Auf Tour - Mit dem Fahrrad zum Nordkap und weiter nach Tarifa

Reisebericht einer Fahrradreise quer durch Europa

Benadalid - 119 km - 12293 km

2. November 2007, 22:29

Gestern abend war ich mit meinem Nachbar aus der Schweiz und einem weiteren Surfer, der aus Oesterreich kam, in Tarifa. Erst gab es in einer kleinen urigen Bar etwas zu Essen, spaeter wechselten wir in eine andere Kneipe.

Ein Schweizer, ein Oesterreicher und ein Schwabe - sprachlich eine sehr lustige Kombination. Ich glaube, dass der erste Satz auf Hochdeutsch erst fiel, als noch drei junge Damen aus Deutschland, die gerade fuer ein Jahr in Marbella arbeiten, zu unserer Runde hinzustiessen.
Im Vergleich zu den Etappentagen wurde es sehr spaet.
Ich bin im Nachhinein froh, dass ich noch einen Tag laenger geblieben bin und mit der Runde somit ein klein wenig meine Ankunft am Wendepunkt meiner Reise gefeiert habe.

Mit der Stadt selbst wurde ich nicht warm. Fuer meinen Geschmack ist alles zu sehr von den Surf-Klischees dominiert. Erstaunlicherweise sah man aber trotz vieler entsprechender Touristen, ordentlichem Wind und schoenstem Wetter kaum Segel oder Kites. Viele Gaeste auf dem Campingplatz hatten Bretter dabei, auf dem Wasser sah ich davon aber nur meine beiden Begleiter. Mir scheint, als moegen manche “Surfer” das Surf-Image lieber als den Sport selbst.

Was ich an Tarifa allerdings mochte, waren die Reisenden und ihre Geschichten. Den Pauschaltouristen, der zwei Wochen in Tarifa verbringt, habe ich dort nicht gesehen. Im einfachsten Fall sind es Rentner, die ihren Urlaub im Warmen verbringen. Oft aber sind es Reisende wie ich, die Tarifa als Startpunkt oder Ziel ihrer Unternehmung gewaehlt haben, oder sie nutzen die Stadt als Tor nach Afrika. Zudem spricht dort bezueglich des Zeitrahmens kaum jemand von “Wochen”. Mit wem immer ich gesprochen habe, es ging um mehrere Monate oder gar Jahre, die die Reise oder der Aufenthalt dauern sollte.
Heute morgen lief es bei der Abfahrt nicht richtig rund bei mir. Der Ruhetag bekam mir offensichtlich weniger gut. Die Knie schmerzten etwas und meine Muskulatur hatte sich ueberraschend schnell auf das Strandliegen umgestellt und sah scheinbar keinen Anlass diese Haltung aufzugeben. Erst nach ueber 20 km fuehlte ich mich wieder halbwegs fit. Bis dahin haette mich vermutlich manch Rentner mit der Einkaufstuete am Lenker ueberholen koennen.

Zwar warteten mit dem El Cabrito und dem Puerto de Bujeo keine ernsten Bergpruefungen auf mich, ein paar hundert Hoehenmeter waren aber trotzdem zu bewaeltigen, bevor ich wieder hinab nach Algeciras rollen konnte.
Als groesster Spielverderber setzte sich aber wie bereits gestern auch heute der Levante in Szene. Etwa fuenf Windstaerken hatte ich bei der Abfahrt am Campingplatz gegen mich, weiter oben auf den Bergen wurde es sogar noch etwas mehr.
Als haette das nicht schon gereicht, war auf der Strasse unangenehm viel Verkehr.
Nicht erst in Algeciras, wie ich finde eine der haesslichsten Staedte bisher in Spanien, war mir klar, dass der Weg entlang der Kueste kein grosses Vergnuegen werden wuerde. Nach einigen unangenehmen Kilometern durch die Stadt fuhr ich bei San Roque Richtung Norden in die Berge. Zwei Stunden spaeter war ich inmitten der wunderschoenen Bergwelt, fuhr auf Strassen mit wenig Verkehr, hatte den Abgasgestank der Staedte hinter mir gelassen und konnte die Fahrt wieder in vollen Zuegen geniessen. Der Blick auf das Mittelmeer zuvor war zwar auch nicht uebel, ich muesste ihn aber mit den vielen grossen Staedten auf dem Weg und dem dichten Verkehr zu teuer erkaufen.

Nach Ronda habe ich es nicht ganz geschafft, rund 20 km davor wurde es dunkel. Hinzu kommt, dass ich mich inzwischen auf knapp 1000 m Hoehe befinde und es dort die heute Mittag in Algeciras angezeigten 26 Grad bei weitem nicht mehr hat.
Ein Campingplatz war zwar gegen Ende der Etappe angeschrieben, ich haette dazu aber sieben Kilometer abfahren muessen. Da mir der Sinn nicht danach stand, die gutgemachten Hoehenmeter wieder aufzugeben, habe ich mir am Strassenrand eine Uebernachtungsmoeglichkeit gesucht.
In Spanien stehen oft verlassene Haeuser oder Huetten an der Strasse. Ich moechte keines dieser Gebaeude betreten, da die Daecher teils schon eingestuerzt sind oder aber noch drohen, dies zu tun. Heute habe ich trotzdem solch ein verlassenes Haus ausgesucht und sozusagen im Garten hinter dem Haus mein Zelt aufgeschlagen.

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02.11.2007, 13:52.
Blick zurück.

Die Küstenstraße war mir zu sehr befahren, wodurch der Spaß auf der Strecke blieb.
 
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02.11.2007, 18:38.
Auf dem Weg nach Ronda.

Nur wenige Stunden von dem Küsten-Rummel entfernt, war ich wieder in meinem Element: Kleine Straßen in den Bergen mit wenig Verkehr und wunderbarer Fernsicht.
 
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02.11.2007, 19:15.
Die Ortschaften kleben hier regelrecht am Berg.
 
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02.11.2007, 19:44.
Auch die Fahrt in der Dämmerung hat ihre optischen Reize.
 

Noch immer in Tarifa

1. November 2007, 13:40

Langsam traue ich mich kaum mehr ueber meine Planung zu schreiben, sie haelt ja eh selten laenger als ein paar Stunden.

Schon den ganzen Tag weht hier ein heftiger Ostwind. Meine Lust, gegen diesen anzutreten haelt sich aber sehr in Grenzen. Ich habe deshalb kurzerhand entschlossen noch einen Tag zu faulenzen, was ich gerade in vollen Zuegen mache.

Einige haben es sicher schon bemerkt: Es gibt neue Bilder auf der Seite.
Viel Spass damit.

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01.11.2007, 09:03.
Wolken über dem Campingplatz bei Tarifa.

Nein, bei dieser Wetterlage muss ich nicht unbedingt losfahren.
 
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01.11.2007, 09:06.
Sandstrand bei Tarifa mir Sicht auf Afrika.
 
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01.11.2007, 17:35.
Mein Fahrrad in Tarifa, am südlichsten Punkt seines "Lebens".
 

Tarifa - Teil 2

31. October 2007, 19:11

Inzwischen habe ich mein Lager aufgebaut, den Strassendreck von der Haut gewaschen und meine Waesche trocknet bereits im Wind. Ich habe also wieder Zeit, um vom heutigen Tag und meiner Ankunft am suedlichen Wendepunkt meiner Reise zu berichten.

Morgens fuhren gegen 6:40 Uhr die ersten Bagger auf das Areal, auf dem ich genaechtigt hatte. Es war eine Baustelle kurz vor der Stadt, die ausser grosse Erdhuegel nichts zu bieten hatte. Diese Huegel waren allerdings ein perfekter Sichtschutz.
Ich packte also in Windeseile zusammen und machte mich vom Acker.

Wind war nachts aufgekommen. Gluecklicherweise wehte er aus Nord-Ost und somit fuer den Grossteil der Strecke zu meiner Unterstuetzung. Erst die letzten 20 km, als ich nach Osten drehte, wurde es muehsam.

Am Meer entlang und mit tollem Blick auf den schwarzen Kontinent, den ich uebrigens das erste Mal in Natura gesehen habe und der momentan nur noch 15 km entfernt ist, fuhr ich nach Tarifa hinein und machte am Hafen Rast. Die Stadt hat fuer Nicht-Surfer wenig Besonderes zu bieten, also fuhr ich nach einem Einkauf wieder ein paar Kilometer nach Westen zu einem der dort gelegenen Campingplaetze.

Nach vielen Tagen ohne grossen Tourismus ist hier noch relativ viel los.
Wie schon das Paar, das ich am anderen Ende der Reise getroffen hatte, kommt auch hier mein Zeltnachbar aus der Gegend bei Zuerich. Zufaelle gibt es…

Im Gegensatz zum Nordkap wird mich in Tarifa nicht viel halten. Wenn das Wetter mitspielt, fahre ich morgen weiter in Richtung Barcelona. Wie ich ja bereits geschrieben habe, plane ich dort einen Besuch als naechstes groesseres Ziel.

Leider sieht das Wetter momentan nicht sehr gut aus. Der Himmel zog im Laufe des spaeten Nachmittags immer mehr zu. Ich befuerchte, ich werde heute seit laengerer Zeit mal wieder ungewollt nass.

Ab dem Eintrag vom 08.10. kann man nun auch wieder ein paar neue Bilder anschauen.

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31.10.2007, 15:30.
Hier der Atlantik...
 
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31.10.2007, 15:30.
... und direkt gegenüber das Mittelmeer.
 
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31.10.2007, 15:37.
Kitesurfer in Tarifa.
 
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31.10.2007, 18:10.
Am Ziel!

Europa "Nord-Süd" war die Idee hinter dieser Fahrradreise und mit der Ankunft hier in Tarifa habe ich diesen Gedanken erfolgreich in die Tat umgesetzt.
 
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31.10.2007, 18:13.
Hinter mir Afrika und der Atlantik, vor mir die Berge nördlich von Tarifa.

Mit denen werde ich mich in den nächsten Tagen irgendwann befassen.
 
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31.10.2007, 18:22.
Sandstrand bei Tarifa.
 

Tarifa - 131 km - 12174 km

31. October 2007, 15:59

Vor wenigen Minuten bin ich nach einer kleinen Stadtrundfahrt am Campingplatz bei Tarifa angekommen.

Ich richte mich jetzt erst “haeuslich” ein, spaeter melde ich mich nochmal.

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31.10.2007, 09:00.
Hier nochmal ein Blick auf die Klippe von Arcos de la Frontera.
 
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31.10.2007, 10:14.
In Andalusien

Ich weiß nicht was hier einmal so groß beflaggt wurde, aber es scheint schon ein paar windige Tage her zu sein.
 
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31.10.2007, 14:20.
Der berühmte spanische Stier, kurz vor meiner Ankunft in Tarifa.

Wobei ich den Stierkämpfen und auch dem Stiertreiben in Pamplona äußerst kritisch gegenüberstehen.
 

Arcos de la Frontera - 197 km - 12043 km

30. October 2007, 21:13

Die Nacht war angenehm ruhig. Erst in den Morgenstunden waren die unmittelbar neben und nur wenige Meter ueber mir gelegenen Schienen zu sehr befahren, um lange schlafen zu koennen. Andererseits hatte ich das auch nicht vor. Die fruehe Dunkelheit ist beim Radeln nicht gerade hilfreich, bei der Schlafplatzwahl ist sie aber manchmal sogar von Vorteil, wie ich feststellen musste. Gleichzeitig wird man zum Aufstehen bei Tagesanbruch gezwungen, wenn der Schlafplatz nur durch die Dunkelheit geschuetzt liegt. Es hat mal wieder alles seine Vor- und Nachteile.

Ich war somit jedenfalls frueh auf dem Sattel und da Tarifa schon foermlich nach mir ruft, wurde es auch heute eine weite Etappe. Die ersten flachen 50 km fuhren sich mit ordentlich Rueckenwind beinahe von allein. Erst spaeter wurde es durch die huegelige Landschaft wieder anstrengend. Speziell bei der Fahrt durch Arcos zeigte mein kleiner Neigungsmesser bis dato ungesehene Werte weit ueber der zehn Prozent-Marke. Da macht Verfahren wirklich kein Vergnuegen.

Arcos hat eine sehr exponierte Lage. Es liegt auf einem Berg, der an einer Seite steil abfaellt. Man hat von der Stadt aus einen tollen Blick auf die weite karge Praerie und auch von aussen betrachtet ist die Stadt durch die Haeuser auf den Klippen ein optischer Leckerbissen.
Wer sich einen besseren Eindruck machen moechte, als ich es hier beschreiben kann, sollte bei der Google-Bildersuche einige Schnappschuesse dazu finden.

Einen Schlafplatz muss ich zwar noch suchen, die Etappe ist also noch nicht ganz vorueber. Ich koennte mir aber in der Gegend kaum einen schoener Platz zum Tippen ausdenken, als der kleine Park innerhalb von Arcos, in dem ich mich gerade befinde. Er liegt direkt an einer Klippe, wodurch man auf die Lichter der umliegenden Doerfer sieht. Ich habe mir diese Gelegenheit also nicht entgehen lassen und gleich hier den Bericht geschrieben.

Ich mache mich jetzt auf und suche eine Uebernachtungsgelegenheit.
Das Ziel fuer morgen duerfte ja allen Mitlesern bekannt sein :-)

Zum Schluss noch ein klein wenig Statisitk: Die Google-Karte steht kurz vor ihrem 5000. Aufruf. Nicht schlecht!

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30.10.2007, 14:12.
Die auf mich wartende Strecke windet sich dort unten wie eine große Schlange durch die Landschaft.
 
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30.10.2007, 18:08.
Der Weg entlang meiner Fahrrad-Strecke kam mir zunehmend wie eine Wüste vor.
 
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30.10.2007, 21:30.
In Arcos de la Frontera.

Hier habe ich den obigen Tagesbericht geschrieben und zu Abend gegessen. Direkt vor mir liegt die Klippe, für die Arcos de la Frontera berühmt ist.
Im Anschluss musste ich noch eine passende Stelle für mein Zelt suchen.
 
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31.10.2007, 08:24.
Diese Baustelle vor der Toren von Arcos de la Frontera wurde mein Domizil für die letzte Nacht vor dem Erreichen des südlichen Wendepunkts meiner Reise.
 

Posadas - 226 km - 11845 km

30. October 2007, 08:47

Da ich am Sonntag etwas getroedelt hatte, wollte ich gestern eine laengere Etappe fahren. Dass es so weit wird, war allerdings nicht geplant.

Die Strecke kam mir aber auch entgegen. Zwar waren immer noch viele Anstiege zu fahren, allerdings schlaengelte sich die Strasse nicht mehr so sehr durch die Landschaft und so kam ich gut nach Sueden voran. Auch mischten sich immer wieder flache Stuecke unter die Etappe.

Die Landschaft verlor nach den ersten 100 km ein wenig an Reiz, erneut dominierte die trockene und braune Erde das Bild.

Als ich in Espiel ankam, war es schon leicht am Daemmern. Die letzten 40 km fuhr ich dann im Dunkeln, nun aber leider wieder im Wald. Staendig raschelte und knisterte es am Wegrand, weswegen ich mich nicht ganz wohl in meiner Haut fuehlte. Die Eidechsen werden mich zwar nicht gerade anfallen, aber meine Sorge bezog sich auf straeunende Hunde, die mir das Leben schon haetten schwer machen koennen. Ich sah zwar ein Reh vor mir ueber die Strasse rennen und ein paar Maeuse meinen Weg queren, aber dabei blieb es gluecklicherweise auch.

Wenn wir schon bei Tieren sind: Ich habe mal wieder ein Negativerlebnis mit einem Hund zu berichten. Etwa 15 km nach Espiel sahen mich von ihrem Grundstueck aus zwei Hunde. Sie waren mehrere hundert Meter vom Zaun entfernt, weswegen sich einer damit begnuegte, mich im Liegen anzubellen. Der andere rannte auf das Tor zu, welches dummerweise offen stand. Ich war etwa noch 70 m von ihm entfernt, als der Hund mir bellend die Strasse versperrte. Ich drehte um, fuhr noch ein paar Meter zurueck, was auch bergab bedeutete, und hielt dann an. Nur zweimal musste ich laut rufen, da kamen auch schon die Bewohner des Grundstuecks aus dem Haus, die den Hund auf meine Zeichen hin zurueck holten. Mein Glueck war, dass sich der Hund damit begnuegte, am Tor stehen zu bleiben und nicht versuchte, mir nachzulaufen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit der schweren Beladung schnell genug davon kommen wuerde.
Zu Tourbeginn hatte ich nichts gegen Hunde, so langsam scheinen sie mir der natuerliche Feind des Radreisenden zu sein.

In Posadas angekommen suchte ich mir einen Schlafplatz. An einem kleinen Weg zwischen einem Industriegebiet und Bahngleisen fand ich eine geeignete Moeglichkeit, wo ich schliesslich auch uebernachtete.

Bild aufgenommen am
29.10.2007, 09:24.
Morgennebel bei Talarrubias.

Dort vorne kreuzt ein Tal die Straße. In diesem steht förmlich der Nebel am Morgen.
Abgesehen davon war aber bestes Wetter.
 
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29.10.2007, 09:36.
Auf der Brücke war durch den Nebel kaum mehr etwas zu sehen.
 
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29.10.2007, 09:38.
Ein See, eingehüllt in den morgentlichen Nebel.
 
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29.10.2007, 12:10.
Etwa eine spanische Pyramide?
 
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29.10.2007, 12:26.
Bei näherer Betrachtung entpuppte sich diese Insel tatsächlich als ein Kreisverkehr.

Wer es nicht glaubt: Hier die Insel bei Google-Maps in der Satelliten-Ansicht.
 
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30.10.2007, 08:55.
Sonnenaufgang in Posadas.

Die Stelle war weder malerisch gelegen, noch war sie gut gegen Blicke geschützt.
Aber nach der nächtlichen Fahrt war mir so ziemlich jeder Rastplatz recht.
 

Bei Talarrubias - 91 km - 11620 km

28. October 2007, 17:24

Knapp 30 km waren heute Morgen noch zu radeln, bis ich wieder Anzeichen von Zivilisation zu sehen bekam. Zudem wurde die Strasse wieder besser zu befahren, auch wenn es heute erneut nicht einen flachen Kilometer gab. Rauf oder runter, etwas anderes gibt es hier scheinbar nicht.

Landschaftlich muss sich die Etappe nicht weit hinter die von gestern einordnen. Zwar waren heute immer wieder einige eher langweilige Abschnitte dabei, das Gebiet um den “Embalse de Garcia da Sola” hielt aber auch einige Leckerbissen bereit. Die vielen Fluesse schlaengeln sich wie durch einen Grand Canyon hindurch, bevor sie in den See fliessen. Ich hoffe, die Natur bleibt auf meiner Strecke weiterhin so faszinierend. Das Radeln macht in solch einer Umgebung gleich noch mehr Spass.

Dass ich die Etappe heute schon so frueh beendet habe liegt daran, dass ich auf dem naechsten Streckenstueck keine weiteren Campingplaetze weiss. Laut meiner Karte kommen erst suedlich von Cordoba weitere offizielle Campingmoeglichkeiten.
Deshalb habe ich heute die Chance genutzt, um nochmal zu duschen und um Strom zu tanken, bevor wieder ein oder zwei Naechte in der Wildnis angesagt sind.

Als ich hier am Campingplatz ankam, waren noch ein paar Wohnwaegen auf dem Areal verteilt. Inzwischen bin ich der einzige Gast. Viel los ist auch auf den spanischen Plaetzen nicht. Ich bin aber positiv von der Sauberkeit der Sanitaereinrichtungen ueberrascht. Meine Befuerchtung, dass es suedlich zunehmend dreckiger wird, trifft bisher nicht zu. Abgesehen von den schlechten Erfahrungen in Belgien hat sich im Tourverlauf noch kein Land mehrere grosse Ausrutscher geleistet.

Was mir schon in den Pyrenaeen gut gefallen hat und was auch in Spanien weiterhin schoen anzusehen ist, das sind die vielen Raubvoegel am Himmel. Ich haette mir vorher nicht vorstellen koennen, was daran interessant sein soll. Inzwischen beobachte ich sie aber richtig gerne und haeufig, egal ob auf dem Rad, waehrend der Rast oder wie hier auf dem Campingplatz.
Wenn sie nur durch die Luft gleiten, sieht das schon majestaetisch aus, wenn sie sich dann auch noch balgen, geht es richtig zur Sache.

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28.10.2007, 09:02.
Mein Fahrrad samt Gepäck - oder zumindest die Konturen davon.
 
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28.10.2007, 09:56.
Die Morgensonne zaubert in Kombination mit den Brückenpfeilern ein Streifenmuster auf den Strand.
 
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28.10.2007, 10:01.
Embalse de Cijara

Diese Seenlandschaft war wirklich ein optischer Leckerbissen. Zudem war kaum etwas los. Man hat dieses wunderschöne fleckchen spanische Erde fast für sich allein.
 
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28.10.2007, 14:15.
Es lagen viele Schlangen auf der Straße.

Nach der Erfahrung mit den Fröschen in Schweden kontrollierte ich deshalb jeden Morgen meine Schuhe.
 
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28.10.2007, 14:31.
Traumhafte Seenlandschaft in Spanien.
 

Am Rio Estenilla - 128 km - 11528 km

28. October 2007, 10:26

Gleich morgens stand eine Entscheidung bezueglich des weiteren Streckenverlaufs an. Ich konnte entweder dem Lauf des Tajo folgen und die Montes de Toledo umfahren oder ich konnte direkten Kurs nach Sued-Westen halten und wuerde somit durch die Bergkette radeln. Der Weg nach Toledo am Tag zuvor war stark befahren und ich befuerchtete, dass mir dieses Schicksal im Tajo-Tal auch weiterhin nicht erspart bleiben wuerde. Die Entscheidung fiel zugunsten der Kletterpartie durch die Berge, weil ich mir dort mehr Ruhe und Genuss, wenn auch bei mehr Anstrengung erhoffte.Bis nach Navahermosa waren eher sanfte Steigungen zu fahren. Noch nie habe ich auf so kurzer Distanz so viele Moebelgeschaefte wie auf der Strecke dorthin gesehen. Scheinbar muss ganz Spanien dort Moebel kaufen.
Kurz nach der Stadt wechselte ich von der CM-401 auf die viel kleinere CM-4157 und alles war wie ausgewechselt.Die folgenden 60 km waren landschaftlich mit Abstand die schoensten in Spanien bisher. Ich wuerde sogar fast sagen, dass mir seit Norwegen keine Strecke so gut gefallen hat.
Die Strasse war sehr schmal und annaehernd unbefahren. Anstiege und Abfahrten wechselten sich ab, eine gewisse Mindesthoehe behielt man aber durchgehend, wodurch man fast die ganze Zeit einen traumhaften Blick auf umliegende Berge, Taeler, Fluesse und winzige Doerfchen hatte. Die Vegetation war auch wieder zurueck. Seit Pamplona habe ich fast nur Erde gesehen, von weiss ueber braun bis rot waren alle Farben dabei, aber hier war es endlich wieder richtig gruen und stark bewachsen. In den Abendstunden machte die tief stehende Sonne die Traumkulisse vollkommen. Leider war der Strassenbelag waehrend der ganzen Zeit grauenvoll, aber ansonsten waere es wohl zu perfekt gewesen. Campingplatz war keiner zu finden, aber das wunderte mich nicht. Es gab so gut wie keine Gebauede entlang der Strecke. Alle paar Kilometer gab es eine Einfahrt zu einer Finka, mehr Zivilisation war nicht zu sehen.Etwas suchen musste ich zwar schon nach einem halbwegs ebenen Schlafplatz, aber an einem Feldweg hinab zum Rio Estenilla fand ich eine Ausbuchtung, die geradezu ideal fuer mich schien: ebener Boden, tolle Aussicht und von der Strasse nicht einzusehen.Einen Nachteil hat der Platz allerdings: Ich habe kein Netz. Wann diese E-Mail auf Reisen geht, kann ich also noch nicht genau sagen, aber im Laufe des Sonntags sollte sie auf der Homepage ankommen.

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27.10.2007, 16:27.
In den Montes de Toledo.

Eine grüner Fleck in dem sonst eher rotbraunen Spanien.
 
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27.10.2007, 16:47.
Die Montes de Toledo bieten immer wieder faszinierende Fernsichten.

Mit dem Fahrrad war die Durchquerung zwar anstrengend, aber auch lohnenswert.
 
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27.10.2007, 17:19.
In den Montes de Toledo sah ich viele solcher halb "geschälten" Bäume.

 
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27.10.2007, 18:07.
Der Straßenbelag machte mir und meinen Fahrrad in den Montes de Toledo einige male zu schaffen.
 
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27.10.2007, 18:34.
Blick zurück auf die Montes de Toledo in der Abendsonne.
 

Toledo - 76 km - 11400 km

26. October 2007, 20:36

Der Tag begann gleich mit etwas Action. Nicht mein deutscher Nachbar Gerd, der gerade aus Afrika kam, sondern ein ebenalls neben mir platzierter Spanier hatte Schwierigkeiten mit seinem BMW. Das Fahrzeug wollte nicht anspringen. Da das Starthilfekabel keinen Erfolg brachte, war Gerd mit seinem martialischem Toyota-Gelaendewagen sofort zum Ziehen zur Stelle. Mit einer Ausruestung, die jeden eingegrabenen LKW senkrecht aus dem Sandboden haette hiefen koennen (”Sahara-Version” nannte Gerd es), befestigte er den 5er an seinem Fahrzeug.
Tatsaechlich lief der Motor nach wenigen Metern, aber dass die Abschleppoese nach der Aktion noch am BMW hing, wunderte mich. Gerd heizte mit einem Affenzahn los, der PKW wie ein Spielzeugauto dahinter an der Leine. Das Gesicht des Spaniers im Fahrzeug und das seiner Frau daneben waren koestlich.

Die Nachbarschaft mit dem Afrikareisenden war nicht nur unterhaltsam, sie war auch hilfreich. Zuerst konnte ich mit seinem Notebook die Bilder meiner Kamera auf meinen USB-Stick kopieren um wieder mehr Platz fuer weitere Bilder zu haben, dann vermachte er mir noch einige Nahrungmittel, die von seiner Tour uebrig geblieben waren. Mein Thunfischsalat, den ich zum Abendessen hatte, ist die letzten acht Wochen also noch weiter herumgekommen als ich :-)

Ich startete relativ spaet. Der Grund hierfuer war meine Waesche, die noch etwas feucht auf der Leine baumelte und nur langsam von der Sonne getrocknet wurde. Gegen 13 Uhr rollte ich vom Campingplatz los Richtung Toledo. Madrid hatte ich mir gespart. Es war mir schlicht zu gross und die Anfahrt mit dem Rad somit zu umstaendlich. Toledo wollte ich mir aber nicht entgehen lassen.

Die Stadt liegt wirklich malerisch. Von innen betrachtet empfand ich sie gar nicht so besonders huebsch. Die vielen auf Touristen ausgerichteten Geschaefte trueben das Stadtbild ein wenig und durch die engen Strassen war die Fahrt mit dem Rad auch nicht unbedingt ein Vergnuegen. Richtig schoen ist aber der Blick vom einem der suedlich gelegenen Berge. Das Stadtzentrum von Toledo liegt auf einem Huegel, den nach Sueden hin nur das tiefe Tal des Tajo von den dortigen Erhebungen trennt. Man faehrt wie an einer Schlucht entlang und hat dabei eine wunderbare Sicht auf den Stadtkern.
Bei den Anstiegen zu diesen Aussichtspunkten lieferte ich mir mehre Rennen mit der Touri-Bimmelbahn. Trotz Anfeuerung der Insassen verlor ich jedesmal haushoch gegen die Diesel-Pferdchen. Vielleicht sollte ich morgen noch einen Versuch ohne Gepaeck starten :-)

Der Campingplatz, den ich heute Abend gluecklicherweise gefunden habe, liegt etwas weit ausserhalb. Ansonsten waere ich vielleicht fuer ein paar Nachtaufnahmen nochmal zurueck geradelt.

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26.10.2007, 18:12.
Toledo

Von den südlichen Bergen hat man eine herrliche Aussicht auf die Stadt.
 
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26.10.2007, 18:13.
Toledo und der Rio Tajo.

Wie man erkennen kann, ist Toledo nicht gerade einladend für eine Fahrradtour. Die Gassen waren teils so eng, dass entgegenkommende Autos nicht an meinen Fahrrad vorbei kamen.
Zudem hat man ständig Steigungen zu bewältigen.
 
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26.10.2007, 18:14.
Toledo

Die Stadt ist sehr malerisch am Rio Tajo gelegen, von innen empfand ich sie aber schon fast als zu touristisch.
 

Aranjuez - 113 km - 11325 km

25. October 2007, 23:24

Heute morgen wurde ich wieder von einem solchen Wetter begruesst, wie ich es von Spanien erwarte: Den ganzen Tag gab es nur blauen Himmel zu sehen. Die Temperaturen duerften ein kleies Stueck ueber der zwanzig Grad-Marke gelegen haben. Insgesamt also ideales Radwetter - vom starken Rueckenwind mal ganz abgesehen.

Nach gut 20 km bremste mich ein Platten am Vorderreifen. Direkt vor einer Baustelle flickte ich meinen Schlauch und erbat mir bei dieser Gelegenheit gleich wieder etwas Strom fuer mein Handy.
Es ist erst der zweite Platten seit Tourbeginn. Da kann ich nicht meckern, ich haette weit mehr erwartet.
Als Uebeltaeter zog ich eine Dorne aus dem Mantel, die den Schlauch durchstossen hatte.

Das Tagesziel fuer heute war Aranjuez und dafuer gab es einen Grund. Nicht nur meine elektrischen Geraete riefen schon foermlich nach einer Steckdose, auch ich wollte endlich wieder unter eine Dusche. In Aranjuez sollte es angeblich einen Campingplatz geben, also steuerte ich es an.
Die Etappe war durch die idealen Wetterbedingungen und die vielen flachen Kilometer entlang verschiedener Fluesse schnell vorueber und ich wurde tatsaechlich fuendig. Auf dem Campingplatz kam ich seit St. Jean, was in Frankreich und somit knapp 600 Radkilometer zurueck liegt, endlich wieder in den Genuss einer richtigen Dusche. Ich hatte mir zwar schon ueberlegt, in den naechstbesten Fluss zu springen, aber da kaeme ich vermutlich dreckiger heraus als ich hinein gesprungen waere. Vielleicht ist es nur Sand oder Erde, aber die Gewaesser sehen hier nicht sehr einladend aus.

Als Parzellennachbar habe ich einen Rueckreisenden aus Marokko. Er war dort einige Wochen mit dem Gelaendewagen unterwegs. Das verlangte natuerlich nach einer gemuetlichen Runde mit umfangreichem Erfahrungsaustausch ueber die beiden unterschiedlichen Touren.

Guadalajara - 149 km - 11212 km

25. October 2007, 22:54

Gestern war mein Akku leer, deshalb hier erst der Nachtrag zu Mittwoch.

Die Bruecke war eine praktische Sache. Es regnete waehrend der Nacht immer wieder, erst in den Morgenstunden blieb es trocken.
Obwohl der Himmel es nicht vermuten liess, regnete es darauf auch den ganzen Tag nicht mehr.
Wie ich unter der Bruecke schlafen konnte, ist mir aber noch immer ein kleines Raetsel. Die ganze Nacht ueber fuhren Autos auf der Strasse darueber. Sie hatten mich an meinem Schlaf aber nicht gehindert.

Noch immer hatte ich einige Hoehenmeter auf meinem Konto gutgeschrieben. Etwa 60 km ging es auf gleichbleibender Hoehe weiter, danach fuehrte mich die Strecke schrittweise abwaerts. Etwa 20 km vor Guadalajara, das ich mir als Etappenziel ausgesucht hatte, durfte ich noch eine 8 km lange Baustelle durchfahren. Eigentlich war die Strasse gesperrt, die Arbeiter gaben mir aber Zeichen, ich solle einfach durch. Die Umleitung sei fuer Fahrraeder zu umstaendlich. Sehr nett von ihnen, auch wenn die 8 km Schlaglochpiste durch die Baustelle nicht unbedingt ein Vergnuegen waren.

Kurz vor der Stadt muendete die Strasse auf eine autobahnartig ausgebaute Schnellstrasse. Daneben konnte ich auf einem kleinen Trampelpfad radeln. Allerdings endete der etwa 500 m vor der Ausfahrt “Guadalajara Nord”. Autobahn war es ja keine, Verbotsschilder fuer Fahrraeder sah ich ebenfalls nicht, also fuhr ich die letzten Meter bis zur Ausfahrt wie auf der Autobahn. Als ich heilfroh auf die Ausfaedelspur fahren konnte, radelten gerade zwei Rennradler die Einfaedelspur auf der entgegenkommenden Seite entlang.
Ich hatte schon auf der kurzen Strecke ein mulmiges Gefuehl, aber scheinbar ist das in Spanien nichts Ungewoehnliches.

Guadalajara bescherte mir noch ein paar Kilometer mehr als notwendig. Nach einer kleinen Runde durch die Stadt, wollte ich mir moeglichst noch bei Tageslicht einen Zeltplatz etwas weiter suedlich suchen. Praktisch alle Ausfahrten in suedlicher Richtung endeten aber auf der Schnellstrasse Richtung Madrid und darauf wollte ich keinesfalls nochmal eine Runde mit dem Fahrrad drehen.
Nach einigen Umwegen durch die Stadt fand ich dann einen passenden Weg und suchte mir nur wenige Kilometer nach dem Ortsschild bei inzwischen schon voelliger Dunkelheit einen Schlafplatz. Ein Acker am Ende eines Schotterwegs wurde mein Zeltplatz fuer die Nacht. Campingplatz hatte ich erneut den ganzen Tag ueber keinen zu Gesicht bekommen.

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24.10.2007, 14:48.
Auf dem Weg nach Guadalajara.

Braun ist hier die landschaftlich dominierende Farbe.
Wie man sehen kann, ist die Topographie zum Fahrrad fahren gut geeignet.
 
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24.10.2007, 15:29.
Die Landschaft im spanischen Hinterland.
 
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24.10.2007, 17:16.
An der Stadtgrenze werden Fahrradfahrer entsprechend begrüßt.
 
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24.10.2007, 20:46.
Guadalajara bei Nacht

Von meinem Camping-Feld aus hatte ich einen Blick auf die Stadtlichter von Guadalajara.
 
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25.10.2007, 10:02.
Guadalajara bei Tageslicht am nächsten Morgen.

 

Almazan - 92 km - 11063 km

23. October 2007, 18:41

Das Wetter hatte heute mit dem von gestern nicht viel gemeinsam. Schon morgens war der Himmel voller Wolken. Die Sonne sah ich heute nicht eine Minute. Die Fahrt ueber blieb ich immerhin trocken.

Die Strecke setzte sich fort, wie sie gestern aufgehoert hatte: immer weiter sanft nach oben. Nach knapp 20 km kam schliesslich ein Gipfelschild. Auf knapp 1200 m hatte ich es ohne laengere steile Anstiege geschafft. Leider folgte keine nenneswerte Abfahrt. Ohne Sonne war es dort oben ziemlich frisch, windig war es noch dazu.

Die weitere Etappe spielte sich auf dem welligen Hochplateau ab. Bis nach Almazan ging es durch eine ziemlich karge Landschaft, wieder gab es ausser braun-roter Erde nicht viel zu sehen.
Zwar kreisten sie noch nicht ueber mir, am Strassenrand sassen die Geier aber bereits.

Im Zentrum von Almazan fragte ich einen Bauarbeiter, ob ich mein Handy an seiner Kabeltrommel laden duerfte und er hatte nichts dagegen.
Waehrend ich also Pause machte und Strom zapfte, begann es leicht zu regnen. Ohne grosse Lust auf eine Regenfahrt radelte ich nur bis vor die Stadtgrenze und suchte mir eine trockene Bleibe.

Bereits in Norwegen, als ich in dem Carport uebernachtete, hatte meine Mutter mit mir darueber gewitzelt. Mama, ich habe es nun tatsaechlich geschafft: Ich schlafe unter der Bruecke :-)

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23.10.2007, 12:07.
Die Geier am Straßenrand machten die Wüsten-Stimmung perfekt.
 
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23.10.2007, 12:25.
Die Landschaft in Spanien hat nichts mehr mit der in Skandinavien gemeinsam. Wenig Verkehr habe ich aber glücklicherweise hier wie dort vorgefunden.
 
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23.10.2007, 17:49.
Bei Almazan in Spanien.

Nach ein paar Tagen ohne Regen hatte ich mich so sehr an das Trockene gewöhnt, dass ich keine Luste hatte, mein Zelt im Regen aufzustellen. Zudem ist die rote Erde bei Regen als Zelt-Untergrund viel unangenehmer (da matschiger) als eine grüne Wiese.

Somit habe ich mich für eine Schotterstraße als Übernachtungsplatz entschieden, die 100 m nach der Brücke als Sackgasse endete.
 

Agreda - 124 km - 10971 km

23. October 2007, 17:39

Mit der Stromversorgung ist das ohne Campingplatz eine etwas schwierige Sache. Der Bericht zu gestern kommt deshalb erst jetzt. Gestern hatte mein Handy keinen Saft mehr.
Falls E-Mails unbeantwortet bleiben sollten, bitte ich das aus diesem Grund zu entschuldigen.

Auf der Erddeponie habe ich niemanden gestoert, es blieb eine windige aber ansonsten ruhige Nacht. Nur der Vollstaendigkeit halber sei erwaehnt, dass es trotz des passenden Namens auch in Campanas keinen Campingplatz gegeben haette.

Die Fahrt begann erst ziemlich locker. Mit Rueckenwind ging es bis Mittag in das Tal des Ebro hinab. Danach begann die Steigung. Bis zum Etappenende ging es staendig bergauf. Mal nur mit 1-2 %, dann wieder richtig steil. Es schien nur die eine Richtung “nach oben” zu geben.

Die Landschaft hier ist etwa so, wie man sie von Western-Filmen kennt. Wenig Baeume, meist nur rot-braune Erde soweit das Auge reicht. Zwar gibt es fast ueberall Felder, allerdings sind diese bereits abgeerntet. Gruene Flecken sind somit selten zu sehen.

Vielleicht erinnern sich manche noch an meine Worte waehrend der ersten Wochen der Tour: von “trocken und staubig” war da die Rede. Besser koennte ich das Wetter von gestern nicht beschreiben. Die Sonne brannte fast den ganzen Tag auf mich herunter und die trockene Erde wirbelte wegen des Windes durch die Luft. Ich konnte trinken soviel ich wollte, der Hals war sofort wieder staubtrocken. Was ich gestern getrunken habe, haette in Norwegen fuer mindestens drei Tage gereicht.

Die Waesche haelt es gluecklicherweise ebenso. Hier trocknet nachts mehr als waehrend des Nebels in Frankreich in zwei ganzen Tagen.

Da waehrend der kompletten Etappe kein Campingplatz zu sehen war, hoffte ich abends gar nicht erst auf so viel Glueck. Nahe des Industriegebiets von Agreda gab es am Ende einer langen Sackgasse ein brauchbares Plaetzchen, auf dem ich die Nacht verbracht habe.

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22.10.2007, 13:26.
Straße in Spanien.

Mein Fahrradweg führt mich schnurgerade Richtung Süden.
 
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22.10.2007, 18:21.
Wenig romantischer Zeltplatz im Gewerbegebiet von Agreda.

Durch die Straße im Hintergrund war es in der Nacht nicht sonderlich leise.
 

Bei Campanas - 99 km - 10847 km

21. October 2007, 21:13

Der Nebel war heute morgen tatsaechlich ziemlich dicht, loeste sich aber in Rekordgeschwindigkeit auf. Als ich vom Campingplatz rollte, hatte ich bereits wieder Sonnenschein pur, wobei es heute auch den ganzen Tag blieb.

Bei der Fahrt durch St. Jean sah ich nicht einen Wanderer mit Rucksack oder einen Radreisenden. Die vielen Strassencafes und -restaurants waren voll mit Menschen, die nicht unbedingt nach Pilger aussahen. Da man mich aber scheinbar fuer einen hielt, wurden eifrig Kameras gezueckt und ich wurde zigfach abgelichtet. Wenn die meine wirkliche “Pilgergesinnung” kennen wuerden…
Na egal, ich wollte jedenfalls schnell raus aus diesem Schmierentheater und so machte ich mich direkt auf den Weg zum Ibaneta. Der Anstieg begann zwar unmittelbar nach St. Jean, es gab aber immer wieder Zwischenabfahrten.
Der Weg zum Gipfel war wie ueblich schweisstreibend, im Vergleich zu den bisher in den Pyrenaeen befahrenen Bergen war er mit 1050 hm aber eher ein harmloser Vertreter seiner Art.
Die Abfahrt war mit vielen weiteren Anstiegen versehen. Erst wenn man nach einer teilweisen Abfahrt den Erro mit rund 800 hm erklommen hat, geht es wirklich hinab ins Tal nach Pamplona.

Die Stadt habe ich zuegig hinter mich gebracht. Der Besuch war von der Suche nach einem Campingplatz dominiert, leider fand ich keinen. Ich bin zwar noch immer der festen Ueberzeugung, dass es einen geben muss, ich suchte aber auch nicht gerade gruendlich und verliess stattdessen die Stadt bald Richtung Sueden.
Auf dem Weg nach Campanas (wenn es dort keinen Campingplatz gibt, wo dann? :-) ) wurde es schon langsam dunkel und eine grosse Erddeponie am Strassenrand bot mir einen sichtgeschuetzen Zeltplatz, auf dem ich mein Lager aufgebaut habe.
Ich stehe auf einer Anhoehe und habe einen wunderbaren Blick zurueck auf die Pyrenaeen und auf den Flughafen von Pamplona.

Der Himmel ist noch immer voellig klar, es kam im Laufe des Abends aber Wind auf. So etwa fuenf Windstaerken begruenden meine Hoffnung, dass es morgen keinen Nebel hat und nicht wie die letzten Wochen vom Tau morgens alles nass ist.

Ein weiterer Grund zur Freude ist der, dass morgen Montag ist. Im Gegensatz zur arbeitenden Bevoelkerung ist das fuer mich immer erfreulich (vielleicht sollte ich schreiben “der NUR WERKTAGS arbeitenden Bevoelkerung” :-) ).

Zum einen, weil die Geschaefte wieder offen haben. Am Sonntag abend tendieren meine Vorraete meist gegen Null. Am heutigen Sonntag bedeutet dies beispielsweise vier Kekse und etwa fuenf Zentimeter Chorizo.
Zum anderen, weill ich dann wieder eine Woche von den Motorradfahrern verschont bleibe. Gerade in den Pyrenaeen waren sie heute wirklich ein Uebel.
Nicht, dass ich generell etwas gegen die motorisierten Zweiradler haette, aber der Anteil der Motorradfahrer, die fahren, als waere hier der Nuerburgring, ist wirklich bedenklich hoch.
Ich nehme ab morgen lieber wieder die LKWs in Kauf.

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21.10.2007, 14:31.
Der Puerto de Ibaneta.

Im Vergleich zu Tourmalet, Aspin und Aubisque zwar nur ein kleiner Vertreter seiner Art. Trotzdem bietet die Überquerung per Fahrrad ein tolles Panorama

Er sollte mein letzter Pass in den Pyrenäen und gleichzeitig mein Abschied von Frankreich sein.

Nun ist Spanien an der Reihe um unter die Laufräder genommen zu werden.
 
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21.10.2007, 18:40.
Die ersten landschaftlichen Eindrücke von Spanien.
 
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21.10.2007, 19:27.
Kurz nach Pamplona in Spanien.

Der erste wilde Zeltplatz auf einer Baustelle.
 
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21.10.2007, 19:31.
Aussicht von meinem Zeltplatz aus.
 
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22.10.2007, 08:40.
Die Windräder auf dem Bergkamm strahlen schon in der Sonne, ich werde hier unten noch kurz auf ihre Wärme warten müssen.
Alternativ setze ich mich auf mein Fahrrad und radle los, dabei wird es auch warm.
 

St. Jean Pied de Port - 136 km - 10745 km

20. October 2007, 21:03

Wer heute meine Route verfolgt, koennte meinen, ich sei mir nicht sicher gewesen, wo ich eigentlich hin wollte. Der direkte Weg von Pau nach St. Jean waere aber ganz schoen huegelig gewesen. Da die Tage inzwischen sehr kurz sind und ich bei Dunkelheit eher ungern fahre, bin ich mir nicht sicher, ob ich den direkten und eigentlich kuerzeren Weg ueberhaupt an einem Tag geschafft haette.
Ich entschied mich die Strecke nach Westen entlang des Flusses Gave de Pau zurueckzulegen und danach nach Sueden abzubiegen. Nach etwa 75 flachen Kilometern liess ich das Flusstal hinter mir zurueck und brauchte dann fuer die restlichen 60 Kilometer eine ganze Weile laenger als fuer die zuvor gefahrene weitere Strecke.
So eben wie der erste Teil der Etappe verlief, so huegelig war die zweite Haelfte.

Die Pilgerwege nach Compostella, zum Grab des heiligen Jakob, fuehren ja auf vielen verschiedenen Strecken quer durch Europa. Spricht man aber von DEM Jakobsweg, meint man meist den hier in St. Jean beginnenden Teil. Entsprechend touristisch ist der Ort gestaltet. Vielleicht war es nicht die schlechteste Entscheidung, den Jakobsweg nur kurz zu befahren. Nach Pamplona werden sich unsere Wege bereits wieder trennen.

Das Wetter war heute erneut spitze. Erst als ich gegen 18:30 Uhr in St. Jean ankam und die Sonne gerade hinter den Bergen verschwand, zogen Wolken um die noch etwas suedlich von mir liegenden Bergspitzen auf. Inzwischen sind auch hier keine Sterne mehr zu sehen. Der Campingplatzbesitzer warnte mich, dass es morgen frueh neblig sein wuerde.
Besser als Regen waere das allemal. Schade waere es natuerlich trotzdem, wenn ich morgen bei meiner letzten Bergfahrt in den Pyrenaeen auf den Fernblick verzichten muesste.

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20.10.2007, 10:38.
Etwas außerhalb der Pyrenäen.

Am Horizont sehe ich die Strecke, die ich die letzten Tage genau in die andere Richtung gefahren bin.
 
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21.10.2007, 10:58.
Auf dem Campingplatz bei St. Jean Pied de Port.

Wie vorhergesagt, gab es während der Nacht dichten Nebel. Daher war mein Zelt am morgen klitschnass.
Um es in der Sonne schneller trocken zu bekommen, stelle ich es gerne hochkant.
 

Soumoulou - 68 km - 10612 km

19. October 2007, 19:52

Heute gibt es gleich einen doppelten Grund zur Freude.
Erstens scheint mir meine Erkaeltung endgueltig ueberstanden zu sein.
Zum Zweiten war mir jetzt doch tatsaechlich 7 Tage am Stueck Regenfreiheit vergoennt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich auf dieser Tour schon vorher eine ganze Woche ohne Regen hatte.
Haette man mir vorher gesagt, dass ich dafuer bis Mitte Oktober warten muss, haette ich es hoechstwahrscheinlich nicht geglaubt. Wenn doch, haette ich die Tour vermutlich um ein Jahr verschoben. :-)

Das Wetter war heute wirklich traumhaft: sommerlich warm, beinahe wolkenlos und annaehernd windstill. Da ich die Etappenlaengen nach meinem krankheitsbedingten Aussetzer aber langsam steigern wollte, habe ich trotz der Verlockung, das Wetter ausgiebig zu nutzen, den kurz vor Pau gesichteten Campingplatz als heutiges Ziel gewaehlt. Ab morgen plane ich wieder mit einer “normalen” Tagesdistanz.

Bezueglich der Streckenplanung hat sich wenig Neues ergeben. Ich plane noch immer ueber St. Jean Pied de Port und den Ibaneta nach Spanien zu radeln. Dem Jakobsweg werde ich dann aber nicht weiter folgen. Von Pamplona aus wird es mich direkt weiter an Madrid vorbei Richtung Tarifa ziehen.

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19.10.2007, 10:30.
Von diesen Kameraden gab es hier viele.
 

Capvern les Bains - 39 km - 10545 km

18. October 2007, 20:43

Erstaunlich, was 40 km doch bewirken koennen. Aus der eindrucksvollen Gebirgskulisse wurde eine liebliche Landschaft mit leichten Huegeln. Von den nahen Pyrenaeen ist nichts mehr zu spueren.

Die heutige Etappe war hauptsaechlich dazu gedacht, um meinen Gesundheitszustand zu pruefen. Ich wuerde den Test als eine gelungene Generalprobe bezeichnen. Waehrend der Fahrt fuehlte ich mich voellig normal und auch jetzt kann ich keine negativen Auswirkungen erkennen. Mal sehen, wie es mir morgen frueh geht.

Auf dem Campingplatz angekommen, suchte ich mir ein halbwegs ebenes Plaetzchen und kam eher zufaellig an einem Schild vorbei, das Hundebesitzer dazu aufforderte, ihre Vierbeiner an der Leine zu fuehren. In meinen Augen sollte das auf einem Campingplatz eine absolute Selbstverstaendlichkeit sein. Ich nahm waehrend des Zeltaufbaus also eher beilaeufig wahr, dass ein Herr seinen Hund an der geforderten Leine ueber den Campingplatz fuehrte. Als er bei mir angekommen war, was gleichzeitig die letzte belegte Parzelle auf seinem Weg bedeutete, liess er den Hund Sitz machen und nahm ihm die Leine ab. Das Duo war dabei keine 10 m von mir entfernt.
Der Hund blieb so lange sitzen bis er das Signal zum Aufstehen bekam. Scheinbar war er gut erzogen. Scheinbar.
Trotz der Rufe seines Herrchens, trottete der Hund auf direktem Weg quer ueber mein am Boden ausgebreitetes Zelt. Um groesseren Schaden zu verhindern, ging ich mit meiner aufgerollten Isomatte drohend auf den Hund zu, der sich sofort aengstlich davon machte.
Sicher war der Hund nicht aggressiv und er bedrohte mich nicht im geringsten. Meine Zelthaut reagiert aber aeusserst perforationsfreudig auf scharfe Hundekrallen und auf den Sternenblick verzichte ich innerhalb meines Zeltes gerne.
Ich regte mich derart ueber den Kerl auf, dass ich ihm praktisch saemtliche mir auf franzoesich bekannten Schimpfwoerter an den Kopf warf, was leider (oder zum Glueck?) keine sehr grosse Anzahl war. Meine Gesten duerften allerdings auch die letzten Unklarheiten bezueglich meiner Intension beseitigt haben.
Er grinste nur, waehlte auf dem Rueckweg um des Friedens willen aber eine andere Strecke.

Was ich mich auf dem Fahrrad ueber unverantwortliche Hundefuehrer schon aufgeregt habe, geht auf keine Kuhhaut. Vielleicht sollte man die hier in Frankreich zu Hauf praktizierte Zwingerhaltung (franzoesiche Hunde scheinen nicht mehr als 4 qm zu brauchen) fuer solch umsichtige Hundealter ebenfalls in Erwaegung ziehen.

Arreau - Tag 2

17. October 2007, 19:56

Aus der Unterhaltung mit dem Radkollegen wurde gestern leider nichts. Er war an seinem Zelt nicht aufzufinden. Vermutlich hatte er sich in die Stadt begeben. Ich sah ihn nur heute Morgen kurz als er abreiste. Grosses Interesse an einem Austausch schien er aber eh nicht gehabt zu haben.

Sonderlich spannend war weder der gestrige Abend noch der heutige Tag. Auf der Suche nach etwas Unterhaltung schaltete ich gestern den Fernseher des Campingplatzes ein. Dort liefen aber nur gute Argumente fuer die Abschaffung dieses Unterhaltungsmediums. Das franzoesische Programm scheint mir dem deutschen leider sehr aehnlich zu sein. Ich landete schliesslich wieder bei meinen Hoerbuechern. Zum Glueck hat mich meine Liebste bei unserem Zusammentreffen mit ordentlich Nachschub davon versorgt.

Meine Gesundheit hat sich auch heute wieder einen Schritt gebessert. Wenn ich mich morgen so fuehle wie gerade eben, werde ich aufbrechen und ein weiteres Stueck aus den Bergen hinausfahren. Meine Planung sieht vor, dass ich mich etwas aus den Pyrenaeen zurueck ziehe und ueber Pau ein Stueck nach Westen fahre. Auf dem Weg nach St. Jean Pied de Port, der mich vermutlich drei bis vier Tage kosten wird, kann ich dann in den tiefen Lagen bei kurzen Etappen meine Gesundheit festigen. Dort angekommen sollte ich wieder fit genung fuer ein paar Berge sein. Ueber den Ibaneta moechte ich dann nach Spanien radeln und die Pyrenaeen hinter mir lassen. So bekomme ich auch noch ein klein wenig vom Jakobsweg mit. Zwar kostet mich das einige Tage mehr als die direkte Sued-Ost-Variante, aber es scheint mir nicht sinnvoll, unmittelbar nach der Genesungspause schwere Bergetappen auf kalte Passhoehen hinaufzufahren.

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17.10.2007, 15:50.
Wieder im Fernsehraum auf dem Campingplatz von Arreau.

Wenn schon solche Bilder entstehen, könnt Ihr Euch vorstellen, wie sehr ich mich gelangweilt habe.
 

Arreau - 16 km - 10505 km

16. October 2007, 19:04

Wie geplant habe ich mich heute nur bis Arreau hinab rollen lassen. Dort bin ich jetzt wieder auf dem Campingplatz, in dessen Fernsehraum ich bereits vor zwei Tagen uebernachtet habe.

Gesundheitlich geht es mir zwar besser als gestern, voellig fit fuehle ich mich aber noch nicht. Ich habe gleich zwei Naechte fuer den Campingplatz bezahlt, morgen wird also auf alle Faelle ein weiterer Ruhetag auf mich warten.

Zweck der Fahrt nach Arreau war ja der, dass ich hier eine Einkaufsmoeglichkeit habe, meine Vorraete waren heute Morgen aufgebraucht. Aber die Rechnung hatte ich ohne “Murphys Law” gemacht. Der kleine Supermarkt in der Stadt wird nicht gerade woechentlich Inventur machen, ich habe mir heute aber zielsicher diesen Tag gewaehlt. Das Geschaeft war somit geschlossen.
Problem war es keines. Es gab noch einen Baecker und ein Obstgeschaeft, damit kann man ueber die Runden kommen. Baguette mit Banane - mal was Neues.
Etwas ausserhalb gaebe es sogar noch ein groesseres Geschaeft, aber davon trennen mich einige Hoehenmeter und die wollte ich mit meiner Erkaeltung nicht fahren.

Ich weiss nicht, wann ich den letzten Reiseradler auf einem Campingplatz getroffen habe. Es muss mehrere Wochen her sein. Vor einer Stunde kam hier ein Franzose per Fahrrad auf den Platz. Mit etwas Glueck ist er des Englischen maechtig genug, dass wir uns etwas austauschen koennen. Das werde ich jetzt testen gehen.

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16.10.2007, 13:51.
Geschlossener Supermarkt in Arreau.

Wie könnte es auch anders sein?
 

Avajan - Tag 2

15. October 2007, 18:22

Ich hatte damit gerechnet, dass es mich irgendwann treffen koennte, jetzt ist es soweit. Eine Erkaeltung hat mich fest im Griff.
Die Nase laeuft, der Hals kratzt und manchmal schmerzt der Kopf. An anstrengendes Radfahren ist nicht zu denken.

Heute bin ich bei schoenstem Wetter in Avajan auf dem Campingplatz geblieben, da ich noch genuegend Essen bei mir hatte. Weil es aber in dem kleinen Dorf kein Geschaeft gibt, werde ich morgen hier weg muessen.
Den geplanten Weg nach Sued-Osten kann ich vergessen. Dort warten mehrere hundert Meter hohe Anstiege. Die moechte ich in der jetzigen Verfassung nicht radeln.
Ich werde mich ein paar Kilometer bergab nach Arreau rollen lassen. Komme ich dort eben zum dritten Mal vorbei. Jedenfalls gibt es dort einen Supermarkt, auch eine Apotheke waere vorhanden.
Zwar ist auch der dortige Campingplatz kein ideales Krankenlager, er sollte aber ausreichen. So schlimm hat es mich gluecklicherweise nicht erwischt.

Vermutlich werde ich in den naechsten Tagen nicht gerade viel Interessantes zu schreiben wissen. Wie den heutigen Tag werde ich wohl viel Zeit mit Buechern, Musik und Hoerbuechern verbringen. Ich werde mich trotzdem immer kurz melden und ueber meinen Gesundheitszustand sowie meine weitere Planung (die sich inzwischen ja fast taeglich aendert) berichten.

Falls es jemand vorhaben sollte: Grund sich Sorgen zu machen gibt es keinen!

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14.10.2007, 18:23.
Auf dem Campingplatz von Avajan.

Der Campingplatz liegt sehr schön, umgeben von vielen Berggipfeln.

Durch meine leichte Erkrankung musste ich hier leider etwas länger verweilen als geplant.
 

Avajan - 78 km - 10489 km

14. October 2007, 20:30

Gestern Abend hatte ich herzlich wenig Lust, aus dem warmen Fernsehzimmer in mein kaltes Zelt zu wechseln. Da ich die einzige Person in dem Raum war, holte ich einfach meine Isomatte samt Schlafsack aus dem Zelt und verbrachte die Nacht mit einem festen Dach ueber dem Kopf und einer Heizung neben mir.

Urspruenglich wollte ich heute auf direktem Weg durch den Tunnel de Bielsa nach Spanien radeln. Schon am Ortsende von Arreau war aber angeschrieben, dass der Tunnel gesperrt waere. Da mir bekannt war, dass die Strecke zum Tunnel hinauf sehr schoen sein soll und ich zudem Hoffnung hatte, mit dem Rad am Sonntag vielleicht doch durch die Roehre schluepfen zu koennen, macht ich mich ungeachtet der Sperrung auf den Weg. Es war nicht viel Verkehr auf der Strecke, aber die wenigen Autos ermutigen mich trotzdem, dass vielleicht ein Durchkommen moeglich sein koennte.
Leider kam es anders. Die Strecke war zweifellos sehr schoen, allerdings nicht zielfuehrend. Der Tunnel war wegen Bauarbeiten gesperrt und zwar so, dass ich nicht einmal ohne Fahrrad an der Absperrung vorbeigekommen waere.

Da stand ich also auf ueber 1800 m und durfte den hochgestrampelten Weg wieder zurueckfahren. Pech gehabt, aber ich wollte ja auch nicht auf das Schild hoeren.

Die Frage ist nun, wie ich stattdessen nach Spanien gelangen werde. Westlich waere von Laruns aus die naechste Moeglichkeit. Dazu muesste ich aber die letzten beiden Tage retour fahren oder den grossen Umweg ueber Tarbes in Kauf nehmen. Alternativ koennte ich von Tarbes gleich weiter nach St. Jean Pied de Port, dem offiziellen Beginn des Jakobswegs, und dann ueber den relativ niedrigen (gut 1000 m) Puerto d’Ibaneta nach Pamplona radeln. Auf den Weg zurueck nach Tarbes hatte ich aber keine Lust. Ich habe mich entschieden in den Pyrenaen weiter nach Osten zu fahren und bei Bagneres de Luchon die Grenze zu passieren.
Wenn ich dann allerdings noch auf den Jakobsweg moechte, wird der Weg nach Wesen ganz schoen weit. Ich koennte mir vorstellen, den Pilgerpfad sausen zu lassen und mit einer weniger westlichen Route die Strecke durch Spanien etwas abzukuerzen.

Als ich heute zurueck in Arreau war und die Entscheidung zugunsten der Ost-Variante getroffen hatte, fuhr ich noch ein paar Kilometer bis Borderes-Louron. Ich haette es mir ja denken koennen, natuerlich kam kein Campingplatz. Es schien schon fast so, als muesste ich den Col de Peyresourde auch noch heute nehmen, da lief mir in Avajan doch noch einer ueber den Weg.

Auf wildes Campen habe ich in dieser Gegend wenig Lust. Erstens haengt an der Einfahrt zu fast jeder Wiese ein Schild “Privatbesitz, Betreten verboten”. Zudem liegen hier auf der Strasse viele (meistens bereits ueberfahrene und somit tote) Schlangen, die mein Verlangen, eine Wiese mit hohem Gras zu durchschreiten, ganz erheblich mindern. Ob ein Biss dieser Exemplare wirklich gefaehrlich waere, weiss ich allerdings nicht.

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14.10.2007, 14:01.
Im letzten Drittel des Aufstiegs zum Tunnel de Bielsa.
 
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14.10.2007, 14:57.
Vom Tunnel de Bielsa bergabwärts fotografiert.

Hier oben wächst kaum mehr etwas.
 
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14.10.2007, 15:08.
Der Tunnel de Bielsa - oder zumindest das, was ich davon zu sehen bekam.
 
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14.10.2007, 16:27.
Rückweg vom Tunnel de Bielsa nach Arreau: Schwer auf dem Bild zu erkennen, aber dort vorne handelt es sich um eine "drive through Kirche."
 

Arreau - 81 km - 10411 km

13. October 2007, 21:20

Col du Tourmalet.
Viele Radfreunde bekommen allein bei dem Namen feuchte Haende. Ich gehoere dazu.
Heute war es endlich soweit, das eigentliche Ziel in den Pyrenaen war an der Reihe.

In der Nacht war es so kalt, dass ich das erste Mal seit Norwegen meinen Schlafsack schliessen musste. Meist ist das ein gutes Zeichen. Wenn die warme Luft nach oben abziehen kann, ist dies ein Indiz fuer einen wolkenarmen Himmel, und genau einen solchen hatte ich heute Morgen bei dem ersten Blick aus dem Zelt.
Dieses gute Wetter hielt den ganzen Tag an. Laut Wettervorhersage wird es auch morgen so sein. Sehr erfreulich.

Wie gestern gab es vor der Kletterei noch ein kleines Vorspiel, welches heute aber kuerzer, steiler und landschaftlich spektakulaerer ausfiel. Die Strasse fuehrte entlang des Gave de Pau durch ein schmales Tal bis Luz St. Sauveur, wo der eigentliche Anstieg begann. Schon die Fahrt durch dieses Tal war eindrucksvoll und trotz der niedrigen Temperaturen schweisstreibend.

In Luz St. Saveur angekommen, folgte dann der 17 km lange und durchgehend steile Anstieg zur Passhoehe auf etwa 2100 m.
Zwangslaeufig war es eine sehr anstrengende Angelegenheit, aber oben auf Hoehe der umliegenden Berge zu stehen und die Aussicht auf die Taeler zu geniessen, entschaedigte fuer alle Muehen.
Wie gestern gab es auch heute viele Mitstreiter. Andere Radreisende habe ich aber nicht gesehen. Es waren nur Rennradfahrer unterwegs, die ihre Sportgeraete, die etwa soviel wiegen duerften wie meine beiden Fronttaschen, den Berg hoch trieben. Die Spezies der Rennradler ist meinen Beobachtungen zufolge weit weniger kontaktfreudig als die der Fernradler. Auch untereinander. Die Kommunikation geht selbst auf Passhoehe kaum ueber einen freundlichen Gruss hinaus.

Bei der Abfahrt kam ich durch La Mongie. Eigentlich kann man es weder als Stadt noch als Dorf bezeichnen. Es ist eine reine Ansammlung von Hotels und Restaurants mit ein paar winzigen Geschaeften. Ein paar Restaurants hatten sogar geoeffnet und erfreuten sich angesichts des tollen Wetters an reichlich Zulauf. Allgemein war heute mehr los auf den Strassen als gestern, vermutlich die Auswirkung des Wochenendes.

Nach der Abfahrt bis Ste. Marie de Campan auf etwa 850 m fuehlte ich mich aber noch halbwegs einsatzbereit und frueh genug am Tag war es auch noch. Ich entschied mich, den Weg nach Arreau noch heute zurueckzulegen, was mich erneut auf fast 1500 m den Col d’Aspin hinauf fuehrte. Er fuhr sich voellig unterschiedlich wie der Tourmalet.

Die ersten acht Kilometer hielt sich die Steigung schwer in Grenzen. Erst die letzten fuenf Kilometer waren wieder weit ueber der fuenf Prozent Marke und somit sehr anstrengend. Heute war ich ganz froh, dass sich der grosse Teil des Anstiegs im Wald befand und ich so schattig bis einen Kilometer vor die Passhoehe des Aspins fahren konnte. Selbst dort oben war es bei der Kletterei richtig heiss.

Gerade sitze ich in dem Fernsehraum des Campingplatzes in Arreau. Es laeuft ein Rugby-Spiel. Scheinbar das Halbfinale der Weltmeisterschaft, falls mich mein Franzoeisch nicht im Stich gelassen hat. Frankreich gegen England.
Ich habe keine Ahnung von den Regeln, aber ich werde mir mal ein paar Minuten anschauen. Alt werde ich hier allerdings sicher nicht, dafuer bin ich bereits jetzt zu muede.

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13.10.2007, 13:13.
Am Col du Tourmalet.

Man kann den Straßenverlauf von der Bildmitte rechts zur linken oberen Bildecke gut verfolgen.
Mit dem Fahrrad durchaus eine Herausforderung.
 
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13.10.2007, 14:09.
Am Col du Tourmalet gibt es (wie auch gestern am Aubisque) viele Schilder, die die Fahrradfahrer über die noch bevorstehende Strecke bis zum Gipfel informieren.
 
Bild aufgenommen am
13.10.2007, 14:16.
Am Col du Tourmalet.

Wenn man hier angekommen ist, hat man nicht nur einen wunderbaren Ausblick, sondern auch schon einen großen Teil des Anstiegs hinter sich.
 
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13.10.2007, 14:47.
Nochmal die gleiche Stelle am Col du Tourmalet - nur dieses mal stilecht mit Fahrrad-Lenker.
 
Bild aufgenommen am
13.10.2007, 14:50.
Am Gipfel des Col du Tourmalet angekommen.

Es sollte auch der höchste Gipfel meiner Fahrradreise bleiben.
 
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13.10.2007, 14:52.
Blick auf La Mongie hinter meinem Fahrrad.

Hier werde ich mich gleich in die Abfahrt stürzen.
 
Bild aufgenommen am
13.10.2007, 14:53.
Die gleiche Stelle am Col du Tourmalet, aber dieses mal nicht mit Fahrrad sondern mit Fahrer.
 
Bild aufgenommen am
13.10.2007, 15:05.
Das Skidorf La Mongie währen der Abfahrt vom Col du Tourmalet.
 
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13.10.2007, 15:17.
Blick ins Tal bei der Abfahrt vom Col du Tourmalet.
 
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13.10.2007, 16:58.
Grandiose Fernsicht beim Aufstieg zum Col d'Aspin.
 
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13.10.2007, 17:06.
Schönster Sonnenschein am Col d'Aspin.
 
Bild aufgenommen am
13.10.2007, 17:19.
Am Gipfel des Col d'Aspin angekommen.
 
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13.10.2007, 17:25.
In der Talschneise die links zu sehen ist, liegt Arreau, das heutige Etappenziel.
 
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14.10.2007, 10:19.
Campingplatz von Arreau.

Den Fernsehraum habe ich nicht nur zum Abendessen und Frühstücken genutzt, ich war so frei und habe auch darin geschlafen.
 

Pierrefitte-Nestalas - 77 km - 10330 km

12. October 2007, 20:47

Jetzt bin ich also in den Pyrenaeen, auf die ich mich so gefreut hatte, und gleich der erste Tag verschafft mir einen nahezu perfekten Empfang: Eine wunderbare Landschaft, Fernsicht ohne Ende, Sonne mehr als genug und natuerlich Radsport-Feeling pur.
Aber der Reihe nach…

Die Suche nach einem Campingplatz dauerte gestern laenger als ich angenommen hatte. Ich hatte im Kopf, dass das Tal zwischen Pau und Laruns nur so von Campingplaetzen wimmelt. Das ist auch der Fall, aber diese Anhaeufung beginnt erst in Arudy. Ich bin heute an sicher 20 Plaetzen vorbei gefahren, nicht einer sah so schaebig aus, wie der, auf dem ich die letzte Nacht verbracht hatte. Dumm gelaufen, kann ich da nur sagen.

Nach einem kleinen Einkauf in Arudy machte ich mich auf den noch relativ flachen Weg nach Laruns. An dessen Ortsende gabelt sich der Weg. Man hat die Moeglichkeit weiter Richtung Sueden ueber den Puerto del Portale nach Spanien zu radeln, oder man biegt nach Osten ab und gelangt so zum Tal des Flusses Gave de Pau.
Beide Moeglichkeiten nehmen sich bezueglich der Hoehenmeter nicht viel.

Ich wollte nicht einfach auf dem schnellsten Weg durch die Pyrenaeen hindurch. Wenn ich schon mal hier bin, moechte ich das auch ein wenig auskosten. Folglich fuhr ich planmaessig die oestliche Variante, wo gleich zwei durch die Tour de France bekannt gewordene Berge auf mich warteten: Der Col d’Aubisque und der Col de Soulor, wobei der Soulor bei der Anfahrt aus Westen nur noch einen kleinen Zwischenanstieg auf der Abfahrt von rund 100 hm darstellt. Die eigentliche Aufgabe war heute also die 16 km lange Auffahrt zum Aubisque.
Der Anstieg beginnt eher verhalten und wird erst nach Eaux-Bonnes steiler. Das genuessliche Panorama-Stueck beginnt dann ab etwa 1350 hm, wenn man Gourette hinter sich gelassen hat. Bis Gourette faehrt man meist im Wald.
Nach der kleinen Stadt, die bedingt durch die Jahreszeit voellig ausgestorben war und wie eine Geisterstadt wirkte, hat man dann einen herrlichen Blick Richtung Laruns und auf die bereits zurueckgelegte Strecke. Baeume fehlen hier aufgrund der Hoehe.

Obwohl die Anstiege in Norwegen nicht so hoch waren wie der heute gefahrene, radelte es sich heute trotzdem viel leichter. Das bessere Wetter liess die Hoehenmeter viel einfacher purzeln. Hoffentlich verhaelt es sich auch die naechsten Tage so, an Hoehenmeter wird es nicht mangeln :-)

Der Ueberfluss an Campingplaetzen haelt uebrigens an, ich konnte mir heute regelrecht einen aussuchen.

Bild aufgenommen am
12.10.2007, 11:50.
Am Col d'Aubisque.

"Pace yourself and good luck."
 
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12.10.2007, 12:02.
Beim Anstieg am Aubisque steht jeden Kilometer ein Schild und informiert über die restliche Strecke zur Passhöhe.
 
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12.10.2007, 12:40.
Entdeckt am Col d'Aubisque.

Baum frisst Schild.
 
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12.10.2007, 13:28.
Am Col d'Aubisuqe.

Eigentlich wollte ich mich im Anstieg fotografieren - aber der Selbstauslöser war schneller als ich wieder umdrehen konnte.
 
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12.10.2007, 13:57.
Am Col d'Aubisque.

Blick auf den Ski-Ort Gourette mit Pyrenäen-Panorama in Hintergrund
 
Bild aufgenommen am
12.10.2007, 14:14.
Weg hinauf zum Col d'Aubisque.

Leider geht die Straßenmalerei weniger in Richtung Radsport sondern mehr in Richtung Politik.
 
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12.10.2007, 14:24.
Nochmal Blick zurück auf Gourette vom Col d'Aubisque aus.
 
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12.10.2007, 14:30.
Wolkenschleier am Col d'Aubisque.
 
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12.10.2007, 14:31.
Fahrrad mit dem Örtchen Gourette im Hintergrund
 
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12.10.2007, 15:02.
Am Gipfel des Col d'Aubisque werden Fahrradfahrer stilecht empfangen.

Und so habe auch ich heute noch drei Fahrräder überholt.
 
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12.10.2007, 15:07.
Am Gipfel des Col d'Aubisque.

Den Ausblick habe ich mir redlich verdient.
 
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12.10.2007, 15:09.
Passhöhe des Col d'Aubisque.

Wie man mir ansehen kann, war der Anstieg anstrengend.
 
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12.10.2007, 15:34.
Verbindung des Aubisque mit dem Col du Soulor.

Mit dem tiefen und steilen Abgrund direkt neben Dem Fahrrad ist diese Teilstrecke sehr interessant zu fahren.
 
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12.10.2007, 16:01.
Am Gipfel des Col du Soulor.

Auch der zweite und letzte Pass für heute ist geschafft.
Von jetzt an geht es bergab.
 
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12.10.2007, 17:36.
Blick auf ein Tal nach der Abfahrt vom Col du Soulor.
 
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12.10.2007, 19:29.
Nach der Überquerung des Col d'Aubisque und des Col du Soulor:

Müde aber glücklich im Aufenthaltsraum des Campingplatzes.
 

Arudy - 147 km - 10253 km

11. October 2007, 21:25

Obwohl in noch in Frankreich bin, fuehle ich mich schon richtig in Spanien angekommen. Speziell bei der Fahrt durch Pau habe ich mich nicht wie in Frankreich gefuehlt. Die Stierkampfarenen, die es hier gibt, machen nur einen kleinen Teil dieses Eindrucks aus. Es sind vielmehr die Menschen, die ich ohne zu zoegern Spanien zuordnen wuerde.

Auch das Wetter haette heute ab Mittag gut zur Iberischen Halbinsel gepasst. Morgens gab es wieder viel Nebel, der zusammen mit der herbstlichen Landschaft und der aufgehenden Sonne, die manchmal doch eine Luecke fand, eine wunderbare Kulisse bot. Ab Mittag dominierte die Sonne. Erst spaeter gewannen die Wolken wieder die Oberhand.
Wie noch aus Norwegen gewohnt, sind die Bergspitzen auch hier in Wolken gehuellt. Die Gipfel sind nicht zu erkennen.

Es war heute noch ueberraschend lange flach. Erst wenige Kilometer vor Arudy zog die Steigung auf deutlich ueber fuenf Prozent an.

Pau war sehr verkehrsreich, es hat mir aber trotzdem gut gefallen. Es gab viele schoene Ecken und Sitzgelegenheiten. Mal mitten in der Stadt, mal in einem ruhigen Park, mal mit Fernblick auf die Berge. Haette ich ueberall Pause gemacht, wo es mir gefallen hat, ich wuerde noch jetzt von einer Bank zur naechsten wechseln.

Campingplatz fand ich dort aber keinen, weswegen ich weiter nach Gan gefahren bin. Dort gab es zwar einen Wegweiser zu einem Campingplatz, es blieb aber leider bei dem einen. Auch Fragen brachte nur ratlose Antworten, also fuhr ich weiter bis kurz vor Arudy.
Ich freute mich ueber die mehrfache Ankuendigung eines “Camping a la ferme”. Irgendwann haette ich aber einem Wegweiser folgen sollen, der mich von der Hauptstrasse weg fuehrte - ohne Entfernungsangabe. Den Fehler, einem solchen Schild rund zehn Kilometer zu folgen, habe ich bereits in Schweden begangen, und ich habe etwas daraus gelernt. Besonders hier, wo zehn Kilometer auch schnell 500 hm bedeuten koennen, hatte ich keine Lust auf Experimente.
Ich fuhr also weiter und wurde auch in Arudy selbst fuendig. Der Campingplatz hier ist zwar nicht viel mehr als ein kleiner Gruenstreifen ohne Sanitaereinrichtung, aber er lag immerhin direkt auf meinem Weg.

Bild aufgenommen am
11.10.2007, 10:18.
Frühnebel über den Feldern.
 
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11.10.2007, 10:59.
Baumspalier entlang meiner Reiseroute.
 
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11.10.2007, 11:06.
Fahrt in den Nebel.
 
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11.10.2007, 16:35.
Rast in Pau.

Diese Stadt wirkte nicht mehr französisch, es fühlte sich bereits an wie Spanien.
 

Barbotan les Thermes - 97 km - 10107 km

10. October 2007, 21:33

Gestern hatte ich noch geschrieben, dass es weder Sonne noch Regen gab, heute hatte ich beides. Erst gegen Mittag wurden die Pausen des in der Nacht begonnenen Regens laenger, weswegen ich bis 13 Uhr auf dem Campingplatz blieb. Waehrend der Fahrt wechselte sich der Regen mit Sonnenschein ab.

Nur wenige Kilometer nach Etappenstart aenderte sich die Landschaft im Vergleich zu den letzten Tagen komplett. Ich fuhr durch den “Parc Regionale des Landes de Gascogne”. In ihm waren die Strassen fast ausgestorben, auch die kleinen Doerfchen waren menschenleer. Anstiege gab es dort auch keine, weswegen ich einen Teil der durch das schlechte Wetter verlorenen Zeit wieder aufholen konnte.
Wenn man mit dem Rad in der Gegend ist, kann ich die Strecke durch diesen Park nur empfehlen. Er bot mir eine schoene Abwechslung zu der inzwischen gewohnten Landschaft seit Orleans.

In Barbotan ist der Tourismus noch nicht im Winterschlaf versunken. Schon bei der Einfahrt in die Stadt wird man mit Werbetafeln fuer Hotels und Restaurants ueberflutet.
Als ich einen gut gefuellten Wohnmobilstellplatz in der Stadt sah, hoffte ich wieder auf einen geoeffneten Campingplatz. Tatsaechlich hatte ich heute Glueck. Der Platz am Stadtrand ist schoen an einem See gelegen, zudem ist noch richtig viel los fuer die Jahreszeit. Deutsche habe ich allerdings noch keine gesehen, neben wenigen Englaendern habe ich nur noch Franzosen wahrgenommen.

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10.10.2007, 19:33.
Ein wirklich schön gelegener Campingplatz bei Barbotan les Thermes im Süden Frankreichs.