Auf Tour - Mit dem Fahrrad zum Nordkap und weiter nach Tarifa

Reisebericht einer Fahrradreise quer durch Europa


Augsburg - Nordkap - Tarifa: Die letzten Zeilen

Inzwischen bin ich wieder seit über zwei Monaten in der Heimat und der Alltag hat mich fest im Griff. Schon nach wenigen Tagen war es wieder völlig “normal”, zuhause zu sein und nicht mehr jede Nacht irgendwo anders zu schlafen, nicht mehr ständig auf der Suche (nach Supermärkten, Steckdosen, Campingplätzen etc.) zu sein, bei Bedarf frische Kleidung ganz nebenbei aus dem Schrank nehmen zu können oder bei Sauwetter hinter der Fensterscheibe den Regen zu ignorieren. Auch das “oh nein, da vorne geht es schon wieder bergauf”-Gefühl war nach wenigen Auto-Kilometern verschwunden.

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Etwas bleibt aber doch: eine tiefe Erinnerung, die nicht spurlos an mir vorbei gezogen ist und die mich in meiner Sicht auf Europa nachhaltig geprägt hat.

Ich lernte viele andere Reisende wie auch Einheimische kennen. Manche dieser Begegnungen sind inzwischen sicherlich bereits aus meiner Erinnerung verdrängt, andere werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Hinsichtlich der Menschen kann ich sagen, dass ich zum allergrößten Teil angenehme Erfahrungen machen durfte. Manche davon waren intensiver, als ich mir das zu Reisebeginn vorstellen konnte.

Oft werde ich gefragt, was mir in diesen fünf Monaten am besten gefallen hat. Die Antwort ist leicht: die Ankunft und der Aufenthalt am Nordkap.
Selten fühlte sich das Leben so locker und leicht an wie während dieser beiden Tage.
Nicht nur der landschaftliche Reiz oder die besondere geographische Lage waren dafür verantwortlich. Die netten Menschen vor Ort und die vielen E-Mails wie Anrufe aus der Heimat bescherten mir eine Reiseerfahrung, wie ich sie bis dato und auch seit dem nicht mehr erlebt habe.

Um ein Thema habe ich mich bisher immer etwas herumgedrückt, weil ich es während der Reise für unpassend gehalten habe. Im Nachhinein möchte ich aber doch ein paar Worte des Dankes an die Menschen richten, die mir diese Reise ermöglicht haben.
Einerseits bin ich Egoist genug, um den Großteil der Leistung auf meinen eigenen Schultern zu sehen. Neben der eigenständigen Planung und Organisation habe ich jeden Kilometer auf dem eigenen Hintern abgesessen, jeden Höhenmetern mit dem Fahrrad selbst erstrampelt, jede Nacht war ich es, der auf dem Wald- und Wiesenboden geschlafen hat und die vielen zu bewältigenden Problemchen, die auf solch einer Reise zwangsläufig auftreten, wurden mir von niemandem aus dem Weg geräumt.

Trotzdem bin ich mir der Tatsache bewusst, dass diese Reise ohne die Mithilfe einiger Menschen nicht das geworden wäre, was sie für mich wurde.

Ich denke hier an die positive Resonanz vieler Freunde, denen ich gegen Ende 2006 von dieser damals eher spontanen Idee berichtet hatte.

Auch meine Schwester, eine Mitstreiterin der ersten Stunde, sorgte durch ihrem Zuspruch dafür, dass ich manchen Zweifel überwunden habe.

Im gleichen Atemzug sind meine Eltern zu nennen, die von dem Moment an, als ich das erste Wort über eine “längere Radreise” verlor, nicht aufhörten, mir den Rücken zu stärken und mich schließlich auf der ersten Tour-Woche durch Deutschland begleiteten, um Startschwierigkeiten entgegen zu wirken.

Ebenfalls nicht vergessen möchte ich meinen Arbeitgeber, den ich nicht unbedingt in devoter Haltung um diese Auszeit gebeten hatte und der mir eine reibungslose Rückkehr in das Berufsleben ermöglichte. Auch meine Kollegen stärkten mich in meiner Reiseabsicht und zählten zu den häufigsten E-Mail-Schreibern während der Reise.

Allen voran muss mein Dank (und auch der Dank all derer, die hier mitgelesen haben) aber meiner Freundin gelten. Nicht nur, dass sie meine Reisevorbereitung mit der Gewissheit, nur auf einem kleinen Teilstück mit von der Partie zu sein, unmittelbar erdulden musste. Sie war für mich auch bei sämtlichen Schwierigkeiten während der Reise immer erste und zuverlässige Anlaufstelle.
Zudem pflegte sie diese Internetseite, indem sie täglich die Google-Karte aktualisierte und in meinen Berichten zahlreiche grammatikalische Spitzkehren entschärfte wie auch viele orthographische Schlaglöcher ausbesserte.
Sie war mir Motivation an Tagen, an denen es nicht so lief wie es sollte. Im regenreichen Süden von Norwegen war der Gedanke an das bevorstehende Treffen mit ihr ein wertvoller Lichtblick.
Auch das Ende der Tour versüßte sie mir mit dem Gedanken von der Reise meines Lebens zu der Liebe meines Lebens zurückzukehren.

Die letzten, wenn auch nicht unbedeutendsten Worte des Dankes möchte ich an alle Leser richten, die meinem Aufruf nachgekommen sind und mir während der Tour E-Mails und SMS geschickt haben. Ich fühlte mich dadurch der Heimat nie richtig fern.

Ich hatte mir überlegt, die letzten Worte (wie schon zu Beginn dieses Reisetagebuchs) jemandem zu überlassen, der diese besser zu formulieren weiß als ich. Beinahe hätte ich es auch so gehandhabt. Beinahe!

Unser “Kaiser” sagte während der Fußball-WM 2006, Deutschland sei ein Paradies. Man könne das am besten vom Hubschrauber aus sehen.
Ich möchte ihm entgegnen, dass ganz Europa ein wunderbarer Kontinent ist - und um das zu erkennen, reicht bereits ein Fahrrad.

 

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