach das Stadtgebiet Richtung Westen zu verlassen.

Ein Fahrrad mag in einer Grossstadt einige Vorteile gegenueber einem Auto haben. Ein voll beladenes Reiserad in Kombination mit mangelnder Ortskenntnis macht diese Vorteile aber oft schnell zunichte. Der Weg vom Campingplatz im Osten der Stadt in den Nordwesten zum Atomium war deshalb kein grosses Vergnuegen. Trotz der kurzen Distanz von etwa 25 km war die Strecke ermuedend.

Nach der Besichtigung des Monuments der Weltausstellung machten wir uns auf den Weg nach Enghien, wo die beiden Belgier, mit denen wir uns verabredet hatten, wohnen.
Der Weg hinaus aus dem Stadtgebiet war nicht ganz so einfach wie die Annaeherung, stellte uns aber vor keine groesseren Probleme.

Puenktlich wie die Maurer trafen wir wie verabredet gegen 18 Uhr in Enghien ein, wo wir von Gilles empfangen wurden. Wir konnten unsere Fahrraeder im Garten hinter seinem Haus abstellen. Innen wartete ein eigenes Gaestezimmer auf uns.

Wir wurden lecker von Gilles bekocht und machten uns einen entspannten Abend. Spaeter stiess auch Benji noch zu uns, der erst um 22 Uhr Feierabend hatte.

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25.09.2007, 12:14.
Im Park Cinquantenaire mitten in Brüssel am nächsten Tag.
 
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25.09.2007, 12:25.
Brüssel
 
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25.09.2007, 13:24.
Das Atomium in Brüssel - natürlich mit Fahrrad davor :-)
 

Nachtrag Bruessel - 94 km - 8816 km

27. September 2007, 20:37

Die Anfahrt von Bruessel habe ich als sehr einfach und angenehm empfunden. Die letzten 30 km fuhren wir kerzengerade an der N21 entlang. Selbst als sich diese nahe des Flughafens auf zwei Fahrspuren pro Fahrtrichtung vergroesserte, gab es einen kleinen Streifen fuer Radfahrer am Rand.
Es war moeglich, direkt auf den grossen Strassen, die fuer Radler meist nicht nutzbar sind, bis an den Stadtrand zu gelangen.

Das Wetter war abends so gut wie der sonnige Tagesbeginn es erwarten liess, leider regnete es dazwischen aber immer wieder.

Wir hatten einen Campingplatz ausserhalb von Bruessel, aber innerhalb des Ballungsgebietes ausgesucht, den wir dann auch ueberraschend einfach finden konnten. Bei der Ankunft war die Rezeption unbesetzt. Dieser Zustand aenderte sich waehrend unseres Aufenthalts nicht, obwohl weitere Gaeste anwesend waren. Die Nacht war somit kostenlos fuer uns.
Viel geboten hat der Platz allerdings nicht. Das Toilettengebaeude konnte man mit geschlossenen Augen finden - “immer der Nase nach” fuehrte ebenfalls dorthin. In der Dusche dieses Campingplatzes sind auch die im vorangegangenen Beitrag enthaltenen Bilder mit dem Pilz entstanden.
Ich hatte Belgien eher so sauber und ordentlich wie Holland erwartet, aber da lag ich weit daneben. Nur nahe der Grenze im Norden traf dies fuer das Stadtbild zu.
In einem der vorangegangenen Beitraege habe ich geschrieben, dass Belgien den Niederlanden allgemein aehnelt. Das stimmt nach meiner jetzigen Erfahrung nur fuer einen kleinen Teil des Landes. Mit zunehmender Naehe zu Bruessel wirkte das ganze Land mehr und mehr franzoesisch - mit allen Vor- und Nachteilen.

Als wir das Zelt aufgebaut und geduscht hatten, radelten wir mit leichtem Gepaeck in die Bruesseler Innenstadt, was vom Campingplatz aus eine knappe halbe Stunde dauerte. Sehr “alt” wurden wir dort allerdings nicht, dafuer wurden wir beide zu frueh muede. Gegen 23 Uhr waren wir froh, in unsere Schlafsaecke kriechen zu koennen.

Bild aufgenommen am
24.09.2007, 10:24.
Frühstück auf dem Parkplatz des Supermarktes.
 
Bild aufgenommen am
24.09.2007, 18:05.
Pilz in der Dusche des Campingplatzes bei Brüssel.

Wie lange wurde hier wohl nicht geputzt?
 
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24.09.2007, 18:05.
Kennt sich jemand mit Pilzen aus? Hätten wir den in den Salat schneiden können?
 
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24.09.2007, 19:09.
Brüssel
 
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24.09.2007, 19:16.
Innenstadt von Brüssel
 
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24.09.2007, 21:11.
Der Triumphbogen von Brüssel, gleichzeitig der eingang zum Park Cinquantenaire.
 

Abschied von Gilles

27. September 2007, 10:14

Bevor wir von Gilles aufbrechen habe ich meine in den letzten Tagen etwas vernachlaessigte Leserschaft erneut mit Bildern versorgt. Auch die Strecke ab Trondheim ist nun graphisch unterlegt.

Bei Gilles

26. September 2007, 00:31

Inzwischen sind wir bei Gilles angekommen und herzlich empfangen worden.

Dies nur vorab. Die letzten beiden Tage liefere ich nach, zum Schreiben war in den vergangenen 48 Stunden kaum Zeit.

Noorderwijk - 74 km - 8722 km

24. September 2007, 10:22

Der Safaripark entpuppte sich bei naeherer Betrachtung eher als drittklassiger Zoo - und das bei erstklassigen Preisen. Wir schenkten uns also dessen Besuch und radelten lieber gemuetlich Richtung Bruessel.
Schon nach wenigen Kilometern Fahrt hatten wir die belgische Grenze ueberquert. Generell finden wir Holland und Belgien bisher recht aehnlich, ein paar Unterschiede sind uns aber doch aufgefallen. Beispielsweise sind die Radwege nicht mit den hollaendischen vergleichbar. Hier gibt es ausserhalb von Ortschaften meist nur einen schmalen Streifen an einer Fahrbahnseite, dessen Fahrbahnoberflaeche zudem oft zu wuenschen uebrig laesst. Mit den niederlaendischen Verhaeltnissen verglichen zu werden, duerfte allerdings auch fuer jedes andere Land eine kaum zu knackende Nuss darstellen.

Ein einziger Campingplatz ist sicher ein schlechter Massstab, aber wenn es nach der genutzten Uebernachtunsstaette in Noorderwijk geht, wurden auch saemtliche Hygienevorstellungen noerdlich der Grenze zurueckgelassen. Es war zu erwarten, dass die Sauberkeit zusammen mit der noerdlichen Breite abnimmt, aber in Belgien haette ich noch nicht damit gerechnet. Es war das ekelhafteste Sanitaergebaeude, das ich auf meiner bisherigen Reise gesehen habe.

Am Nordkap hatte ich (wie berichtet) Kontakt mit zwei netten Belgiern, die unweit SW-lich von Bruessel wohnen. Wir haben fuer Dienstag ein Treffen vereinbart, weswegen wir noch viel Zeit fuer die relativ geringe Strecke zur Verfuegung haben.
Ein anderes Treffen mit einem Freund aus Schulzeiten kam leider nicht zustande, aber die Entfernung zu seinem Wohnort war bei naeherer Betrachtung doch groesser als erwartet.

Bei Tilburg - 102 km - 8647 km

23. September 2007, 10:40

Gestern konnten wir viele unterschiedliche Gesichter von Holland kennen lernen. Zuerst ging es ueber viele Kilometer direkt an einer Autobahn entlang, Laerm und Abgase inklusive. Gegen Mittag rasteten wir zentrumsnah in ’s Hertogenbosch und bekamen etwas Stadt-Stimmung mit, bevor wir uns auf die Ausschilderung des hollaendischen Radwegnetzes verlassen haben und davon querfeldein durch eher laendliche Gebiete gefuehrt wurden.
Anstiege sind weiterhin nicht auszumachen.

Kurz nach Tilburg gibt es einen Safaripark, dem zwei Campingplaetze angeschlossen sind. Da in der naeheren Umgebung auf unserer Karte keine weitere Zeltmoeglichkeit eingezeichnet war, entschieden wir uns, dort zu bleiben.
Der Platz bekam bei uns sehr schnell den Spitznamen Ballermann-Camping. Bis spaet in die Nacht toenten Schlager der untersten Schublade durch das Areal.

Auf eine andere, weit leisere Art, feierten auch wir gestern, schliesslich hatten wir allen Grund dazu. Wie die meisten Leser wissen duerften, lebe ich seit geraumer Zeit mit meiner Freundin in wilder Ehe. Gestern hatten wir Jahrestag und es gab die erste Schnapszahl zu feiern. Aus diesem Anlass radelten wir abends nach Hilvarenbeek und liessen es uns dort gut gehen.

Auch heute scheint das Wetter sonnig zu werden, wir haben die Tagesplanung aber noch nicht ganz abgeschlossen.
Wir koennten vor die Tore Bruessels radeln oder alternativ die Naehe des Safariparks nutzen und anschliessend nur eine kleinere Distanz fahren.

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22.09.2007, 13:17.
Perfekter Radweg, ausgebaut wie eine "Fahrrad-Autobahn" - leider direkt entlang an der richtigen Autobahn.
 
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22.09.2007, 14:33.
Mittagspause in `s Hertogenbosch.
 
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22.09.2007, 16:20.
Die holländischen Fahrradwege sind die besten, die ich je kennenlernen durfte.
 

Erichem - 99 km - 8545 km

22. September 2007, 09:19

Den Donnerstag verbrachten wir mit einem Besuch im Schwimmbad des Campingplatzes. Auf dem Platz waren wenig Gaeste zu sehen, im Schwimmbad gab es ausser uns keine weiteren Besucher.

Gestern spielte das Wetter wieder mit und wir fuhren weiter Richtung Sueden.
Seit der Daenisch/Deutschen-Grenze gibt es praktisch keine Landschaftserhebungen. Nicht einen Kilometer ging es bergauf, hoechstens eine Bruecke ueber ein grosses Gewaesser muss erklommen werden. Gestern gab es nun wieder die ersten winzigen Anstiege (300 m, 3 %).
In Norwegen hatte ich gar nicht mehr geglaubt, dass ein Land ueberhaupt so flach sein kann, wie es Holland bisher war.

Leider ist Holland immer dichter besiedelt, je weiter wir nach Sueden kommen. Wir fahren beinahe von einer Vorstadt direkt in die der naechsten Stadt. Somit werden auch die Radwege, die nach wie vor in Huelle und Fuelle vorhanden sind, von stark befahrenen Strassen begleitet, was den Genuss etwas mindert.

Heute Morgen scheint die Sonne von einem wenig bewoelkten Himmel auf unser Zelt, auch der Wind scheint heute einen Ruhetag einzulegen.

Bei Harderwijk - 80 km - 8445 km

20. September 2007, 10:25

Schon bei der Fahrt aus Lemmer hinaus war klar, dass der Wind gestern nicht auf unserer Seite stehen wuerde. Den ganzen Tag ueber gab es nichts geschenkt, jeder Kilometer war hart erkaempft.
Etwa fuenf Beaufort aus SSW bremsten uns deutlich unter die 15 km/h-Marke.

Ansonsten konnten wir uns ueber das Wetter nicht beklagen. Wir sahen zwar einige dunkle Wolken durchziehen, wurden aber nicht einmal nass dabei. Erst in der Nacht, wir standen schon lange kurz vor Harderwijk auf einem Campingplatz, gab es einige kurze Schauer. Leider wurden die Niederschlaege im Verlauf des Morgens haeufiger. Inzwischen ist der Himmel eine einzige graue Suppe, weshalb wir heute den Kampf mit dem immer noch vorhandenen Gegenwind nicht aufnehmen wollen. Zum Campingplatz gehoert auch ein Hallenbad, das uns heute eher lockt als die Strasse.

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19.09.2007, 14:04.
Mittagspause am Hafen.
 
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19.09.2007, 15:03.
Windsack am Ijsselmeer.

Dass der so abgekämpft aussieht, wundert mich nicht.
 
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19.09.2007, 15:03.
Windräder am Ijsselmeer.
 
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19.09.2007, 15:04.
Vielleicht hätten wir heute das Gefährt im Hintergrund nehmen sollen anstelle der Fahrräder, dann hätten wir den Wind nutzen können statt gegen ihn anzutreten.
 
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20.09.2007, 15:08.
Das Campingplatz-Schwimmbad war heute die bessere Alternative zur Regen-Etappe.

Wie man sieht war es auch nicht gerade überfüllt.
 

Lemmer - 82 km - 8365 km

19. September 2007, 10:10

Der zweite Tag in Witten verlief unspektakulaer. Wir blieben den Grossteil der Zeit wegen des Regens im Zelt und beschaeftigten uns meist mit (Hoer-)Buechern. Abends, als ich die zweite Nacht auf dem Campingplatz bezahlte, fragte ich nach, ob wir unser Zelt unter einem grossen Pavillon aufbauen koennten, der momentan sichtlich unbenutzt war. Zudem waren wir die einzigen Gaeste auf dem ganzen Platz.
Es gab keine Einwaende, also zogen wir mit unserem Zelt unter das Dach. Ein Gartenhaus wurde uns auch noch als Sitzgelegenheit angeboten. Von den beiden Campingplatzbesitzern wurden wir darin auf einen Kaffee eingeladen, spaeter verbrachten wir darin den Abend bei Kerzenschein.

Gestern Morgen konnten wir dann trotz Regenschauer in der Nacht unser Zelt trocken abbauen und uns auf den Weg ans Ijsselmeer machen.
Immer wieder zogen dunkle Wolken durch, die uns hin und wieder mit Regen erwischten, den Grossteil des Tages fuhren wir aber bei Trockenheit, oft auch bei Sonnenschein. Was uns bremste, war der heftige Westwind.

Als Kind und Jugendlicher war ich schon oefters in Lemmer, der juengste Besuch liegt aber schon etwa zehn Jahre zurueck. Aus diesem Grund hatte ich die Stadt als Ziel am Ijsselmeer ausgewaehlt.
Wie in “alten Zeiten” assen wir an einer der Fischbuden am Hafen, der in Lemmer gleichzeitig die Fussgaengerzone darstellt.
Anschliessend fuhren wir an den Stadtrand, wo wir momentan noch auf dem Campingplatz sind.
Das Wetter ist heute etwa so wie gestern, ganz trocken werden wir heute vermutlich auch nicht durchkommen, trotzdem werden wir in Kuerze mit dem Abbau beginnen.

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17.09.2007, 19:00.
In Witten durften wir es uns in einem Wintergarten gemütlich machen.
 
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17.09.2007, 19:02.
Auch das Zelt sowie die Fahrräder bekamen einen trockenen Stellplatz.
 
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17.09.2007, 20:26.
Abends im Wintergarten beim Schein der Öllampen.
 
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19.09.2007, 10:18.
Viel Wind in Lemmer am Ijsselmeer.

Die Wäsche trocknet fast noch während des Waschens, aber beim Fahrrad fahren kam der starke Wind leider genau von vorne.
 
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19.09.2007, 10:21.
Noch am Campingplatz in Lemmer.

Wie man sehen kann, war der Gegenwind der guten Laune nicht abträglich.
 

Witten - 75 km - 8283 km

17. September 2007, 14:52

Holland ist wirklich ein Traum zum Radeln. Nicht nur, dass es absolut flach ist, auch die Infrastruktur ist hervorragend. Fast an jeder Strasse, innerhalb oder auch ausserhalb von Ortschaften, befindet sich ein prima Radweg.

Einzig der fuer dieses Land typische Wind machte uns gestern zu schaffen. Er blies mit 3-4 Windstaerken gegen unsere Fahrtrichtung bei ansonsten sonnigem Wetter.
Der Grund, warum wir in Reichweite zu Assen geblieben sind, war aber ein anderer: ein griechisches Restaurant.

Wir wollten essen gehen, und ich hatte mir einen Griechen in den Kopf gesetzt. Da wir bei der Durchfahrt durch Assen ein entsprechendes Lokal entdeckt hatten und keine weitere groessere Stadt mehr auf unserer Tagesetappe lag, reservierten wir gleich einen Tisch und bauten etwa fuenf Kilometer davon entfernt auf einem Campingplatz unser Zelt auf.
Abends fuhren wir dann wieder zurueck in die Stadt und liessen es uns ausgiebig munden.

Heute haben wir uns im Zelt verschanzt, da es den Grossteil der Zeit regnet. Urspruenglich wollten wir nach Lemmer fahren, bei dem Wetter haben wir uns aber doch fuer einen Ruhetag entschieden.

Beerta - 68 km - 8208 km

16. September 2007, 13:18

Als wir gestern unser Zelt abgebaut hatten, fuhren wir nochmal zurueck nach Aurich und kauften Ersatz fuer meine in Daenemark geklaute Sonnenbrille. Anschliessend radelten wir bei meist sonnigem Wetter am Ems-Jade-Kanal weiter bis Emden. Das Staedtchen hat uns beiden recht gut gefallen.

Die Faehre brachte uns ueber die Ems und nach ein paar weiteren Kilometern entlang des Deichs waren wir an der Grenze zu Holland.

Da das Wetter nach wie vor sonnig war, bremste ich meine Freundin ein wenig und wir suchten unweit nach der Grenze einen Campingplatz auf. Den, den ich in der Karte eingezeichnet hatte, konnten wir nicht finden, aber kurz danach war ein Mini-Camping ausgeschildert. Wir kannten die Bezeichnung nicht, aber es war wie zu erwarten nur eine kleine Wiese mit aufgestelltem Sanitaercontainer, der aber sehr gut ausgestattet und sauber war. Zudem war auch die Campingplatzgebuehr dem Namen entsprechend mini.

Anstatt noch weiter Kilometer zu strampeln, machten wir uns dort einen gemuetlichen Abend.

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15.09.2007, 09:34.
Wilder Zeltplatz in der Nähe von Aurich.

Da strahlt nicht nur die Sonne...
 
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15.09.2007, 12:25.
Mittagspause in Emden.
 
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15.09.2007, 15:08.
Immer am Deich entlang.
 
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15.09.2007, 15:12.
So macht Fahrrad fahren Spaß.
 
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16.09.2007, 10:47.
Der erste Mini-Camping in Holland.

In Norwegen hatte ich Campingplätze die sich nicht "mini" nannten und nur halb so groß waren.
 
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16.09.2007, 10:49.
Auch eine Möglichkeit der Arbeitsteilung: ich fotografiere, meine Liebste arbeitet.