Die letzten Zeilen

3. Februar 2008, 09:38

Inzwischen bin ich wieder seit über zwei Monaten in der Heimat und der Alltag hat mich fest im Griff. Schon nach wenigen Tagen war es wieder völlig “normal”, zuhause zu sein und nicht mehr jede Nacht irgendwo anders zu schlafen, nicht mehr ständig auf der Suche (nach Supermärkten, Steckdosen, Campingplätzen etc.) zu sein, bei Bedarf frische Kleidung ganz nebenbei aus dem Schrank nehmen zu können oder bei Sauwetter hinter der Fensterscheibe den Regen zu ignorieren. Auch das “oh nein, da vorne geht es schon wieder bergauf”-Gefühl war nach wenigen Auto-Kilometern verschwunden.

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Etwas bleibt aber doch: eine tiefe Erinnerung, die nicht spurlos an mir vorbei gezogen ist und die mich in meiner Sicht auf Europa nachhaltig geprägt hat.

Ich lernte viele andere Reisende wie auch Einheimische kennen. Manche dieser Begegnungen sind inzwischen sicherlich bereits aus meiner Erinnerung verdrängt, andere werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Hinsichtlich der Menschen kann ich sagen, dass ich zum allergrößten Teil angenehme Erfahrungen machen durfte. Manche davon waren intensiver, als ich mir das zu Reisebeginn vorstellen konnte.

Oft werde ich gefragt, was mir in diesen fünf Monaten am besten gefallen hat. Die Antwort ist leicht: die Ankunft und der Aufenthalt am Nordkapp.
Selten fühlte sich das Leben so locker und leicht an wie während dieser beiden Tage.
Nicht nur der landschaftliche Reiz oder die besondere geographische Lage waren dafür verantwortlich. Die netten Menschen vor Ort und die vielen E-Mails wie Anrufe aus der Heimat bescherten mir eine Reiseerfahrung, wie ich sie bis dato und auch seit dem nicht mehr erlebt habe.

Um ein Thema habe ich mich bisher immer etwas herumgedrückt, weil ich es während der Reise für unpassend gehalten habe. Im Nachhinein möchte ich aber doch ein paar Worte des Dankes an die Menschen richten, die mir diese Reise ermöglicht haben.
Einerseits bin ich Egoist genug, um den Großteil der Leistung auf meinen eigenen Schultern zu sehen. Neben der eigenständigen Planung und Organisation habe ich jeden Kilometer auf dem eigenen Hintern abgesessen, jeden Höhenmetern selbst erstrampelt, jede Nacht war ich es, der auf dem Wald- und Wiesenboden geschlafen hat und die vielen zu bewältigenden Problemchen, die auf solch einer Reise zwangsläufig auftreten, wurden mir von niemandem aus dem Weg geräumt.

Trotzdem bin ich mir der Tatsache bewusst, dass diese Reise ohne die Mithilfe einiger Menschen nicht das geworden wäre, was sie für mich wurde.

Ich denke hier an die positive Resonanz vieler Freunde, denen ich gegen Ende 2006 von dieser damals eher spontanen Idee berichtet hatte.

Auch meine Schwester, eine Mitstreiterin der ersten Stunde, sorgte durch ihrem Zuspruch dafür, dass ich manchen Zweifel überwunden habe.

Im gleichen Atemzug sind meine Eltern zu nennen, die von dem Moment an, als ich das erste Wort über eine “längere Radreise” verlor, nicht aufhörten, mir den Rücken zu stärken und mich schließlich auf der ersten Tour-Woche durch Deutschland begleiteten, um Startschwierigkeiten entgegen zu wirken.

Ebenfalls nicht vergessen möchte ich meinen Arbeitgeber, den ich nicht unbedingt in devoter Haltung um diese Auszeit gebeten hatte und der mir eine reibungslose Rückkehr in das Berufsleben ermöglichte. Auch meine Kollegen stärkten mich in meiner Reiseabsicht und zählten zu den häufigsten E-Mail-Schreibern während der Reise.

Allen voran muss mein Dank (und auch der Dank all derer, die hier mitgelesen haben) aber meiner Freundin gelten. Nicht nur, dass sie meine Reisevorbereitung mit der Gewissheit, nur auf einem kleinen Teilstück mit von der Partie zu sein, unmittelbar erdulden musste. Sie war für mich auch bei sämtlichen Schwierigkeiten während der Reise immer erste und zuverlässige Anlaufstelle.
Zudem pflegte sie diese Internetseite, indem sie täglich die Google-Karte aktualisierte und in meinen Berichten zahlreiche grammatikalische Spitzkehren entschärfte wie auch viele orthographische Schlaglöcher ausbesserte.
Sie war mir Motivation an Tagen, an denen es nicht so lief wie es sollte. Im regenreichen Süden von Norwegen war der Gedanke an das bevorstehende Treffen mit ihr ein wertvoller Lichtblick.
Auch das Ende der Tour versüßte sie mir mit dem Gedanken von der Reise meines Lebens zu der Liebe meines Lebens zurückzukehren.

Die letzten, wenn auch nicht unbedeutendsten Worte des Dankes möchte ich an alle Leser richten, die meinem Aufruf nachgekommen sind und mir während der Tour E-Mails und SMS geschickt haben. Ich fühlte mich dadurch der Heimat nie richtig fern.

Ich hatte mir überlegt, die letzten Worte (wie schon zu Beginn dieses Reisetagebuchs) jemandem zu überlassen, der diese besser zu formulieren weiß als ich. Beinahe hätte ich es auch so gehandhabt. Beinahe!

Unser “Kaiser” sagte während der Fußball-WM 2006, Deutschland sei ein Paradies. Man könne das am besten vom Hubschrauber aus sehen.
Ich möchte ihm entgegnen, dass ganz Europa ein wunderbarer Kontinent ist - und um das zu erkennen, reicht bereits ein Fahrrad.

Tour-Statistik

2. Dezember 2007, 14:41

Ich habe die Tour in ein paar Kennzahlen gepackt. Die Ergebnisse können hier als PDF-Datei betrachtet werden.

Wie geht es weiter?

26. November 2007, 23:04

Ich habe vor diese Website in den nächsten Tagen und Wochen ein wenig zu komplettieren. Wie viel noch hinzukommen wird, kann ich nicht sagen. Das wird von meiner Lust und Laune abhängen.

Eine Neuerung gibt es aber bereits: Wer lieber Bilder als Texte sprechen lässt, kann sich unter dem neu hinzugekommenen Navigationspunkt „Bilderalbum“ die Bilder, die hier im Laufe der Zeit eingestellt wurden, ohne langwieriges Klicken in einer kompakten Übersicht ansehen.
Ich kann es zwar kaum glauben, aber es sind auf dieser Website mehr als 370 Bilder über die Tagesberichte verteilt.

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Neue Bilder

25. November 2007, 21:18

Zum Schreiben bin ich heute leider nicht gekommen.

Stattdessen sind ein paar Bilder fuer die Teilstrecke seit Barcelona hinzugekommen.

Augsburg

24. November 2007, 18:21

Ich bin daheim.

Nach fuenf Monaten Abwesenheit werde ich heute das Wiedersehen mit der Heimat ausgiebig geniessen.
Am Montag werde ich mich an dieser Stelle nochmal zu Wort melden.

Sektempfang am Bahnhof:
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Stumme Zeugen einer gefühlten Odyssee:
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Karlsruhe

24. November 2007, 15:48

Vor wenigen Augenblicken bin ich in den fuer heute letzten Zug gestiegen. Wenn mich nun kein technischer Defekt mehr stoppt und der Lokfueherer sich nicht verfaehrt, geht meine Reise heute zu Ende.

Von Strassburg aus musste ich nach Appenweier fahren und von dort konnte ich dann nach Karlsruhe gelangen. Diese Fahrplanauskunft erhielt ich aber nicht in Strassburg, sondern per E-Mail von meiner Freundin. Das franzoesische Schalterpersonal war mit den deutschen Fahrplaenen aeusserst schlecht vertraut.

Die letzten beiden Tage kommen mir fast wie eine kleine Odysee vor. Ohne den Streik der Franzosen waere ich mit nur einer Verbindung direkt von Girona bis nach Zuerich gekommen. Haette ich absehen koennen, dass und wie lange gestreikt wird, haette ich mir noch ein paar schoene Tage in Barcelona gemacht und waere entsprechend spaeter aufgebrochen.

Die Deutsche Bahn zeigt sich bisher von ihrer besten Seite. Nicht nur, dass die beiden bisherigen Verbindungen puenktlich auf die Minute fuhren. Auch die Zuege sind neu, was das Reisen mit dem Rad sehr erleichtert. Die Einstiege sind nieder und so breit, dass ich die Taschen beim Einsteigen nicht abnehmen muss.
Das sah in Frankreich leider ganz anders aus. Es gibt ja in Zuegen diese Achter-Abteile, zu denen man durch einen schmalen langen Gang entlang einer Fensterseite Zutritt hat. Die Franzosen raeumen die Sitze eines solchen Abteils aus und deklarieren es als Fahrradgarage. Der Gang, durch den man die Raeder transportieren muss, ist etwa zwei Zentimeter schmaler als mein Lenker. Nur durch eine leichte Querstellung des Lenkers kann das Fahrrad in dieses Abteil getragen werden. Sobald das Rad halbwegs steht, muss man dann erneut aus dem Zug rennen und das hoffentlich noch immer da liegende Gepaeck holen. Beim Aussteigen wiederholt sich dann das Spiel in umgekehrter Reihenfolge.
Vielleicht habe ich in Frankreich unguenstige Zuege erwischt, aber die Deutsche Bahn hat auch ohne Beruecksichtigung des Streiks bei dieser Radtour die Nase hinsichtlich des Reisekomforts weit vorne.

Gaebe es doch NUR Einstiege dieser Art:

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Wieder ein Stueck

24. November 2007, 06:33

Inzwischen sitze ich im Zug nach Strassburg. Der Bahnverkehr in Lyon entsprach heute annaehernd dem normalen Fahrplan.

Die Nacht habe ich so lange es moeglich war im Bahnhof verbracht. Den Rest der Zeit habe ich mich unmittelbar vor dem Gebaeude aufgehalten. Ich war nicht der Einzige, der dort auf seinen Zug gewartet hat.

Leider kein Glueck

23. November 2007, 20:41

Ich komme heute weder Richtung Zuerich noch nach Strassburg weiter.

Jetzt bleibt mir wenig anderes uebrig, als mir hier die Nacht um die Ohren zu schlagen. Hoffentlich faehrt der angeschriebene Zug morgen wirklich und faellt nicht auch dem Streik zum Opfer.

Auf dem Weg nach Lyon

23. November 2007, 18:28

Das fruehe Aufstehen hat sich im nachhinein nicht gelohnt. Der Anschlusszug in Avignon fuhr erst gegen 18:30 los. Ich musste somit den Nachmittag in Avignon verbringen.

Immerhin gab es heute noch eine Verbindung nach Lyon. In diesem Zug sitze ich gerade und werde laut Fahrplan kurz vor 21 Uhr ankommen.

Haette mich vorher jemand gefragt, in welcher franzoesichen Stadt ich mir keine Nacht um die Ohren schlagen moechte, haette ich ohne zu zoegern “Lyon” gesagt. Als ich sie 2005 mit dem Fahrrad besuchte, entdeckte ich dort mehr Schatten als Licht. Vielleicht war ich in den falschen Vierteln unterwegs, die Stadt sagte mir jedenfalls nicht zu.

Nicht nur aber auch deswegen, werde ich versuchen heute noch weiter als Lyon zu kommen. Ob Richtung Zuerich oder Strassburg ist mir einerlei. Ich werde das von den verfuegbaren Verbindungen abhaengig machen. In beiden Faellen haette ich dann die Beeintraechtigung durch den Streik hinter mir.

Dummerweise weiss in Lyon niemand, welche Zuege von Lyon aus fahren und welche bestreikt werden. Jede Ankunft ist gleichzeitig mit einem ueberraschten Blick auf die Anzeigetafel verbunden. Ich hatte ja viel Zeit die Eintreffenden zu beobachten und konnte die unterschiedlichsten Reaktionen beobachten: Von schnellem Wegrennen in Richtung eines anderen Gleises, ueber eine freudige Umarmung bis hin zu zahllosen enttaeuschten Gesichtern reichte die Spannweite.

Ich werde mich spaeter nochmal melden und mitteilen zu welcher Kategorie ich in Lyon gezaehlt habe.

Perpignan - 70 km - 13868 km

23. November 2007, 10:04

Heute schreibe ich schon etwas frueher als sonst, aber die frohe Botschaft, dass ich endlich im Zug sitze, wollte ich zeitnah mitteilen.

Im Warteraum, den ich mir heute Nacht mit einem Wanderer aus Rumaenien teilte, habe ich eine ruhige Nacht verbracht. Gegen vier Uhr kam etwas Leben auf den Bahnhof, allerdings nur durch die dort angesiedelte Grenzpolizei. Die Nachfrage bei einem Bahn-Bediensteten, ob ich heute mit einem Zug rechnen koenne, wurde verneint. Gegen fuenf Uhr machte ich mich also auf den Weg nach Perpignan. Gut 45 km sollten es sein. Da ich aber auf mehreren Schnellstrassen nicht fahren durfte und mir somit immer einen Umweg suchen musste, war ich wesentlich laenger unterwegs.

Am Bahnhof angekommen sah ich eine Verbindung nach Avignon auf der Anzeigetafel. Um sie zu erwischen, hatte ich noch eine knappe halbe Stunde Zeit. Am Schalter war nicht viel los, aber die Schlange kam kaum vorwaerts. Ich wusste nicht, ob der Fahrradtransport bei diesem Zug moeglich sein wuerde, also stellte ich mich an. Als ich absehen konnte, dass ich auf diese Weise nicht nehr rechtzeitig an eine Fahrkarte kommen wuerde, nutzte ich den Ticket-Automaten und verzichtete auf die Information.

Am Gleis kam dann die Enttaeuschung: Es gab keine passende Moeglichkeit ein Rad mitzunehmen. Viel los war aber auch nicht gerade, also hiefte ich ohne gross zu fragen mein Rad am hintersten Eingang in den Zug, wo es nun einen Ausgang halb versperrt.
Es wird schon keinen stoeren.

Wie es in Avignon weitergeht, weiss ich auch noch nicht, aber das wird sich vor Ort schon finden.

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Spaetestens hier war ich froh, dass ich auf dem Weg nach Norden nicht mitten durch die Pyrenaeen gefahren bin:

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Cerbere - 24 km - 13797 km

22. November 2007, 17:04

So richtig will das mit der Rueckreise noch nicht klappen. Ich ueberradelte heute die Grenze nach Frankreich, weil ich mir dort eine bessere Chance auf einen Zug versprach. In Cerbere, der ersten Stadt nach der Grenze, war am Bahnhof ein Streik-Sonderfahrplan ausgehaengt. Demnach sollte um 17:30 Uhr ein Zug nach Perpignan fahren. Die Strecke haette ich auch mit dem Rad bewaeltigen koennen, aber im Regen hatte ich dazu keine Lust. Ich wartete also den ganzen Nachmittag. Wie sich herausstellte allerdings vergebens. Es fuhr kein Zug.

Inzwischen ist es dunkel und ich werde, falls moeglich, heute Nacht im Warteraum des Bahnhofs bleiben. Fuer morgen hoffe ich auf besseres Wetter. Sollte diese Hoffnung vergebens sein, werde ich trotzdem nach Perpignan radeln.

Auf dem Zettel, der fuer 17:30 Uhr den Zug ankuendigte, steht auch eine Verbindung fuer morgen frueh. Aber daran glaube ich nach der ersten Fehlinformation nicht mehr.

Langsam gehen mir die Franzosen mit ihrem Streik ganz schoen auf den Senkel.

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Llanca - 125 km - 13773 km

21. November 2007, 20:41

Da es in der Nacht weiter regnete, entschloss ich mich dazu die Tour heute zu beenden. Den Weg nach Girona konnte ich grossteils trocken zuruecklegen, was meinen Plan aber nicht aenderte. Dies behielt ich dem franzoesischen Generalstreik vor.
Am Ticketschalter teilte man mir mit, dass auf absehbare Zeit kein Zug nach Frankreich fahren wuerde. Wann die Verbindung wieder aufgenommen wird, sei noch unbekannt.

Mein naechster Versuch brachte mich zun nebenan gelegenen Busbahnhof. Ein Aushang warb sogar mit einer Verbindung nach Augsburg, aber soviel Glueck war mir suspekt. Ich fragte also eher vorsichtig nach irgendeiner Verbindung nach Deutschland, bevorzugt in den suedlichen Teil. Am Freitag gaebe es einen Bus nach Muenchen, allerdings koenne mein Rad nicht befoerdert werden, so die Dame am Schalter. Die Erklaerung, dass in Frankreich momentan gestreikt wird und der Bus meine einzige Moeglichkeit ist, aenderte nichts daran. Mein Rad darf nicht in den Bus.

Als ich ihr sagte, dass ich dann wohl mit dem Rad nach Deutschland fahren muesse, erntete ich nur ein leichtes Laecheln. Sie hatte scheinbar keine Ahnung, wie ernst ich das meinte.

Ich fuhr weiter bis in das knapp 40 km entfernte Figueres und fragte erneut am Bahnhof nach, erhielt aber die gleiche Auskunft.

Die Strecke ueber die Grenze werde ich nun also per Rad zuruecklegen. Vielleicht eroeffnet sich danach eine Moeglichkeit den Zug zu nehmen. Ansonsten radel ich eben in die Schweiz. Auf die Eidgenossen ist sicher mehr Verlass als auf die Grande Nation.

So sehr ich Europa schaetze und es mir in den letzten Monaten auch gefallen hat: Zum oeffentlichen Personenverkehr faellt mir angesichts der Erfahrung meiner Freundin in Orleans/Paris und meiner momentanen Situation nur ein Wort ein: Bananenrepublik.

Der Campingplatz, den ich in Llanca gefunden habe, ist schon sehr franzoesich. Er kostet ein Drittel desses, was ich in Mataro bezahlt habe. Er leistet sich zum Ausgleich aber offensichtlich keine Reinigungskraft fuer die Sanitaeranlagen.
Selbst das, was ich fuer nahezu unmoeglich gehalten habe, schafft dieser Platz mit Leichtigkeit. Er uebertrumpft den netten Pilz des belgischen Campingplatzes mit einer toten Ratte im Waschhaus, die mir nicht so aussah, als laege sie dort erst seit gestern.

Insgesamt gilt festzuhalten: Heute war einfach nicht mein Tag.

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Palamos - 97 km - 13648 km

20. November 2007, 18:18

Der Campingplatz von gestern war noch richtig belebt. Als ich abends dort angekommen war, war es bereits dunkel und der Platz wirkte wie leer. Heute morgen, als bei Tageslicht manche ihre fahrbaren Behausungen verlassen hatten, war es sofort sehr unterhaltsam fuer mich. Meine Nachbarn zeigten grosses Interesse an meiner Reise.
Der Campingplatz, den ich heute gefunden habe, ist so etwas wie das Gegenteil davon. Er hat bereits geschlossen. Die Schranken waren unten, das Tor stand aber offen. Ich habe es mir also trotzdem auf dem Gelaende gemuetlich gemacht. Erwartungsgemaess bin ich der einzige Gast.

Ich hatte keine Lust nach einem anderen Campingplatz zu suchen, da es erstens bereits wieder dunkel war und zweitens auch das Wetter heute nicht so mitspielt, wie ich es mir wuenschen wuerde. Wolken verhaengen den ganzen Himmel, immer wieder regnet es leicht.
Die Landschaft entlang der Kueste war zwar nicht zu verachten, verlor durch das Wetter aber deutlich an Reiz.

So hatte ich mir den gemuetlichen Ausklang meiner Tour nicht vorgestellt. Sollte sich das Wetter bis morgen nicht aendern, koennte das der Anfang vom Ende meiner Reise sein. Bei Regen locken mich die Pyrenaeen naemlich herzlich wenig.

Eine schoene Gegend, nur das Wetter spielte nicht mit:

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Mataro - 44 km - 13551 km

19. November 2007, 18:52

Nach einer Woche Pause habe ich heute Barcelona verlassen und somit den letzten Tourabschnitt eingelaeutet. Ganz leicht fiel es mir nicht. Der soziale Kontakt und der Komfort der Wohnung werden mir die naechsten Tage sicherlich etwas fehlen. Gleichzeitig habe ich am Ende der Etappe trotz der vielen Orte und dem damit verbundenen Verkehr wieder richtig Spass am Radeln empfunden.

In Barcelona hatte ich ein bunt gemischtes Programm. Sogar ein wenig Kultur habe ich in die Woche einfliessen lassen, was bei meiner Art des Reisens durchaus eine Erwaehnung wert ist. Neben der Sagrada Familla habe ich auch noch das Poble Espanyol besucht, welches mir aber weit weniger als die Kirche zusagte. Ich war sogar in einem Picasso-Museum - zugegebenermassen aber fuer weniger als fuenf Minuten.
Der Hoehepunkt des Sight-Seeings in Barcelona war fuer mich die Besichtigung des “L’Aquarium”, was aber nicht verwundern duerfte, da ich ja schon seit Jahren Hobby-Aquarianer bin.

Leider ging der Besuch meiner Freundin viel zu schnell vorbei. Am Sonntag musste sie schon wieder in den Flieger Richtung Muenchen steigen.
Die Rueckreise verlief reibungslos.

Heute wollte ich Barcelona samt Ballungsgebiet hinter mir lassen, was ueberraschend angenehm zu schaffen war. Meist konnte ich unmittelbarer entlang des Strands die Vororte durchfahren. Zu meinem Glueck lag dann dann auch noch ein Campingplatz auf meinem Weg.

Meine weitere Streckenplanung fuer die naechsten Tage laesst sich einfach beschreiben: Immer an der Kueste entlang moechte ich bis Frankreich radeln, die Pyrenaeen dabei moeglichst umfahren und auch danach nahe des Mittelmeers Richtung Heimat treten.
Ein paar Temperaturangaben, die ich heute Morgen im Internet gelesen habe, lassen mich aber zweifeln, ob ich noch sehr lange unterwegs sein werde. Tagsueber laesst es sich noch gut radeln, aber es dauert immer laenger, bis morgens angenehme Temperaturen herrschen. Gegen 18 Uhr ist es bereits wieder dunkel. Das Zeitfenster, in dem man angenehm radeln kann, ist leider schon recht kurz und wird zusehends kleiner.

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Lebenszeichen aus Barcelona

15. November 2007, 10:36

Die letzten Tage habe ich mich mit einer erholsamen Mischung aus Sight-Seeing, Faulenzen, einem Frisoer-Besuch und natuerlich auch ein paar Kneipen-Besuchen vergnuegt.

Mein Aufenthalt in Barcelona wird noch ein paar Tage laenger andauern. Dies wusste ich zwar schon vor Wochen, ich kann es hier aber erst jetzt schreiben. Das hat einen Grund:

Meine Liebste sitzt gerade mit zwei weiteren Freundinnen im Flieger Richtung Spanien. Von dieser Reise hat sie aber erst heute Morgen erfahren. Um die Ueberraschung nicht aufzudecken, konnte ich hier also nicht davon berichten.

Die drei Besucherinnen werden bis Sonntag bleiben, demnach werde ich mich am Montag wieder auf den Weg machen. Das Wetter scheint in Deutschland momentan nicht sehr radfreundlich zu sein. Bis nach Augsburg werde ich also nicht mit dem Rad fahren koennen.
Ich habe vor Richtung Rhone-Tal zu radeln und mich ueberraschen zu lassen, wann und wo mir das Wetter den Spass vermiest. Dann setze ich mich in den Zug und lasse mich in die Heimat befoerdern.

Ich gehe davon aus, dass ich auch in den naechsten Tagen nicht oft zum Schreiben kommen werde. Vermutlich werde ich mich erst am Sonntag oder Montag wieder melden.

Meine Situation muss man sich regelrecht auf der Zunge zergehen lassen:
Ich unterbreche nun also meinen 6-Monatigen Urlaub fuer eine Woche, um mit vier reizenden jungen Damen Barcelona unsicher zu machen.
Man koennte sich Schlimmeres vorstellen :-)

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