Auf Tour - Mit dem Fahrrad zum Nordkap und weiter nach Tarifa

Reisebericht einer Fahrradreise quer durch Europa

Mein Fahrrad

Bei der Beschaffung einiger Ausrüstungsgegenstände waren mir Erfahrungen anderer Reisender oft eine große Hilfe. Ich hoffe, ich kann mit meinem Erlebten bezüglich meines Fahrrads und meiner weiteren Ausrüstung auch ein paar Lesern den einen oder anderen hilfreichen Tipp mit auf den Weg geben.

Ich bin einige Touren (Wien, Prag, Nord-/Ostsee, Transalp, Paris) mit einem Standard-Trekkingrad gefahren. Shimano Nexus-Ausstattung, vorne gefedert - eben wie man es in jedem Fahrradladen zwischen 500 und 1000 Euro kaufen kann. Dies war so lange unproblematisch bis ich (glücklicherweise) daheim festgestellt habe, dass der Rahmen an mehreren Stellen lange Risse aufweist, der Riss am Unterrohr war beinahe rundumlaufend. Es fehlten noch etwa 1,5 cm.

Daraufhin habe ich mich entschlossen, mir ein Fahrrad zuzulegen, dass einen extra stabilen Rahmen besitzt, um sowohl mich als nicht gerade leichtgewichtigen Fahrer als auch mein Reisegepäck sicher zu tragen. Zur Auswahl standen Räder für Übergewichtige und spezielle Reiseräder. Ich habe mich dann schnell auf die zweite Kategorie eingeschossen und liebäugelte mit einer Silbermöwe von Utopia. Entschloss mich dann aber aufgrund des meiner Ansicht nach besseren Preis-Leistungsverhältnisses für ein Patria Ranger.

Ich glaube, dass eine solche Tour auch mit einem Standard-Trekkingrad einer niedrigeren Preisklasse gefahren werden kann. Auch dort können tourgerechte Komponenten verbaut sein. Angesichts meines Gewichts hatte ich aber die Sorge, dass der Rahmen eines solchen Rades nicht belastbar genug sein könnte.

An der Verarbeitung des Patria kann ich nichts aussetzen. Der Rahmen wird seinen Wert erst noch unter Beweis stellen müssen.

Im Folgenden beschreibe ich ein paar Ausstattungsdetails samt meinen Erfahrungen auf den ersten 5000 km.

Schaltung: SRAM Dualdrive, 27 Gang
Die Schaltung ist ein Traum. Besonders das (Runter-)Schalten im Stand ist beim Anfahren mit Gepäck eine richtige Wohltat. Ich würde sie vermutlich wieder nehmen. Ich finde keinen nennenswerten Nachteil zu einer reinen Kettenschaltung und eine Rohloff ist mir zu teuer.

Eines muss ich allerdings bemängeln: Ich hatte die Drehgriff-Schalter von SRAM und finde diese furchtbar unbequem. Praktisch alle “ergonomisch” geformten Lenkergriffe werden im Bereich des Ring- und kleinen Fingers zunehmend dicker. Die SRAM hatten in der MITTE eine Verdickung und diese drückt schon bei leicht gebeugter Sitzhaltung und dem damit verbundenen Abstützen am Lenker ziemlich unangenehm in die Handflächen.

Ich habe mir deswegen für diese Tour die SRAM Trigger-Schalthebel zugelegt. Hätte ich diese Option gleich beim Kauf gewählt, ich hätte einige Euro gespart. Der Schaltvorgang selbst ist aber sowohl mit Drehgriffen wie mit den Triggern sehr sauber.

Als Ersatz für die Lenkergriffe sind nun die R-GOtec von Xtreme samt Hörnchen montiert. Ein richtiger Genuss, nicht nur im Vergleich zu den SRAM-Griffen.

Bremsen: Magura HS 33
Die Entscheidung fiel auf hydraulische Felgenbremsen, und ich habe das bisher nicht bereut.

Am Fahrrad meiner Freundin konnte ich die etwas billigeren HS 11 testen. Bei der Bremsleistung konnte ich keinen Unterschied feststellen, der einzige Vorteil der 33er liegt in den tollen 2-Finger-Bremshebeln. Die Dosierbarkeit ist damit bei der HS 33 auf alle Fälle besser. Zusätzlich kann man die Lenkergriffe mit 3 Fingern umklammern während nur 2 Finger zu den Bremshebeln greifen müssen. Ein großer Vorteil bei Abfahrten auf schlechtem Untergrund.

Für ein Fahrrad mit einer Laufleistung von ~2000 km in Jahr würde ich sicher die 11er nehmen, angesichts der bevorstehenden Tour würde ich aber jederzeit wieder die 33er montieren.

Lenker:
Auch hier habe ich beim Kauf meines Fahrrades eine Fehlentscheidung getroffen. Die Argumente für einen Brezel-Lenker überzeugten mich (mehr Griffpositionen und eine hin und wieder aufrechtere Sitzhaltung waren verlockend). In der Praxis fuhr ich aber keine 5 m pro Kilometer mit den Händen abseits der Standard-Griffposition. Es war einfach unbequem. Zudem fand ich auch die aufgrund der Brezelform relativ eng beieinander liegenden Griffe nicht sehr bequem. Ich sehnte mich nach der Flat-Bar und dem großen Griffabstand meines alten Rades zurück. Es kam wie es kommen musste - ich habe den Lenker gemeinsam mit den oben beschriebenen Drehgriff-Schaltern ausgetauscht. Inzwischen ziert die Pro Rizer Bar von Extreme mein Fahrrad. Natürlich ist etwas weniger Platz für Tacho, Glocke, Lenkertasche usw. verfügbar, dafür sitze ich aber wieder umso bequemer auf dem Fahrrad.

Laufräder:
Bei den Felgen und Speichen habe ich einfach auf Patria und meinen Händler vertraut. Keine Ahnung, was ich da spazieren fahre.

Die hintere Nabe ist logischerweise die SRAM DualDrive, vorne habe ich mich gegen einen Nabendynamo entschieden. Sie lassen sich im Fall eines Falles so schlecht reparieren. Einen Seitenläufer hingegen bekomme ich in jedem Baumarkt und es braucht nur 5 Minuten, um ihn zu montieren. Da ich nicht plane, sehr häufig im Dunkeln zu radeln, ist mir der etwas höhere Laufwiderstand und das Geräusch völlig egal. Die einfache Wartung und natürlich auch der günstige Preis waren hier für den Seitenläufer entscheidend.

Bereifung: Schwalbe BigApple 50-622
Eine Entscheidung die ich nicht bereut habe - ich würde sie sofort wieder nehmen. Ich spüre keinen höheren Widerstand als bei meinen bisherigen 37er Marathons, sie federn aber deutlich mehr als diese (fahre die Apples mit 2,5-3 Bar). Eine Federgabel halte ich wegen der gut federnden Reifen nicht für notwendig. Folglich habe ich auch keine.

Seit etwa 5000 km habe ich noch immer die ersten BigApples montiert und werde sie nun vor der Tour wechseln. Platten hatte ich mit ihnen noch keinen.

Schuhe/Pedale:
Ich habe mich nach reichlicher Überlegung dazu entschieden, meine Tour mit System-Pedalen (Klick-Pedalen) zu fahren. Es ist zwar nicht ganz so angenehm, längere Strecken mit diesen Schuhen zu laufen, während der Fahrt ist der Unterschied aber doch beachtlich.

Gepäckträger:
Hier bin ich keine Kompromisse eingegangen: Tubus Logo hinten, SL Lowrider vorne. Bisher keinerlei Schwierigkeiten.

Sattel:
Eine Frage, die jeder nach seinem eigenen Geschmack beantworten muss. Ich bin viele tausend Kilometer mit einem 7 Euro Tchibo-Sattel geradelt und fand diesen sehr bequem. Inzwischen fahre ich einen Respiro von Selle Royal und bin mit diesem ebenso zufrieden. Für eine kürzere Tour hätte ich diese Ausgabe aber nicht getätigt.