Auf Tour - Mit dem Fahrrad zum Nordkap und weiter nach Tarifa

Reisebericht einer Fahrradreise quer durch Europa

Augsburg - Nordkap - Tarifa: Die letzten Zeilen

3. Februar 2008, 09:38

Inzwischen bin ich wieder seit über zwei Monaten in der Heimat und der Alltag hat mich fest im Griff. Schon nach wenigen Tagen war es wieder völlig “normal”, zuhause zu sein und nicht mehr jede Nacht irgendwo anders zu schlafen, nicht mehr ständig auf der Suche (nach Supermärkten, Steckdosen, Campingplätzen etc.) zu sein, bei Bedarf frische Kleidung ganz nebenbei aus dem Schrank nehmen zu können oder bei Sauwetter hinter der Fensterscheibe den Regen zu ignorieren. Auch das “oh nein, da vorne geht es schon wieder bergauf”-Gefühl war nach wenigen Auto-Kilometern verschwunden.

karte-augsburg-nordkap-tarifa

Etwas bleibt aber doch: eine tiefe Erinnerung, die nicht spurlos an mir vorbei gezogen ist und die mich in meiner Sicht auf Europa nachhaltig geprägt hat.

Ich lernte viele andere Reisende wie auch Einheimische kennen. Manche dieser Begegnungen sind inzwischen sicherlich bereits aus meiner Erinnerung verdrängt, andere werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Hinsichtlich der Menschen kann ich sagen, dass ich zum allergrößten Teil angenehme Erfahrungen machen durfte. Manche davon waren intensiver, als ich mir das zu Reisebeginn vorstellen konnte.

Oft werde ich gefragt, was mir in diesen fünf Monaten am besten gefallen hat. Die Antwort ist leicht: die Ankunft und der Aufenthalt am Nordkap.
Selten fühlte sich das Leben so locker und leicht an wie während dieser beiden Tage.
Nicht nur der landschaftliche Reiz oder die besondere geographische Lage waren dafür verantwortlich. Die netten Menschen vor Ort und die vielen E-Mails wie Anrufe aus der Heimat bescherten mir eine Reiseerfahrung, wie ich sie bis dato und auch seit dem nicht mehr erlebt habe.

Um ein Thema habe ich mich bisher immer etwas herumgedrückt, weil ich es während der Reise für unpassend gehalten habe. Im Nachhinein möchte ich aber doch ein paar Worte des Dankes an die Menschen richten, die mir diese Reise ermöglicht haben.
Einerseits bin ich Egoist genug, um den Großteil der Leistung auf meinen eigenen Schultern zu sehen. Neben der eigenständigen Planung und Organisation habe ich jeden Kilometer auf dem eigenen Hintern abgesessen, jeden Höhenmetern mit dem Fahrrad selbst erstrampelt, jede Nacht war ich es, der auf dem Wald- und Wiesenboden geschlafen hat und die vielen zu bewältigenden Problemchen, die auf solch einer Reise zwangsläufig auftreten, wurden mir von niemandem aus dem Weg geräumt.

Trotzdem bin ich mir der Tatsache bewusst, dass diese Reise ohne die Mithilfe einiger Menschen nicht das geworden wäre, was sie für mich wurde.

Ich denke hier an die positive Resonanz vieler Freunde, denen ich gegen Ende 2006 von dieser damals eher spontanen Idee berichtet hatte.

Auch meine Schwester, eine Mitstreiterin der ersten Stunde, sorgte durch ihrem Zuspruch dafür, dass ich manchen Zweifel überwunden habe.

Im gleichen Atemzug sind meine Eltern zu nennen, die von dem Moment an, als ich das erste Wort über eine “längere Radreise” verlor, nicht aufhörten, mir den Rücken zu stärken und mich schließlich auf der ersten Tour-Woche durch Deutschland begleiteten, um Startschwierigkeiten entgegen zu wirken.

Ebenfalls nicht vergessen möchte ich meinen Arbeitgeber, den ich nicht unbedingt in devoter Haltung um diese Auszeit gebeten hatte und der mir eine reibungslose Rückkehr in das Berufsleben ermöglichte. Auch meine Kollegen stärkten mich in meiner Reiseabsicht und zählten zu den häufigsten E-Mail-Schreibern während der Reise.

Allen voran muss mein Dank (und auch der Dank all derer, die hier mitgelesen haben) aber meiner Freundin gelten. Nicht nur, dass sie meine Reisevorbereitung mit der Gewissheit, nur auf einem kleinen Teilstück mit von der Partie zu sein, unmittelbar erdulden musste. Sie war für mich auch bei sämtlichen Schwierigkeiten während der Reise immer erste und zuverlässige Anlaufstelle.
Zudem pflegte sie diese Internetseite, indem sie täglich die Google-Karte aktualisierte und in meinen Berichten zahlreiche grammatikalische Spitzkehren entschärfte wie auch viele orthographische Schlaglöcher ausbesserte.
Sie war mir Motivation an Tagen, an denen es nicht so lief wie es sollte. Im regenreichen Süden von Norwegen war der Gedanke an das bevorstehende Treffen mit ihr ein wertvoller Lichtblick.
Auch das Ende der Tour versüßte sie mir mit dem Gedanken von der Reise meines Lebens zu der Liebe meines Lebens zurückzukehren.

Die letzten, wenn auch nicht unbedeutendsten Worte des Dankes möchte ich an alle Leser richten, die meinem Aufruf nachgekommen sind und mir während der Tour E-Mails und SMS geschickt haben. Ich fühlte mich dadurch der Heimat nie richtig fern.

Ich hatte mir überlegt, die letzten Worte (wie schon zu Beginn dieses Reisetagebuchs) jemandem zu überlassen, der diese besser zu formulieren weiß als ich. Beinahe hätte ich es auch so gehandhabt. Beinahe!

Unser “Kaiser” sagte während der Fußball-WM 2006, Deutschland sei ein Paradies. Man könne das am besten vom Hubschrauber aus sehen.
Ich möchte ihm entgegnen, dass ganz Europa ein wunderbarer Kontinent ist - und um das zu erkennen, reicht bereits ein Fahrrad.

Tour-Statistik

2. Dezember 2007, 14:41

Ich habe die Fahrrad-Tour in ein paar Kennzahlen gepackt. Die Ergebnisse können hier als PDF-Datei betrachtet werden.

Wie geht es weiter?

26. November 2007, 23:04

Ich habe vor diese Website in den nächsten Tagen und Wochen ein wenig zu komplettieren. Wie viel noch hinzukommen wird, kann ich nicht sagen. Das wird von meiner Lust und Laune abhängen.

Eine Neuerung gibt es aber bereits: Wer lieber Bilder als Texte sprechen lässt, kann sich unter dem neu hinzugekommenen Navigationspunkt „Bilderalbum“ die Bilder, die hier im Laufe der Fahrradreise eingestellt wurden, ohne langwieriges Klicken in einer kompakten Übersicht ansehen.
Ich kann es zwar kaum glauben, aber es sind zwischen Augsburg, Nordkap und Barcelona mehr als 370 Bilder über die Tagesberichte verteilt worden.

Bild aufgenommen am
05.01.2008, 09:43.
Die Wohnungstüre wurde zu meiner Rückkehr von meiner Freundin aufwendig verziert.
 

Neue Bilder

25. November 2007, 21:18

Zum Schreiben bin ich heute leider nicht gekommen.

Stattdessen sind ein paar Bilder fuer die Teilstrecke seit Barcelona hinzugekommen.

Augsburg

24. November 2007, 18:21

Ich bin daheim.

Nach fuenf Monaten Abwesenheit werde ich heute das Wiedersehen mit der Heimat ausgiebig geniessen.
Am Montag werde ich mich an dieser Stelle nochmal zu Wort melden.

Bild aufgenommen am
24.11.2007, 18:39.
Hauptbahnhof Augsburg

Nach fünf Monaten werde ich von meiner Freundin in Augsburg, dem Start- und Zielort meiner Fahrradreise, in Empfang genommen.
Auf die gesunde Rückkehr haben wir gleich mit einem Gläschen Sekt angestoßen.
 
Bild aufgenommen am
27.01.2008, 10:23.
Die Bahntickets der Rückreise:
stumme Zeugen einer gefühlten Odyssee.
 

Karlsruhe

24. November 2007, 15:48

Vor wenigen Augenblicken bin ich in den fuer heute letzten Zug gestiegen. Wenn mich nun kein technischer Defekt mehr stoppt und der Lokfueherer sich nicht verfaehrt, geht meine Reise heute zu Ende.

Von Strassburg aus musste ich nach Appenweier fahren und von dort konnte ich dann nach Karlsruhe gelangen. Diese Fahrplanauskunft erhielt ich aber nicht in Strassburg, sondern per E-Mail von meiner Freundin. Das franzoesische Schalterpersonal war mit den deutschen Fahrplaenen aeusserst schlecht vertraut.

Die letzten beiden Tage kommen mir fast wie eine kleine Odysee vor. Ohne den Streik der Franzosen waere ich mit nur einer Verbindung direkt von Girona bis nach Zuerich gekommen. Haette ich absehen koennen, dass und wie lange gestreikt wird, haette ich mir noch ein paar schoene Tage in Barcelona gemacht und waere entsprechend spaeter aufgebrochen.

Die Deutsche Bahn zeigt sich bisher von ihrer besten Seite. Nicht nur, dass die beiden bisherigen Verbindungen puenktlich auf die Minute fuhren. Auch die Zuege sind neu, was das Reisen mit dem Fahrrad sehr erleichtert. Die Einstiege sind nieder und so breit, dass ich die Taschen beim Einsteigen nicht abnehmen muss.
Das sah in Frankreich leider ganz anders aus. Es gibt ja in Zuegen diese Achter-Abteile, zu denen man durch einen schmalen langen Gang entlang einer Fensterseite Zutritt hat. Die Franzosen raeumen die Sitze eines solchen Abteils aus und deklarieren es als Fahrradgarage. Der Gang, durch den man die Raeder transportieren muss, ist etwa zwei Zentimeter schmaler als mein Lenker. Nur durch eine leichte Querstellung des Lenkers kann das Fahrrad in dieses Abteil getragen werden. Sobald das Fahrrad halbwegs steht, muss man dann erneut aus dem Zug rennen und das hoffentlich noch immer da liegende Gepaeck holen. Beim Aussteigen wiederholt sich dann das Spiel in umgekehrter Reihenfolge.
Vielleicht habe ich in Frankreich unguenstige Zuege erwischt, aber die Deutsche Bahn hat auch ohne Beruecksichtigung des Streiks bei dieser Fahrradtour die Nase hinsichtlich des Reisekomforts weit vorne.

Bild aufgenommen am
24.11.2007, 13:05.
Welch Segen solch ein breiter Zug-Einstieg doch sein kann.

Leider gibt es an älteren Zügen häufig nur die hohen und engen Türen. Mit meinem voll beladenen Fahrrad ist es dann oft gar nicht so einfach das Gefährt samt Gepäck durch die Luke zu befördern.
 

Wieder ein Stueck

24. November 2007, 06:33

Inzwischen sitze ich im Zug nach Strassburg. Der Bahnverkehr in Lyon entsprach heute annaehernd dem normalen Fahrplan.

Die Nacht habe ich so lange es moeglich war im Bahnhof verbracht. Den Rest der Zeit habe ich mich unmittelbar vor dem Gebaeude aufgehalten. Ich war nicht der Einzige, der dort auf seinen Zug gewartet hat.

Leider kein Glueck

23. November 2007, 20:41

Ich komme heute weder Richtung Zuerich noch nach Strassburg weiter.

Jetzt bleibt mir wenig anderes uebrig, als mir hier die Nacht um die Ohren zu schlagen. Hoffentlich faehrt der angeschriebene Zug morgen wirklich und faellt nicht auch dem Streik zum Opfer.

Auf dem Weg nach Lyon

23. November 2007, 18:28

Das fruehe Aufstehen hat sich im nachhinein nicht gelohnt. Der Anschlusszug in Avignon fuhr erst gegen 18:30 los. Ich musste somit den Nachmittag in Avignon verbringen.

Immerhin gab es heute noch eine Verbindung nach Lyon. In diesem Zug sitze ich gerade und werde laut Fahrplan kurz vor 21 Uhr ankommen.

Haette mich vorher jemand gefragt, in welcher franzoesichen Stadt ich mir keine Nacht um die Ohren schlagen moechte, haette ich ohne zu zoegern “Lyon” gesagt. Als ich sie 2005 mit dem Fahrrad besuchte, entdeckte ich dort mehr Schatten als Licht. Vielleicht war ich in den falschen Vierteln unterwegs, die Stadt sagte mir jedenfalls nicht zu.

Nicht nur aber auch deswegen, werde ich versuchen heute noch weiter als Lyon zu kommen. Ob Richtung Zuerich oder Strassburg ist mir einerlei. Ich werde das von den verfuegbaren Verbindungen abhaengig machen. In beiden Faellen haette ich dann die Beeintraechtigung durch den Streik hinter mir.

Dummerweise weiss in Lyon niemand, welche Zuege von Lyon aus fahren und welche bestreikt werden. Jede Ankunft ist gleichzeitig mit einem ueberraschten Blick auf die Anzeigetafel verbunden. Ich hatte ja viel Zeit die Eintreffenden zu beobachten und konnte die unterschiedlichsten Reaktionen beobachten: Von schnellem Wegrennen in Richtung eines anderen Gleises, ueber eine freudige Umarmung bis hin zu zahllosen enttaeuschten Gesichtern reichte die Spannweite.

Ich werde mich spaeter nochmal melden und mitteilen zu welcher Kategorie ich in Lyon gezaehlt habe.

Perpignan - 70 km - 13868 km

23. November 2007, 10:04

Heute schreibe ich schon etwas frueher als sonst, aber die frohe Botschaft, dass ich endlich im Zug sitze, wollte ich zeitnah mitteilen.

Im Warteraum, den ich mir heute Nacht mit einem Wanderer aus Rumaenien teilte, habe ich eine ruhige Nacht verbracht. Gegen vier Uhr kam etwas Leben auf den Bahnhof, allerdings nur durch die dort angesiedelte Grenzpolizei. Die Nachfrage bei einem Bahn-Bediensteten, ob ich heute mit einem Zug rechnen koenne, wurde verneint. Gegen fuenf Uhr machte ich mich also auf den Weg nach Perpignan. Gut 45 km sollten es sein. Da ich aber auf mehreren Schnellstrassen nicht fahren durfte und mir somit immer einen Umweg suchen musste, war ich wesentlich laenger unterwegs.

Am Bahnhof angekommen sah ich eine Verbindung nach Avignon auf der Anzeigetafel. Um sie zu erwischen, hatte ich noch eine knappe halbe Stunde Zeit. Am Schalter war nicht viel los, aber die Schlange kam kaum vorwaerts. Ich wusste nicht, ob der Fahrradtransport bei diesem Zug moeglich sein wuerde, also stellte ich mich an. Als ich absehen konnte, dass ich auf diese Weise nicht nehr rechtzeitig an eine Fahrkarte kommen wuerde, nutzte ich den Ticket-Automaten und verzichtete auf die Information.

Am Gleis kam dann die Enttaeuschung: Es gab keine passende Moeglichkeit ein Fahrrad mitzunehmen. Viel los war aber auch nicht gerade, also hiefte ich ohne gross zu fragen mein Fahrrad am hintersten Eingang in den Zug, wo es nun einen Ausgang halb versperrt.
Es wird schon keinen stoeren.

Wie es in Avignon weitergeht, weiss ich auch noch nicht, aber das wird sich vor Ort schon finden.

Bild aufgenommen am
23.11.2007, 07:00.
Durch den frühen Aufbruch lernte ich die französische Mittelmeerküste bei Nacht kennen.
 
Bild aufgenommen am
23.11.2007, 07:07.
Mein Fahrrad an der Strandpromenade, während ich frühstückte.
 
Bild aufgenommen am
23.11.2007, 08:06.
Auf dem Weg nach Perpignan.

Der Sonnenaufgang hier im Süden Frankreichs war ebenso faszinierend, wie die vielen Sonnenuntergänge in Skandinavien.
Im Hintergrund sind die Pyrenäen zu sehen.
 
Bild aufgenommen am
23.11.2007, 08:27.
Pyrenäen-Panorama.

Angesichts der Tatsache, dass es selbst hier recht frisch war, verspürte ich bei diesem Anblick nicht die geringste Lust mit dem Fahrrad auf dieser Tour nochmal in die Pyrenäen hinein zu fahren.
 

Cerbere - 24 km - 13797 km

22. November 2007, 17:04

So richtig will das mit der Rueckreise noch nicht klappen. Ich ueberradelte heute die Grenze nach Frankreich, weil ich mir dort eine bessere Chance auf einen Zug versprach. In Cerbere, der ersten Stadt nach der Grenze, war am Bahnhof ein Streik-Sonderfahrplan ausgehaengt. Demnach sollte um 17:30 Uhr ein Zug nach Perpignan fahren. Die Strecke haette ich auch mit dem Fahrrad bewaeltigen koennen, aber im Regen hatte ich dazu keine Lust. Ich wartete also den ganzen Nachmittag. Wie sich herausstellte allerdings vergebens. Es fuhr kein Zug.

Inzwischen ist es dunkel und ich werde, falls moeglich, heute Nacht im Warteraum des Bahnhofs bleiben. Fuer morgen hoffe ich auf besseres Wetter. Sollte diese Hoffnung vergebens sein, werde ich trotzdem nach Perpignan radeln.

Auf dem Zettel, der fuer 17:30 Uhr den Zug ankuendigte, steht auch eine Verbindung fuer morgen frueh. Aber daran glaube ich nach der ersten Fehlinformation nicht mehr.

Langsam gehen mir die Franzosen mit ihrem Streik ganz schoen auf den Senkel.

Bild aufgenommen am
22.11.2007, 10:31.
Costa Brava

Der Wellengang zeigt, dass es nicht nur regnete, sondern auch noch stark windete.
 
Bild aufgenommen am
22.11.2007, 11:49.
Blick auf Portbou.

Die Pyrenäen machen sich hier bei der Streckenführung wieder deutlich bemerkbar:
landschaftlich sehr reizvoll, topographisch aber relativ anstrengend zum Fahrrad fahren.
 
Bild aufgenommen am
23.11.2007, 04:25.
Auf dem Bahnhof von Cerbere, nachts um halb fünf.

Das Areal war wie ausgestorben. Nur ein Wanderer aus Rumänien und ich teilten uns den Bahnhof.
 

Llanca - 125 km - 13773 km

21. November 2007, 20:41

Da es in der Nacht weiter regnete, entschloss ich mich dazu die Tour heute zu beenden. Den Weg nach Girona konnte ich grossteils trocken zuruecklegen, was meinen Plan aber nicht aenderte. Dies behielt ich dem franzoesischen Generalstreik vor.
Am Ticketschalter teilte man mir mit, dass auf absehbare Zeit kein Zug nach Frankreich fahren wuerde. Wann die Verbindung wieder aufgenommen wird, sei noch unbekannt.

Mein naechster Versuch brachte mich zun nebenan gelegenen Busbahnhof. Ein Aushang warb sogar mit einer Verbindung nach Augsburg, aber soviel Glueck war mir suspekt. Ich fragte also eher vorsichtig nach irgendeiner Verbindung nach Deutschland, bevorzugt in den suedlichen Teil. Am Freitag gaebe es einen Bus nach Muenchen, allerdings koenne mein Fahrrad nicht befoerdert werden, so die Dame am Schalter. Die Erklaerung, dass in Frankreich momentan gestreikt wird und der Bus meine einzige Moeglichkeit ist, aenderte nichts daran. Mein Fahrrad darf nicht in den Bus.

Als ich ihr sagte, dass ich dann wohl mit dem Fahrrad nach Deutschland fahren muesse, erntete ich nur ein leichtes Laecheln. Sie hatte scheinbar keine Ahnung, wie ernst ich das meinte.

Ich fuhr weiter bis in das knapp 40 km entfernte Figueres und fragte erneut am Bahnhof nach, erhielt aber die gleiche Auskunft.

Die Strecke ueber die Grenze werde ich nun also per Fahrrad zuruecklegen. Vielleicht eroeffnet sich danach eine Moeglichkeit den Zug zu nehmen. Ansonsten radel ich eben in die Schweiz. Auf die Eidgenossen ist sicher mehr Verlass als auf die Grande Nation.

So sehr ich Europa schaetze und es mir in den letzten Monaten auch gefallen hat: Zum oeffentlichen Personenverkehr faellt mir angesichts der Erfahrung meiner Freundin in Orleans/Paris und meiner momentanen Situation nur ein Wort ein: Bananenrepublik.

Der Campingplatz, den ich in Llanca gefunden habe, ist schon sehr franzoesich. Er kostet ein Drittel desses, was ich in Mataro bezahlt habe. Er leistet sich zum Ausgleich aber offensichtlich keine Reinigungskraft fuer die Sanitaeranlagen.
Selbst das, was ich fuer nahezu unmoeglich gehalten habe, schafft dieser Platz mit Leichtigkeit. Er uebertrumpft den netten Pilz des belgischen Campingplatzes mit einer toten Ratte im Waschhaus, die mir nicht so aussah, als laege sie dort erst seit gestern.

Insgesamt gilt festzuhalten: Heute war einfach nicht mein Tag.

Bild aufgenommen am
21.11.2007, 20:14.
Auf dem Campingplatz in Llanca.

Hier herrscht eine merkwürdige Vorstellung von Hygiene.
 

Palamos - 97 km - 13648 km

20. November 2007, 18:18

Der Campingplatz von gestern war noch richtig belebt. Als ich abends dort angekommen war, war es bereits dunkel und der Platz wirkte wie leer. Heute morgen, als bei Tageslicht manche ihre fahrbaren Behausungen verlassen hatten, war es sofort sehr unterhaltsam fuer mich. Meine Nachbarn zeigten grosses Interesse an meiner Reise.
Der Campingplatz, den ich heute gefunden habe, ist so etwas wie das Gegenteil davon. Er hat bereits geschlossen. Die Schranken waren unten, das Tor stand aber offen. Ich habe es mir also trotzdem auf dem Gelaende gemuetlich gemacht. Erwartungsgemaess bin ich der einzige Gast.

Ich hatte keine Lust nach einem anderen Campingplatz zu suchen, da es erstens bereits wieder dunkel war und zweitens auch das Wetter heute nicht so mitspielt, wie ich es mir wuenschen wuerde. Wolken verhaengen den ganzen Himmel, immer wieder regnet es leicht.
Die Landschaft entlang der Kueste war zwar nicht zu verachten, verlor durch das Wetter aber deutlich an Reiz.

So hatte ich mir den gemuetlichen Ausklang meiner Tour nicht vorgestellt. Sollte sich das Wetter bis morgen nicht aendern, koennte das der Anfang vom Ende meiner Reise sein. Bei Regen locken mich die Pyrenaeen naemlich herzlich wenig.

Eine schoene Gegend, nur das Wetter spielte nicht mit:

Bild aufgenommen am
20.11.2007, 15:12.
Die Costa Brava, leider in Wolken und Regen gehüllt.
 
Bild aufgenommen am
20.11.2007, 15:32.
Costa Brava
 

Mataro - 44 km - 13551 km

19. November 2007, 18:52

Nach einer Woche Pause habe ich heute Barcelona verlassen und somit den letzten Tourabschnitt eingelaeutet. Ganz leicht fiel es mir nicht. Der soziale Kontakt und der Komfort der Wohnung werden mir die naechsten Tage sicherlich etwas fehlen. Gleichzeitig habe ich am Ende der Etappe trotz der vielen Orte und dem damit verbundenen Verkehr wieder richtig Spass am Radeln empfunden.

In Barcelona hatte ich ein bunt gemischtes Programm. Sogar ein wenig Kultur habe ich in die Woche einfliessen lassen, was bei meiner Art des Reisens durchaus eine Erwaehnung wert ist. Neben der Sagrada Familla habe ich auch noch das Poble Espanyol besucht, welches mir aber weit weniger als die Kirche zusagte. Ich war sogar in einem Picasso-Museum - zugegebenermassen aber fuer weniger als fuenf Minuten.
Der Hoehepunkt des Sight-Seeings in Barcelona war fuer mich die Besichtigung des “L’Aquarium”, was aber nicht verwundern duerfte, da ich ja schon seit Jahren Hobby-Aquarianer bin.

Leider ging der Besuch meiner Freundin viel zu schnell vorbei. Am Sonntag musste sie schon wieder in den Flieger Richtung Muenchen steigen.
Die Rueckreise verlief reibungslos.

Heute wollte ich Barcelona samt Ballungsgebiet hinter mir lassen, was ueberraschend angenehm zu schaffen war. Meist konnte ich unmittelbarer entlang des Strands die Vororte durchfahren. Zu meinem Glueck lag dann dann auch noch ein Campingplatz auf meinem Weg.

Meine weitere Streckenplanung fuer die naechsten Tage laesst sich einfach beschreiben: Immer an der Kueste entlang moechte ich bis Frankreich radeln, die Pyrenaeen dabei moeglichst umfahren und auch danach nahe des Mittelmeers Richtung Heimat treten.
Ein paar Temperaturangaben, die ich heute Morgen im Internet gelesen habe, lassen mich aber zweifeln, ob ich noch sehr lange unterwegs sein werde. Tagsueber laesst es sich noch gut radeln, aber es dauert immer laenger, bis morgens angenehme Temperaturen herrschen. Gegen 18 Uhr ist es bereits wieder dunkel. Das Zeitfenster, in dem man angenehm radeln kann, ist leider schon recht kurz und wird zusehends kleiner.

Bild aufgenommen am
19.11.2007, 16:00.
Ein letzter Blick nach Barcelona, bevor ich mich schweren Herzens wieder auf mein Fahrrad schwinge.
 

Lebenszeichen aus Barcelona

15. November 2007, 10:36

Die letzten Tage habe ich mich mit einer erholsamen Mischung aus Sight-Seeing, Faulenzen, einem Frisoer-Besuch und natuerlich auch ein paar Kneipen-Besuchen vergnuegt.

Mein Aufenthalt in Barcelona wird noch ein paar Tage laenger andauern. Dies wusste ich zwar schon vor Wochen, ich kann es hier aber erst jetzt schreiben. Das hat einen Grund:

Meine Liebste sitzt gerade mit zwei weiteren Freundinnen im Flieger Richtung Spanien. Von dieser Reise hat sie aber erst heute Morgen erfahren. Um die Ueberraschung nicht aufzudecken, konnte ich hier also nicht davon berichten.

Die drei Besucherinnen werden bis Sonntag bleiben, demnach werde ich mich am Montag wieder auf den Weg machen. Das Wetter scheint in Deutschland momentan nicht sehr fahrradfreundlich zu sein. Bis nach Augsburg werde ich also nicht mit dem Fahrrad fahren koennen.
Ich habe vor Richtung Rhone-Tal zu radeln und mich ueberraschen zu lassen, wann und wo mir das Wetter den Spass vermiest. Dann setze ich mich in den Zug und lasse mich in die Heimat befoerdern.

Ich gehe davon aus, dass ich auch in den naechsten Tagen nicht oft zum Schreiben kommen werde. Vermutlich werde ich mich erst am Sonntag oder Montag wieder melden.

Meine Situation muss man sich regelrecht auf der Zunge zergehen lassen:
Ich unterbreche nun also meinen 6-Monatigen Urlaub fuer eine Woche, um mit vier reizenden jungen Damen Barcelona unsicher zu machen.
Man koennte sich Schlimmeres vorstellen :-)

Bild aufgenommen am
16.11.2007, 14:28.
Der Yachthafen in Barcelona.
 
Bild aufgenommen am
16.11.2007, 14:53.
Am Strand in Barcelona.
 
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16.11.2007, 15:04.
Nochmal der Strand in Barcelona.

An meinen vier Begleiterinnen kann man sehen, dass das Wetter nicht ganz so sommerlich war, wie man es dem ersten Eindruck nach vermuten könnte.
 
Bild aufgenommen am
16.11.2007, 15:28.
Im Poble Espanyol, einer Miniaturausgabe von ganz Spanien.

Schön zu sehen ist auch der weiße Streifen auf meiner Stirn, den das lange Tragen des Fahrradhelms hinterlassen hat.
 
Bild aufgenommen am
16.11.2007, 21:51.
In Barcelona.

Daran könnte ich mich nach Monaten des Nomadentums sehr schnell wieder gewöhnen :-)
 
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17.11.2007, 11:38.
Die Sagrada Familia in Barcelona.
 
Bild aufgenommen am
17.11.2007, 14:18.
Im Aquarium von Barcelona.
 
Bild aufgenommen am
17.11.2007, 17:11.
Blick auf Barcelona.
 
Bild aufgenommen am
18.11.2007, 19:59.
Der Torre Agbar in Barcelona bei Nacht.
 

Neue Bilder

15. November 2007, 10:27

Mit die haeufigsten Fragen zu meiner Fahrradreise sind die nach der Landschaft der Nordlaender rund um das Nordkap. Ich habe deshalb etwas Fotomaterial nachgelegt. Wer noch ein paar Berge, Fjorde, Rentiere, Nordkapimpressionen und Sonnenuntergaenge mehr sehen will, kann dies ab hier tun.

Auch die letzten zwei Wochen in Spanien sind inzwischen mit Bildern versehen.

Barcelona - 194 km - 13507 km

12. November 2007, 11:06

Die Aussicht auf ein festes Dach ueber dem Kopf und auf ein richtiges Bett reichten aus, um Barcelona ohne weitere Uebernachtung erreichen zu wollen. Da es noch eine ganze Ecke zu fahren war, startete ich gleich mit Tagesanbruch gegen sieben Uhr.

Etwas weniger flach als am Tag zuvor, aber immer noch gut geeignet um eine lange Etappe zu fahren, fuehrte mein Weg weiterhin entlang der Kueste. Bis Tarragona hielt sich der Tourismus in Grenzen. Schon wenige Kilometer danach gab es Orte, die trotz der vorgerueckten Jahreszeit noch regelrecht ueberlaufen waren.

Die Anfahrt von Barcelona hatte mehrere Gesichter. Weiter ausserhalb, zwischen Sitges und Garraf, schlaengelte sich die Strasse durch die steil ins Meer fallende Kueste. Landschaftlich waren diese Kilometer sicher der Hoehepunkt des Tages. Zudem konnte ich von den Felsen das Teilnehmerfeld des gestern gestarteten “Barcelona World Race”, einer Segelregatta um die Welt, beobachten.

Ab Garraf diente mir dann der breite Standstreifen einer Schnellstrasse als Tor nach Barcelona. Die Spanier erlauben auf diesen Schnellstrassen selten 100, meist nur 80 km/h. Wenn man sich einmal daran gewoehnt hat, dass man auf einer Strasse mit Autobahn-Optik radelt, erkennt man, dass es dort angenehmer ist, als auf einer durchschnittlichen deutschen Landstrasse. Der Verkehr ist langsamer, haette einen zweiten Fahrstreifen um mir auszuweichen, und muss dies meist noch nicht einmal, weil ich auf dem Standstreifen mehr Platz habe, als auf jedem Radweg. Nur das Passieren der Ein- und Ausfahrten macht wenig Spass.
Gestern war es jedenfalls eine angenehme Sache, die sonst oft so muehsamen letzten Kilometer vor der Grossstadt auf direktem Weg mit ordentlich Tempo fahren zu koennen.

In der Stadt angekommen, machte ich mich auf die Suche nach der Adresse meiner Freundin in Barcelona (nicht zu verwechseln mit meiner Liebsten in Augsburg). Erst war es wie das Stochern im Nebel.
Bereits in Tarifa hatte ich mir aus dem Internet eine Anfahrtsbeschreibung abgezeichnet, mir deren Hilfe ich dann aber tatsaechlich an mein Ziel gelangte. Bus- und Metro-Plaene gaben zusaetzlich Schuetzenhilfe.

Das Fahrrad haben wir samt Gepaeck auf dem Balkon verstaut. Auf der Strasse sollte ich meinen Drahtesel in Barcelona wohl besser nicht stehen lassen.

Nach der Begruessung wurde ausgiebig gegessen und geplaudert, wobei sich auch die Mitbewohnerin meiner Freundin zu uns gesellte. Dann folgte die erste Nacht in einem richtigen Bett seit Juni. Und genau in diesem liege ich momentan noch immer und tippe gerade diesen Bericht.

Ich weiss noch nicht genau, wie lange ich hier bleiben werde und wie es dann weiter geht. So drei bis vier Naechte werden es aber bestimmt werden.

Angesichts des Unterhaltungswerts, den so eine Stadt bietet, kann ich jetzt auch noch nicht sagen, wann ich mich an dieser Stelle wieder zu Wort melden werde.

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11.11.2007, 08:32.
L'Ampolla

Da ich wusste, dass Barcelona heute in Schlagdistanz liegt, schwang ich mich mit den ersten Sonnenstrahlen auf mein Fahrrad und machte mich auf die Etappe.
 
Bild aufgenommen am
11.11.2007, 13:30.
Rast in Tarragona.
 
Bild aufgenommen am
11.11.2007, 13:30.
In Tarragona.

Die Stadt gefiel mir ganz gut. Insbesondere wegen dem kleinen Park, in dem mein Fahrrad hier gerade steht, und von dem aus man einen tollen Blick auf die Küste und das Meer hat.
 

L’Ampolla - 160 km - 13313 km

10. November 2007, 20:21

Zwar lag ich heute Morgen gut geschuetzt, trotzdem startete ich frueh. Schon gestern Abend hatte ich einen Vorgeschmack auf die Fahrt entlang der Kueste bekommen. Erfreulicherweise bestaetigte sich im Laufe des heutigen Tages der erste Eindruck. Waehrend der ganzen Etappe waren kaum Steigungen zu bewaeltigen und so kam ich trotz der inzwischen schon unangenehm kurzen Tage gut voran. Sollte die Strecke weiterhin so verlaufen, koennte ich bereits morgen in Barcelona sein.

Merkwuerdigerweise sah ich heute ganze Horden von Rennradlern. In den Tagen zuvor, in denen ich durch das Bergland strampelte, sah ich meist nicht einen einzigen am Tag. In den Pyrenaeen war es nicht ganz so extrem, die Tendenz war aber aehnlich. In den Bergen waren zwar schon einige Radler unterwegs. Im Pau-Tal aber waren ganze Massen davon. Sollte da etwa jemand seinen “Radurlaub in den Pyrenaeen” am Flussbett entlang verbringen? :-)

Um Strecke zu machen, ist die Gegend entlang der Kueste zugegebenermassen ideal. Auf Dauer waere sie mir aber zu stark besiedelt, zu laut und sicherlich schon nach kurzer Zeit auch zu langweilig.

Ich hatte ja geschrieben, dass ich mich morgens immer gut einpacken muss, da es kalt ist. Scheinbar sind die Einheimischen andere Temperaturen als ich gewoehnt. Sie kamen mir auch mittags noch mit Nasenschoner und Handschuhen entgegen, als ich schon seit Stunden wieder auf kurze Hose und T-Shirt umgestellt hatte. Vermutlich wuerde ich hier zum Ausgleich im Hochsommer bei der ersten Steigung mit einem Hitzschlag vom Rad kippen.

Da es an der Mittelmeerkueste bekanntlich viele Campingplaetze gibt, wollte ich mir heute eine warme Dusche nicht entgehen lassen. In L’Ampolla fuhr ich von der N340 ab, auf der ich heute fast den ganzen Tag verbracht hatte, und folgte einer Ausschilderung, die mich durch die ganze Stadt bis hin zum gesuchten Ziel fuehrte. Zu meinem Glueck hatte der Platz noch nicht jahreszeitlich bedingt geschlossen, wodurch ich heute mal wieder in den Genuss von etwas “Zivilisation” kam.

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10.11.2007, 12:19.
Mit dem Fahrrad an der Mittelmeerküste entlang zu fahren ist eine eher gemütliche Angelegenheit.
Steigungen gibt es nur wenige und selbst der Verkehr hielt sich hier halbwegs in Grenzen.
 

Betxi - 141 km - 13153 km

9. November 2007, 20:54

Obwohl ich die Nacht auf einem Olivenfeld verbracht hatte, wurde ich heute ausnahmsweise nicht von einem Bauer geweckt. Das ganze Tal war menschenleer, selbst auf der Strasse fuhr nur alle paar Minuten ein einzelnes Auto. Ich konnte also gemuetlich ausschlafen.

In Norwegen haette ich vermutlich geschrieben “endlich gutes Wetter”, verglichen mit der bisherigen Zeit in Spanien war es heute aber eher schlecht. Es regnete nicht, der Himmel sah aber oft nach Niederschlag aus. Die Sonne war heute jedenfalls nicht auszumachen, wodurch es recht kuehl war.

Hinzu kam, dass ich heute wieder etwas hoeher hinauf musste, als die letzten Tage. Zuerst war der Alto de Montmayor zu ueberwinden, danach die Sierra d’Espada zu durchfahren. Jeweils war ich knapp 1000 m hoch, was sich an den gefuehlten Temperaturen deutlich zeigte.

Am Ende der Etappe gab es dann aber den Ausgleich. Eine Abfahrt fast bis auf Meereshoehe folgte der Kletterei.

Das Meer konnte ich bei der Abfahrt leider noch nicht sehen. Die Fernsicht traegt den Namen heute zu unrecht, von “Fern” kann bei der trueben Luft keine Rede sein. Ansonsten haette ich vermutlich eine schoene Aussicht auf das Mittelmeer gehabt.

Am Ende der langen Abfahrt landete ich in einer riesigen Plantage nahe Betxi. Im Laufe des Tages wechselte die Landwirtschaft fast komplett weg von Oliven hin zu Orangen. Leider war die Plantage zwischen Schnellstrasse und Berge eingeschlossen und so irrte ich bei einsetzender Dunkelheit fuer etwa acht Kilometer auf kleinen Strassen durch das mit Orangenbaeumen bepflanzte Gebiet. Erst nach laengerem Suchen fand ich einen Ausweg. Ueber eine Bruecke konnte ich die Schnellstrasse ueberwinden, wodurch ich in ein angrenzendes Industriegebiet gelangte. Dort habe ich mir an einem Flussufer eine schlecht einzusehende Stelle als Zeltplatz ausgesucht. Vermutlich haette ich an der nahen Kueste auch einen Campingplatz finden koennen, allerdings hatte ich wenig Lust bei Dunkelheit auf die Suche zu gehen.

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09.11.2007, 10:27.
Sot de Chera

Diese Gegend hat zum Fahrrad fahren eine ganz klare Empfehlung verdient.
 
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09.11.2007, 10:41.
Traumhafte Landschaft bei Sot de Chera.

Wer möchte hier nicht mal mit dem Fahrrad auf Tour gehen?
 
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09.11.2007, 18:02.
Was hier wie eine kleine Kuppe aussieht, hatte in Wirklichkeit als Vorspiel einen kilometerlangen Anstieg.
 
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10.11.2007, 09:01.
Im Gewerbegebiet von Betxi.

Dies war einer der am wenigsten reizvollen Zeltplätze der ganzen Fahrradreise.
 

Bei Chera - 97 km - 13012 km

9. November 2007, 11:44

Der Nebel heute Morgen hielt sich hartnaeckig bis etwa 10:30 Uhr. Dann gewann die Sonne langsam die Oberhand. Entsprechend packte ich auch erst relativ spaet zusammen. Kurz bevor ich losfuhr kam eine Staubwolke auf dem Damm, auf dem ich uebernachtet hatte, in meine Richtung gezogen. Es wirkte wie in einem Western, wenn die Verstaerkung oder der Gegner anrueckt. Ganz so spektakulaer war der Ursprung dann doch nicht: Eine Schafherde wurde auf dem kleinen Trampelpfad neben dem Damm entlang getrieben. Da der Weg aber so klein war, lief der Grossteil der Herde nicht neben, sondern auf dem langen Plateau, auf dem noch vor wenigen Minuten mein Zelt stand.
Haette ich mich zu diesem Zeitpunkt noch im Zelt befunden, ich haette wohl ganz schoen dumm aus der Waesche geschaut, ploetzlich in einer vorbeiziehenden Schafherde zu liegen.

Ich verliess den Damm also kurz vor dem Eintreffen der Tiere und fuhr ab. Wie bereits gestern war der Streckenverlauf ziemlich flach, nur selten mischten sich ein paar Kilometer mit Anstiegen darunter.

Nach etwa 50 km machte ich an einer Tankstelle eine Pause. Ich halte oft an Tankstellen, weil ich dort Trinken kaufen kann (die Preise fuer Wasser sind unwesentlich hoeher als im Supemarkt), weil Toiletten vorhanden sind, weil man immer einen Schatten findet und weil dort meist eine freie Steckdose auf mich wartet.
Im Gegensatz zu Deutschland wird man an spanischen Tankstellen noch bedient. Schon vor ein paar Tagen, an einer Tankstelle bei Jaen, schenkte mir einer der Maenner, die gerade auf Arbeit warteten, eine Flasche Wasser. Ich hatte zwar erst wenige Minuten zuvor in der Tankstelle Trinken gekauft, freute mich aber ueber die nette Geste. Heute kaufte ich an der Tankstelle gar nichts, sondern nutzte nur ihren Schatten. Trotzdem kam ein junger Mann, etwa 20 Jahre alt und der einzige dort zu sehende Mensch, mit einer Wasserflasche auf mich zu und gab sie mir, waehrend er auf die Sonne zeigte und sich symbolisch den Schweiss von der Strin wischte.
Ich bedankte mich freundlich und er begann mich etwas ueber meine Reise zu fragen. Zwar sprach er kein Englisch, aber mit Haenden und Fuessen verstaendigten wir uns halbwegs. Da er viel Zeit zu haben schien und sich sehr wissbegierig zeigte, erzaehlte ich nicht nur die Kurzversion (meist nenne ich nur einen Teil der Strecke, beispielsweise in Spanien: Pamplona-Tarifa-Barcelona), sondern zeigte ihm auf der Europakarte meinen Weg der letzten Monate. Er schien beeindruckt, musste dann aber zur eben herangefahrenen Kundschaft. Als ich losfahren wollte, winkte er mich zu sich herueber und nahm mich mit in das kleine Geschaeft der Tankstelle. Dort schenkte er mir noch zwei sich selbst erwaermende Kaffeebecher.
Die Idee dieser Becher finde ich interessant. Man drueckt am Boden der Verpackung auf eine markierte Stelle und vermischt dadurch zwei Stoffe, was eine chemische Reaktion ausloest und den Kaffee erwaermt. Man verbrennt sich nicht unbedingt die Lippen an dem Getraenk, es ist aber auch nicht nur lauwarm.
Fuer einen radreisenden Kaffeefreund im Grunde keine schlechte Sache. Waere da nicht das unguenstige Gewichtsverhaeltniss. Der Becher ist gross wie eine handelsuebliche Getraenkedose und wiegt auch entsprechend. Enthalten sind aber nur 75 ml Kaffee. Bei drei Tassen Kaffee bringt ein kleiner Gaskocher sicherlich weniger Gewicht auf die Waage als ein paar dieser Becher.

Ich moechte mich aber nicht undankbar verstanden wissen. Er erklaerte mir voller Stolz die Funktionsweise und mit ebenso grosser Freude nahm ich die beiden Becher entgegen. Dass er in mir nicht den Kaffee-Freund schlechthin erwischt hatte, konnte er ja nicht ahnen.

Derart reich beschenkt fuhr ich dann aber tatsaechlich los zum zweiten Teil der Etappe. Bis Chera war die Landschaft zwar nicht zu verachten, so richtig schoen wurde sie aber erst auf den wenigen Kilometern, die ich danach noch zurueckgelegt habe. Wieder schlaengelt sich ein Fluss durch einen tiefen Canyon, was in der Abendsonne beeindruckend aussah. Uebermaessig weit war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekommen, aber es daemmerte bereits. Diese Landschaft bei Dunkelheit zu durchradeln waere wirklich eine Suende gewesen, also entschloss ich mich zur Uebernachtung auf einem winzigen Olivenfeld, das wegen des steilen Abhangs auf ein paar Terrassen mit jeweils nur einer Hand voll Baeume verteilt ist. So kann ich nicht nur morgen bei Helligkeit den Rest der schoenen Gegend geniessen, sondern konnte auch noch mit Panoramablick zu Abend essen.

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08.11.2007, 12:06.
Diese Schafherde hat mich morgens von dem Damm vertrieben. Zum Glück hatte ich schon angefangen zu packen bevor ich sie bemerkt habe.
Ich stelle mir vor, wie die Schafe beispielsweise an meinen Zeltschnüren hängen bleiben...

So musste ich aber nur noch auf mein Fahrrad steigen und losfahren.
 
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08.11.2007, 18:04.
Jeder halbwegs ebene Fleck wird mit Olivenbäumen bepflanzt.

Zum Fahrrad fahren ein sehr schönes Teilstück: hügelig genug um die Aussicht genießen zu können, aber gleichzeitig auch nicht allzu anstregend.
 
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08.11.2007, 18:05.
Berge in der Nähe von Chera.
 
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08.11.2007, 18:48.
Dieser Fluss schlängelt sich sehr malerisch durch die Berge und begleitet die Straße für viele Kilometer.
 

Casas Ibanez - 125 km - 12915 km

8. November 2007, 08:11

Wie fast immer auf Campingplaetzen, kam ich gestern etwas spaeter los, als bei einer wild gecampten Nacht.
Ich hatte bei der Abfahrt die Wahl entweder den bekannten Weg zurueck zur Hauptstrasse zu nehmen, oder weiter in den Bergen zu radeln und erst 40 km weiter wieder auf meine eigentliche Strecke zu stossen. Da mir die Sierra de Alcaraz gut gefiel, entschied ich mich fuer die zweite Variante.

Als ich etwa die Haelfte der Etappe hinter mir hatte, wurde es nach vielen Tagen das erste Mal wieder richtig flach. Schoenerweise blieb das fast die ganzen restlichen Kilometer so. Ein wenig Rueckenwind tat das Uebrige.

Campingplatz kam wie erwartet keiner, also bog ich kurz vor Sonnenuntergang nahe Casas Ibanez in einen Feldweg ein und folgte ihm mehrere hundert Meter. Ich entdeckte etwas, das wie ein Damm aussah, der ebenso an der Nordsee haette stehen koennen. Er reicht so weit mein Auge sehen kann, ist mehrere Meter hoch und hat oben eine vielleicht vier Meter breite Flaeche. Was dieses Bauwerk bezwecken soll, ist mir schleierhaft. Auf beiden Seiten des Damms liegen Felder - und oben darauf liege momentan ich.

Schon beim Aufwachen heute Morgen fuehlte sich das Zelt an wie eine Tropfsteinhoehle. Ein Blick ins Freie verriet mir dann warum: Draussen haengt eine dicke Nebelsuppe in der Luft. Man sieht keine 100 m.
Das schmaelert meinen Drang zum Aufbruch ganz erheblich. Mal abwarten, vielleicht kaempft sich in den naechsten ein oder zwei Stunden die Sonne ihren Weg durch die Nebelwand.

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07.11.2007, 19:02.
Ich habe mein Fahrrad auf diesen Damm geschoben und mein Zelt darauf errichtet.
 

Penascosa - 74 km - 12791 km

6. November 2007, 21:22

Noch vor Tagesanbruch fuhren heute morgen zwei gut besetzte Gelaendewaegen auf das Olivenfeld, das ich als Schlafplatz ausgesucht hatte. Schon oft hatte ich unterwegs beobachtet, dass Aeste und Laub auf den Olivenfeldern verbrannt wurden, und genau dies hatten die etwa zehn Mann vor. Kaum hatten die Fahrzeuge angehalten, brannte auch schon ein Feuer und eifrig wurde von allen Ecken des Feldes von kleinen Haeufchen Brennmaterial herangetragen. Ich hatte an der Stelle nahe des Flusses nicht weit weg von ihrer Feuerstelle gezeltet. Das habe ich ja mal wieder prima getroffen :-(

Unauffaellig verschwinden war nicht moeglich, sie hatten mich beim Heranfahren im Lichtkegel ihrer Autos sicherlich laengst entdeckt. Mein Zelt ist zwar gruen und bei Daemmerung schlecht zu sehen. Die roten Taschen meines Fahrrads, die nebenbei ueber und ueber mit Reflektoren beklebt sind, waren ihnen aber sicher nicht verborgen geblieben. Als ich aus meinem Zelt kroch, wurde ich freundlich gegruesst. Einer versuchte sogar mich ein wenig ueber meine Tour auszufragen, die Sprachbarriere verhinderte aber einen Austausch grossteils. Wenige Minuten spaeter, als ich abfuhr, bekam ich noch ein nettes Winken von der ganzen Mannschaft. Gestoert hat sich also niemand an meiner Anwesenheit.
Ich frage mich, wie ich es immer schaffe, genau DIE Plaetze auszusuchen, an denen morgens jemand arbeitet. Ich schaetze, dass hoechstens auf jedem 30. Feld, das ich passiere, Menschen zu sehen sind. Stets suche ich mir aber eines zum Uebernachten aus, auf dem ich morgens geweckt werde.

Wieder war es kalt vor Sonnenaufgang, so dass die Handschuhe zum Einsatz kamen. Blinzelt die Sonne dann aber ueber die Berge, wird es in Minutenschnelle so warm, dass man sich vorkommt wie ein Eskimo in der Wueste.
Das Zwiebelprinzip, immer eine Schale nach der anderen abzulegen, kommt hier nicht zum Einsatz. Bis Sonnenaufgang sind Handschuhe, Beinlinge und Fleecejacke angesagt, sofort danach haelt man es nur noch in kurzer Hose und T-Shirt aus.

Nebenbei: Das Wetter empfinde ich als geradezu ideal. Wenn das hier tagsueber aber normale Temperaturen fuer November sind, bringen mich im Sommer keine zehn Pferde her. Zum Radfahren schon gleich dreimal nicht.

Durch den fruehen Start war ich gegen Mittag bei Alcaraz, wo es angeblich einen Campingplatz geben sollte. Tatsaechlich kam zwei Kilometer nach der kleinen Stadt ein Schild, dass mir acht Kilometern abseits der Hauptstrasse eine offizielle Zeltmoeglichkeit versprach. Leider liegt suedlich der Hauptstrasse die Sierra de Alcaraz, also fand ich den Campingplatz erst einige hundert Hoehenmeter ueber meinem eigentlich geplanten Streckenverlauf.

Normalerweise haette ich nur wegen eines Campingplatzes keinen so grossen Umweg eingelegt. Meine letzte richtige Dusche in Tarifa lag allerdings schon einige Tage zurueck. Deutlicher ausgedrueckt: Ich beneidete schon manch ueberholenden Schweinetransporter um seine vortreffliche Hygiene.
Zudem werde ich die naechsten zwei bis drei Naechte auch nicht sehr viele Chancen in dieser Hinsicht bekommen. Ich nahm den Umweg also in Kauf.

Entgegen meinen Befuerchtungen war der Campingplatz geoeffnet, auch wenn ausser mir nur ein paar verlassene Wohnwaegen auf dem Areal stehen.
Die zweite Tageshaelfte verbrachte ich mit “Hausarbeit”. Die Waesche ist gewaschen und tollerweise auch fast schon wieder trocken, das Zelt ist geputzt, das Fahrrad bekam etwas Pflege ab und ich fuehle mich auch wieder wie ein Mensch.
So ein Campingplatz kann schon etwas Tolles sein.

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06.11.2007, 08:12.
Zielsicher habe ich mir wieder einen solchen Übernachtungsplatz ausgesucht, der frühmorgens von Landwirten aufgesucht wird.
 
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06.11.2007, 15:18.
Mein Zelt und Fahrrad auf dem Campingplatz in Penascosa.
 

Arroyo del Ojanco - 122 km - 12716 km

5. November 2007, 20:06

Die spanischen Bauern scheinen meine Google-Karte sehr genau zu verfolgen. Jedenfalls war auch heute Morgen auf dem Feld unmittelbar neben mir schon einer mit dem Traktor fleissig unterwegs. Da ich mich aber so platziert hatte, dass er mich nicht sehen konnte, liess ich mich nicht vertreiben und startete heute wesentlich spaeter als an den Tagen zuvor. Nach einem Einkauf unweit meines Schlafplatzes machte ich mich gegen elf Uhr auf die Etappe.

Die Landschaft besteht hier hauptsaechlich aus zwei Teilen. Entweder sind steile felsige Berge zu sehen, oder es sind kleinere Huegel, die dann nahezu lueckenlos mit Olivenbaeumen bewachsen sind. Meist ist man von riesigen Olivenplantagen umgeben, nur die Berge in oft weiter Entfernung begrenzen die Sicht. Insgesamt gefaellt mir die Gegend recht gut. Durch die Olivenbaeume wirkt die trockene Erde gleich viel weniger wuestenartig.
Nur eine Sache habe ich zu bemaengeln: Die Strasse, auf der ich seit gestern fahre und der ich auch die naechsten Tage folgen werde, scheint keinen Huegel auszulassen. Ich habe langsam die Vermutung, die Planer wurden nach Hoehenmeter bezahlt.

Die Temperaturen, wie auch das sonstige Wetter, waren heute wieder spitze. Ich kann mich nicht erinnern auch nur eine Wolke am Himmel gesehen zu haben. Zudem ging ein leichter Wind, der bei den vielen Anstiegen ein wenig Kuehlung brachte.
Man koennte das Wetter als “nicht verbesserungsfaehig” bezeichnen.
Auch heute musste ich zweimal Getraenke nachkaufen. So sechs bis acht Liter brauche ich bei solchen Temperaturen und der trockenen Luft.

Morgen muesste ich an einem Campingplatz ankommen. Er ist nur noch rund 70 km entfernt, also eigentlich zu nahe fuer eine ganze Etappe. Ich koennte mir aber vorstellen, dass ich dem Sirenengesang der Campingplatzdusche nicht widerstehen kann.
Eigentlich zelte ich direkt am Fluss, aber das ist so eine dreckige Bruehe, da werde ich keinesfalls reinhuepfen.

Ein Olivenfeld hat es mir mal wieder als Uebernachtungsplatz angetan. Mehr aus der Not heraus, denn es kam nichts anderes. Diesmal habe ich mich aber nicht zwischen den Baeumen versteckt, sondern mich am Rio Guadalimar, der mitten durch das Feld verlaeuft, platziert. So habe ich immerhin noch ein klein wenig Ausblick.

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05.11.2007, 15:44.
Im Hintergrund Berge und ansonsten Olivenfelder in Massen.
 

Mancha Real - 144 km - 12595 km

4. November 2007, 20:46

Eigentlich war ich der festen Ueberzeugung, dass ich wegen des heutigen Sonntags etwas laenger im Olivenfeld ausschlafen kann. Der Bauer, der gegen 6:10 Uhr bei noch voelliger Dunkelheit kreuz und quer ueber das Nachbarfeld fuhr, um hier und da mit lauten Schlaegen etwas im Boden zu versenken, sah das allerdings nicht so. Kurz vor sieben hatte ich also bereits gepackt und war abgefahren.

Kalt war es. Tagsueber ist die Sonne sehr angenehm, es ist eher 2 zwei Grad zu warm als zu kalt. Abends bleibt es auch lange genug mild, bei den fruehen Abfahrten ist es aber schon immer etwas frisch. Zwar mit kurzen Hosen aber auch mit Handschuhen bekleidet, ging ich heute auf die ersten Kilometer, bis die Sonne ueber die Berge blinzelte.

Die Etappe fuehrte erneut mitten durch die spanische Bergwelt, was sie landschaftlich sehr schoen, andererseits nicht minder anstrengend machte. Die Durchschnittsgeschwindigkeit (die ich nie berechne) fuehlte sich heute so niedrig an wie schon seit Langem nicht mehr.

Etwas deprimierend war es schon, als heute eine Landstrasse ploetzlich zur zweispurigen Schnellstrasse wurde und ich sie nicht mehr nutzen durfte. Insbesondere deshalb, weil mir ein grosses Schild daneben unter die Nase rieb, dass ich ueber den Umweg der EU diesen Ausbau auch noch mitfinanziert hatte.
Ansonsten sind diese “EU-Bezuschusst”-Schilder meist ein Anlass zur Freude, da sie einen guten Fahrbahnbelag versprechen. Heute hatte ich mal Pech und die EU hat es ZU gut fuer mich gemeint.

Manchmal wundere ich mich ueber mich selbst.
Als ich die Stadt Jaen passiert habe, sah ich bei einem kurzen Blick im Vorbeifahren von der Umgehungsstrasse aus ein historisches Bauwerk auf einem Huegel und dachte mir dabei etwas wie “sieht ganz nett aus”. Auf eine ausfuherliche Besichtigung, sowohl des Bauwerks als auch der Stadt, hatte ich aber nicht die geringste Lust.
Keine Stunde spaeter schlage ich mich eine halbe Ewigkeit durch das Gemuese, um den vorhin von der Strasse aus zu erahnenden Schlafplatz mit Blick herab auf eben diese Stadt als Lagerplatz zu suchen. Als dann das Zelt steht (im heutigen Fall auf einer Anhoehe zwischen zwei Olivenfeldern), blicke ich minutenlang hinab ins Lichtermeer und geniesse den Moment.
Bei Tageslicht werde ich morgen solche Staedte wieder interessenlos links liegen lassen.
Ich finde es zugegebenermassen selbst eine merkwuerdige Art zu reisen, aber sie bereitet mir einfach so viel Vergnuegen, dass ich nicht von ihr lassen moechte.

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04.11.2007, 18:53.
Bei Mancha Real.

Hier gibt es Olivenfeld an Olivenfeld.
Angesichts der Tatsache, dass mir diese Felder auch als wilde Zeltplätze dienen, hat das auch seine praktische Seite.
 
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04.11.2007, 19:57.
Mancha Real bei Nacht von meinem Zeltplatz aus fotografiert.
 
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05.11.2007, 10:06.
Zelt und Fahrrad zwischen zwei Olivenfeldern bei Mancha Real.
 

Puente-Genil - 158 km - 12451 km

3. November 2007, 19:03

Mein Schlafplatz heute Nacht war etwas unguenstig gelegen. Ich hatte keinerlei Windschutz und somit fiel die Nacht ziemlich unruhig aus. Morgens musste ich eh frueh los, da allein die Dunkelheit mein Zelt davor schuetzte, von der Strasse aus gesehen zu werden. Insgesamt haette die Nacht also erholsamer ausfallen koennen.

Dementsprechend war ich schon gegen 8:30 Uhr in Ronda, was noch voellig ausgestorben schien. Die kleine Stadt ist sehr schoen gelegen, aehnlich wie Arcos befindet sie sich auf einer scharf abfallenden Klippe. Ansonsten gab es dort aber nicht viel, was mein Interesse weckte. Allein wegen Ronda braucht man meiner Meinung nach nicht in die Berge fahren. Der schoene Weg von gestern Nachmittag macht es aus, dass sich die Strecke fuer mich trotzdem gelohnt hat.

Nach Ronda ging es noch rund 25 km auf gleicher Hoehe weiter, danach kam gluecklicherweise die Abfahrt. Oben in den Bergen hingen Wolken, kurz vor Ronda regnete es sogar leicht. Unten war es wieder angenehm warm und der Himmel aenderte sich zu reinem Blau.

Viele Campingplaetze werden mich auf dem Weg nach Barcelona nicht erfreuen.
Aus diesem Grund stehe ich gerade in einem Olivenfeld zwischen den Baeumen und warte, bis die Dunkelheit in wenigen Minuten den Startschuss zum Zeltaufbau gibt.

Da ich jeden Tag mindestens eine Dose der kleinen gruenen Leckereien verputze, betrachte ich die Wahl dieses Uebernachtungsplatzes also als eine reine Vertiefung der Kundenbeziehung. Hoffentlich muss ich das heute Nacht keinem Bauer auf spanisch erklaeren :-)

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03.11.2007, 10:16.
In Ronda.

Auch diese Stadt ist direkt an einen tiefen Abgrund gebaut.
 
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03.11.2007, 12:13.
Auf der Abfahrt von Ronda.

An der Küste war noch viel Grün zu sehen. Langsam dominiert wieder das gewöhnte Braun.
 
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03.11.2007, 18:47.
Felder so weit das Auge reicht.

Wie man an der Aufnahmezeit des Bildes sehen kann, geht die Sonne inzwischen schon recht früh unter, was zum Fahrrad fahren nicht gerade ideal ist.